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Die modellhafte Nachbildung der Justitia steht auf dem Tisch eines Richters.

Prozess

29-Jähriger wegen Tierquälerei verurteilt

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Die Reste eines toten Hundes und ein verhungertes Schwein haben eine Tierärztin dazu gebracht, Anzeige zu erstatten gegen einen 28-jährigen Niederhadamarer. Der musste sich gestern vor dem Limburger Amtsgericht wegen Tierquälerei verantworten.

Wegen Tierquälerei wurde gestern ein 28-Jähriger aus Niederhadamar von Strafrichterin Bettina Kilian zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt. Die Staatsanwältin hatte für eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 80 Euro plädiert. Verteidiger Martin Menges stellte keinen konkreten Strafantrag und überließ es dem Gericht, ein Strafmaß zu finden.

Der Angeklagte war Halter von zwei Hunden, einigen Schafen und zwei Mastschweinen, die er auf seinem Gelände in Niederhadamar mehr schlecht als recht versorgt hatte. Die Tierärtin, die schließlich Anzeige erstatet hatte, berichtete vor Gericht: „Ich war erschüttert. Ein Schwein war verhungert und verdurstet.“ Zudem habe man Reste eines toten Hundes gefunden.

Die Veterinärin sagte, in diesem Fall müsse ein Zeichen gesetzt werden, denn der Angeklagte hätte wohl auch in Zukunft mit der nicht sachgerechten Behandlung von Tieren weiter gemacht und weiteren Schaden angerichtet. Trotz Mahnungen habe sich der 28-Jährige nicht an die Weisungen des Veterinäramts gehalten. Die Ärztin bemängelte die nicht artgerechten Stallungen, die voller Kot gewesen waren.

Der Angeklagte ließ durch einen Verteidiger eine Erklärung verlesen. Der Mann hatte sich nach seinen Angaben die Tiere in gutem Zustand gekauft. Eines von zwei Schweinen sei schon immer schwächer gewesen und habe besonderer Pflege bedurft . Nach seinem Umzug nach Runkel seien die Hunde in Niederhadamar geblieben. Ständiges, heftiges Bellen der Hunde habe für Streit mit den Anwohnern und danach für Besuche durch das Veterinäramt gesorgt.

Im März 2017 sei er, der Angeklagte, schwer krank geworden. Vier Monate wurde er wegen einer schweren Herzerkrankung krank geschrieben. „Die Tiere wurden trotzdem von meiner Frau gut behandelt“, führte der Angeklagte aus. „In der Folge sei jedoch alles aus dem Ruder gelaufen und ihm sei vom Veterinäramt das Halten von Tieren verboten worden.

Die Richterin hörte aufmerksam zugehört und stellte anhand von Fotos fest, dass die Schweine kaum als Schweine zu identifizieren gewesen seien. Die Fußböden waren völlig verdreckt und die Schafe seien nicht geschoren worden. Von einer artgerechten Tierhaltung könne man in diesem Fall nicht reden. Auch Verteidiger Martin Menges räumte aufgrund der vorgelegten Fotos ein, dass die Tiere enorm gelitten haben müssen. Der neun Mal meist wegen Straßenverkehrdelikten vorbestrafte Niederhadamarer erhielt zum Ende der Verhandlung mehrere Rüffel. Richterin Bettina Kilian sagte, der Angeklagte habe über Wochen vorsätzlich gehandelt und seine bisherigen Vorstrafen hätten auch für eine Haftstrafe genügt. Das Geständnis habe schließlich für eine mildere Strafe gesorgt.

„Zustand abartig“

Nach sieben Jahre ohne eine Straftat begangen zu haben, sei das Geständnis sehr wertvoll gewesen. Zuvor hatte die Staatsanwältin die Anregung von Verteidiger Martin Menges abgelehnt, wonach das Verfahren eingestelllt werden solle. Fazit der Richterin: „Der Zustand der Tiere war abartig. Die Tiere haben schwer gelitten,aber der Angeklagte habe Reue und Einsicht für sein „nicht akzeptables Handeln“ gezeigt. Die Konsequenz: 2800 Euro Geldstrafe.

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