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Der Priester aus dem Bistum Limburg, dem sexueller Missbrauch vorgeworfen wird, wurde jetzt von Bischof Georg Bätzing in den Ruhestand geschickt. 

Missbrauch an Kindern

Bistum Limburg: Schulpfarrer wird in Ruhestand versetzt

Ein Schulpfarrer aus dem Bistum Limburg muss endgültig gehen. 

Limburg - Mit der Vertuschung ist es vorbei, sagte Bischof Dr. Georg Bätzing am 5. April in Limburg, als er die geplanten Projekte des Bistums zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von katholischen Klerikern an Minderjährigen vorstellte. Die Studie zu diesem Komplex habe ihn geschockt und erschüttert.

Bätzing lässt den Worten Taten folgen. Eine Woche nach der Pressekonferenz schränkte er die Dienste eines Priesters, dem schon vor fast 20 Jahren der Missbrauch von Jugendlichen vorgeworfen wurde, weiter ein. Dies betraf vor allem den Umgang mit jungen Menschen. Nun hat er den 57-Jährigen in den Ruhestand versetzt.

Limburg: Vorwurf sexueller Missbrauch 

"Der Fall ist damit abgeschlossen", sagte Bistums-Sprecher Stephan Schnelle auf Anfrage dieser Zeitung. Der Mann habe keine Möglichkeit, gegen diese Entscheidung vorzugehen. Den Anlass für das harte Vorgehen des Bischofs nannte Schnelle nicht.

Bätzings Vorgänger Franz-Peter Tebartz-van Elst hatte bereits 2010 reagiert, als die Vorwürfe in der Öffentlichkeit durchgesickert waren. Der Theologe war zu dieser Zeit als Schulpfarrer an zwei Gymnasien in der Region tätig.

Schulleitung, Kollegen, Schüler und Eltern fielen aus allen Wolken. In der Region waren in neun Jahren keine Verfehlungen bekannt geworden. Aus der angekündigten Berufung zum leitenden Pfarrer wurde freilich nichts mehr.

Priester des Bistums Limburg in Ruhestand geschickt 

In den acht betroffenen Gemeinden ließ das Bistum im Gottesdienst eine Mitteilung verlesen, wonach der Mann seinen Dienst wegen einer psychischen Erkrankung und eines "schmerzhaften Prozesses", der bei ihm aufgebrochen sei, nicht antreten könne.

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Der verhinderte Seelsorger ging stattdessen in eine deutsche Großstadt, wo er ein Zusatzstudium machte und zuletzt einen Lehrauftrag als Dozent hatte. Diesen Job ist er aufgrund der Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz jetzt ebenfalls los.

Strafrechtlich erwarten ihn keine Konsequenzen. Die 2010 eingeleiteten Ermittlungen wurden eingestellt, weil die Taten verjährt beziehungsweise kirchenrechtlich nicht strafbar waren. Es gebe keine konkreten Hinweise auf sexuelle Übergriffe, hieß es damals. Der Geistliche gilt also auch nicht als vorbestraft.

Bischof Georg Bätzing hat eine klare Linie in Missbrauchsfällen versprochen - und setzt sie jetzt um.

Erste Anschuldigungen hatte es Anfang des Jahrtausends gegeben, 2010 erhärteten sich die Vorwürfe. Zunächst war die Rede davon, der Pfarrer trete den Heranwachsenden zu nahe. 

Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie im September 2019 hatten sich weitere Betroffene beim Bistum gemeldet. Nach der Anzeige eines Opfers gab der Mann die lange zurückliegenden Vorfälle in einer formellen Selbstanzeige gegenüber dem Bistum teilweise zu. Die Übergriffe sollen in den 1990er Jahren in einer Pfarrei in der Region geschehen sein.

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Nach Angaben des Bistums darf der Pfarrer, der weiter zur Diözese Limburg gehört, trotz der Versetzung in den Ruhestand priesterliche Aufgaben wie Eucharistiefeier, Taufe und Beichte übernehmen - allerdings nur mit der Genehmigung des Bischofs.

Limburg: Drei weitere Verfahren stehen aus 

Im Bistum laufen jetzt noch drei kirchenrechtliche Verfahren gegen Mitarbeiter wegen sexuellen Missbrauchs. Darunter ist ein Fall, der bundesweit für Aufsehen gesorgt hat und den der ehemalige Limburger Landgerichtspräsident Ralph Gatzka aufklären soll. Die kirchenrechtlichen Voruntersuchungen sind laut Stephan Schnelle abgeschlossen. Kai Moritz hat in den Medien über sein Martyrium berichtet, sieben Jahre lang von seinem priesterlichen Pflegevater missbraucht worden zu sein. Der frühere Personaldezernent des Bistums Helmut Wanka soll die Sache laut Moritz vertuscht haben, was dieser vehement bestreitet.

In den beiden anderen Fällen geht es um einen Kleriker und um einen pastoralen Mitarbeiter.

Von Joachim Heidersdorf

Das Bistum Limburg hat sich im Umgang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche* selbstkritisch gezeigt: „Im Bistum Limburg sind wir in der Vergangenheit falsche Wege gegangen.“ Nun soll der Abschlussbericht zu dem Fall bald veröffentlicht werden. Die Untersuchungen bestätigen nach Informationen von fnp.de* alle Angaben von Kai Moritz.

Auch im Wetteraukreis wurde ein Pfarrer freigestellt. Denn die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Geistlichen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch* von Schutzbefohlenen. Viele Gemeindemitglieder sind fassungslos. Ein junger Mann hat eine elfjährige Schülerin in Limburg begrapscht. Das Mädchen war mit der Schulklasse unterwegs.

*fnp.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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