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Hermann Klaus bei seiner Verabschiedung vor gut drei Jahren mit dem Hessen-Löwen.

Trauer

"Mister Sport" Hermann Klaus nach schwerer Krankheit gestorben

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Trauer um Hermann Klaus: Der langjährige Sportkreisvorsitzende und Kommunalpolitiker ist in der Nacht zum Freitag nach schwerer Krankheit im Alter von 74 Jahren gestorben. "Mister Sport" hinterlässt in der Region viele Spuren.

Limburg-Weilburg - Jahrzehntelang trat er bei Veranstaltungen im Landkreis voller Dynamik auf. Im vergangenen Jahr kam er auf Krücken, bei seinen letzten offiziellen Terminen im Juni im Rollstuhl. Nun kommt Hermann Klaus gar nicht mehr. Das macht viele Menschen weit über die Region hinaus sehr traurig.

"Mutig und stark" sei dieses Vorbild, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier bei der Verabschiedung des Heckholzhäusers am 27. April 2016 im Schupbacher Bürgerhaus. Mit fast 72 (!) ging Hermann Klaus als Referatsleiter im Hessischen Innenministerium in den Ruhestand. Freilich nicht ganz, denn im Hintergrund zog er weiter die Fäden, und an der Spitze des Sportkreises fortan noch intensiver.

Mutig und stark - das war Hermann Klaus auch nach der schlimmen Diagnose, die den bis dahin kerngesunden Menschen im Frühjahr 2017 wie ein Schlag aus heiterem Himmel traf. Er raffte sich nach schweren Operationen immer wieder auf, doch Anfang des Jahres ging es nach einem Schlaganfall immer mehr bergab. Der Mann, der leidenschaftlich für andere kämpfte, hat jetzt seinen letzten Kampf verloren. Am Dienstag musste er wieder in die Klinik - Not-OP! - und wachte nicht mehr auf. In der Nacht zu gestern erlag er im Weilburger Krankenhaus seinem Leiden. Der Tod war wohl eine Erlösung; das Mitgefühl gilt seinen Angehörigen.

Hermann Klaus hat dafür gesorgt, dass er nicht vergessen wird. Er hinterlässt in Hessen, vor allem aber im Landkreis Limburg-Weilburg, viele Spuren. "Mister Sport" führte fast 30 Jahre den Sportkreis, vorher war er 13 Jahre lang stellvertretender Vorsitzender. Außerdem mischte der Christdemokrat mehr als zwei Jahrezehnte in der Kommunalpolitik mit; unter anderem als langjähriger Vorsitzender der Beselicher Gemeindevertretung.

5000 Projekte gefördert

Wer so aktiv ist, hat natürlich auch Kritiker und Neider. Klaus nehme sich selbst zu wichtig, warfen sie ihm vor. Aber Klaus war wichtig! Das werden manche leider erst jetzt feststellen; die allermeisten wissen freilich um seine Verdienste. Zahlreiche Sportplätze, Turnhallen, Vereinsheime, Laufbahnen und andere Projekte wären ohne sein Mitwirken nicht entstanden.

Klaus habe Herausragendes geleistet, sagte Bouffier zum Abschied. "Sie haben dem Land Hessen und den meisten unserer mehr als 8000 Vereinen und 425 Kommunen gutgetan", lobte der Chef. In den 15 Jahren seiner Tätigkeit unterzeichnete der Referatsleiter 4940 Bescheide für Kommunen, Verbände und Vereine mit einem Volumen von insgesamt 265 Millionen Euro. Dieser Betrag stellt jedoch nur einen Bruchteil der Summe dar, die dadurch in die Wirtschaft und in die Infrastruktur geflossen sind.

Wie anerkannt Hermann Klaus war, dokumentierte die außergewöhnliche Festschar bei seiner Verabschiedung. Neben dem Ministerpräsidenten gaben sich der Innenminister, der Ex-Finanzminister, zwei Staatssekretäre, der Vize-Landtagspräsident, zwei Landräte, zwei Dutzend Bürgermeister, ebenso viele Bankvorstände und Unternehmer sowie führende Vertreter der Polizei und der Bundeswehr sowie die Spitzen des Sports vom LSB-Präsidenten abwärts die Ehre. Alle hoben Kompetenz, Fleiß, Leidenschaft und Verlässlichkeit des "großartigen Sportförderers" hervor, der seine Dienstzeit auf Bitten der Innenminister Bouffier, Rhein und Beuth drei Mal verlängerte.

Diese Tugenden bildeten auch die Basis für eine erstaunliche Karriere. Klaus wuchs in einfachen Verhältnissen in Weilburg auf, ging als Volksschüler ab, machte eine Handwerkslehre und dann eine Ausbildung zum Bankkaufmann. 30 Jahre arbeitete er für die Volksbank, ehe er mit 58 - in einem Alter, in dem andere ans Aufhören denken - den Beruf wechselte.

Klaus konnte stolz auf seine Lebensleistung sein, und das war er auch. Er war nicht immer ein netter Zeitgenosse. Er agierte als harter Verhandlungspartner und konnte auch unangenehm sein, weil er von anderen das einforderte, was für ihn selbstverständlich war, zum Beispiel Verbindlichkeit.

Pflichtbewusst bis zuletzt

Bei diesem unermüdlichen Einsatz rund um die Uhr blieb keine Zeit für Hobbys - und kaum fürs Privatleben.

Neben den genannten Eigenschaften zeichnete eine weitere Hermann Klaus aus: Pflichtbewusstsein. So ließ sich der Schirmherr noch Anfang Juni aus der Klinik zur Jubiläumsfeier des Musikzuges Heckholzhausen bringen, und Ende Juni war er - bereits schwer gezeichnet - als Vorsitzender der Max-Stillger-Stiftung bei der Spendenübergabe an 30 Empfänger dabei. Hut ab - nun leider auf seiner Beerdigung.

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