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Corona-Kinder-Impfungen starten: Hohe Nachfrage – doch viele Ärzte haben auch Bedenken

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Von: Sebastian Semrau, Sabine Rauch

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Corona-Impfungen für Kinder
Die Stiko empfiehlt die Corona-Impfung jetzt auch für Kinder, vor allem für solche mit Vorerkrankungen oder mit Kontakt zu gefährdeten Menschen. (Symbolfoto) © Gustavo Valiente/Imago Images

Die Corona-Impfung der Kinder von fünf bis elf Jahren im Kreis Limburg-Weilburg soll beginnen. Die Nachfrage ist groß. Viele Hausärzte haben allerdings Bedenken.

Limburg-Weilburg – Die Stiko macht es den Ärzten nicht gerade leicht: Kinder mit Vorerkrankungen sollten gegen Corona geimpft werden. Außerdem Kinder, "in deren Umfeld sich Kontaktpersonen mit hohem Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf befinden, die selbst nicht oder nur unzureichend durch eine Impfung geschützt werden können", heißt es in der neuen Empfehlung der Ständigen Impfkommission. Und: "Darüber hinaus können auch fünf- bis elfjährige Kinder ohne Vorerkrankungen gegen Covid-19 nach entsprechender ärztlicher Aufklärung geimpft werden, sofern ein individueller Wunsch der Kinder und Eltern bzw. Sorgeberechtigten besteht."

Der Wunsch besteht, sagt Stephan Plum, Kinderarzt in Limburg. "Die Nachfrage ist groß." Wann und ob er sie befriedigen kann, weiß er noch nicht. "Das Vertrauen gegenüber den Lieferungen ist schon so oft enttäuscht worden, dass man nur an das glaubt, was man im Kühlschrank hat."

Kinder-Impfungen in Limburg: Impftstoff gegen Corona wurde bereits geliefert

Der Landkreis Limburg-Weilburg hat schon eine Lieferung bekommen, seit Dienstag (14.12.2021) sind 5000 Dosen da - von 5000 Dosen, die er bestellt hat. Damit hatte eigentlich niemand gerechnet. Denn in der Regel sei immer nur ein Bruchteil dessen geliefert worden, was der Kreis bestellt hatte, sagt Kirsten Eckenberg, die Leiterin des Gesundheitsamtes.

Wann der Kreis anfängt, den speziell für Kinder entwickelten mRNA-Impfstoff zu verteilen, steht noch nicht fest. Denn vorher wollen sich Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und Vertreter der niedergelassenen Ärzte zusammensetzen. "Zeitnah", vermutlich in der kommenden Woche. "Wir müssen auch beim Kinderimpfen alle eine gemeinsame Linie und ein gutes Konzept finden", sagt Landrat Michael Köberle. "Das ist ein sensibles Thema." Weil es keine klaren Vorgaben von der Stiko gibt, keine klare Priorisierung. Und weil man nie weiß, wie viel Impfstoff kommt.

Kinder-Impfungen in Limburg: Das empfiehlt die Stiko

Die Stiko empfiehlt zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty (10µg) im Abstand von drei bis sechs Wochen. Zum Glück sei dieser Impfstoff gut zu lagern, sagt Kirsten Eckenberg. Denn er sei schon fertig in der Lösung, müsse nicht erst in Spritzen aufgezogen werden. Die Lagerung von Impfstoff sei aber nicht das Problem, sagt Michael Köberle. Die Kapazität sei da - wo, will der Kreis nicht verraten, "aus Sicherheitsgründen".

Aber er verrät gerne, dass er froh ist über das "kleine Impfzentrum" - direkt gegenüber vom ehemaligen sehr viel größeren Impfzentrum. Es sei eine gute Entscheidung gewesen, weiter zu impfen, auch nach dem Schließungsbefehl, sagt Landrat Köberle.

Impfung gegen Corona für Kinder: Hausärzte in Limburg und Region haben Bedenken

Rund 300 Menschen werden dort jeden Tag mit Termin geimpft - und es könnten mehr sein. Wann die ersten Kinder ins Impfzentrum geladen werden, ist noch nicht klar. Aber dass dort in Zukunft auch Mädchen und Jungen im Alter von fünf bis elf Jahren geimpft werden, steht schon fest. Denn nicht alle Ärzte impfen - und wenn es um Kinder geht, tun sich viele schwer. Erst Recht, wenn die Empfehlung der Stiko es ihnen nicht gerade leicht macht.

Viele Hausärzte haben Bedenken gegen die Covid-Impfung für Kinder, berichtet Simon Fachinger, Vorsitzender des Hausärzteverbandes im Bezirk Limburg. "Einige machen es schon, ein paar wollen noch abwarten, manche wollen es definitiv nicht." Er persönlich könne es sich durchaus vorstellen, auch Kinder zu impfen, aber nur jene, die er kennt, deren Krankheitsgeschichte er kennt.

Jenen Eltern, die keinen Kinder- oder Hausarzt finden, der ihr Kind impfen will, will der Kreis ein Angebot machen. "Jeder, der geimpft ist, schützt sich und andere", sagt der Landrat. Und dafür gelte es, die gute Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten fortzusetzen. "Wir sitzen alle in einem Boot." Zu dieser guten Zusammenarbeit gehöre es auch, dass der Kreis den Ärzten mal aushilft und Impfstoff aus seinem Kontingent zur Verfügung stellt, wenn er knapp wird.

Das Ziel sei es, das Impfen der Kinder "auf möglichst breite Schultern zu verteilen, um alle Kinder, die gemeinsam mit ihren Eltern an einer Impfung interessiert sind, so schnell wie möglich zu impfen", sagt Jan Kieserg, der Sprecher des Kreises.

Limburg-Weilburg: „Gestartet wird sobald der Impfstoff da ist“

Denn ein Problem kommt in den Praxen der niedergelassenen Ärzte ja noch dazu: Winterzeit ist sowieso Hochsaison. "Da die Impfungen zusätzlich zur im Winter ohnehin reichlichen Arbeit durchgeführt werden müssen, ist die Kapazität begrenzt", sagt Kinderarzt Stephan Plum. Aber aktuell werde die Anzahl der Impfungen vor allem durch die Liefermenge bestimmt. Dass die nicht immer den Erwartungen entspricht, liege nicht an den Apotheken, betont Stephan Plum. Die seien genauso belastet wie Arztpraxen, öffentlicher Gesundheitsdienst und Krankenhäuser. Einig seien aber alle, dass geimpft werden muss: "Gestartet wird sobald der Impfstoff da ist."

Im benachbarten Rhein-Lahn-Kreis geht es schon los: Am Samstag (18.12.2021) werden im Impfzentrum in Lahnstein die ersten Kinder geimpft - Termine: www.impftermin.rlp.de.

Corona-Impfungen im Kreis Limburg-Weilburg: "Es war wichtig, das DRK einzubinden"

Die Schlangen bei den Sonder-Impfaktionen werden kürzer, auf einen Termin im Impfzentrum muss man nur noch ein bisschen länger als zwei Wochen warten, der Landkreis Limburg-Weilburg ist zufrieden mit der Impfquote. "Wir haben alle gemeinsam gut gearbeitet", sagt Landrat Michael Köberle. Und das Ergebnis könne sich sehen lassen. Bislang seien 124 541 Menschen vollständig geimpft (72,3 Prozent), 43 032 (25 Prozent) hätten schon ihre Auffrischungsimpfung erhalten und 128 973 Menschen (74,9 Prozent) seien immerhin zum ersten Mal geimpft.

Im Moment sei ausreichend Impfstoff da, sagt Michael Köberle. Wenn auch nicht jeder immer den Impfstoff bekommt, den gerne hätte. "Wie es Anfang kommenden Jahres ist, können wir noch nicht sagen. Auch wir erfahren das oftmals erst aus der Presse." Aber das Ziel bleibt gleich: Möglichst viele Menschen durch eine Impfung zu schützen. Das funktioniere im Kreis auch deshalb so gut, weil die Kooperation mit den niedergelassenen Ärzten und dem DRK so gut funktioniere. "Es war wichtig, die Hilfsorganisationen einzubinden."

Zu den Sonderimpfaktionen der mobilen Teams kämen auch viele Menschen, die bisher noch gar nicht geimpft waren, sagt Kirsten Eckenberg, die Leiterin des Gesundheitsamtes. So lange das Angebot noch so gut angenommen wird, bleibt es bestehen. Wenn irgendwann keiner mehr kommt, sollen sich die mobilen Impfteams auf die Limburger Innenstadt konzentrieren. (Sabine Rauch/Sebastian Semrau)

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