Die 99-jährige Hilde Teufer aus Elbtal hat keine Angst vor der Corona-Pandemie. (Symbolfoto)
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Die 99-jährige Hilde Teufer aus Elbtal hat keine Angst vor der Corona-Pandemie. (Symbolfoto)

Fliegerbomben und Pandemie

99-Jährige über Corona-Pandemie - „Was soll mir schon groß passieren?“

  • Sabine Rauch
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Die 99-Jährige Hilde Teufer hat keine Angst vor der Corona-Pandemie. Sie hat Schlimmeres erlebt. Sorgen macht sie sich allerdings um ihre Urenkelinnen.

  • In Elbtal lebt die 99-jährige Hilde Teufer, die ihre Erinnerungen und Gedanken mit uns geteilt hat
  • Die 99-Jährige hat schon weitaus Schlimmeres als die Corona-Pandemie erlebt
  • Sie hat keine Angst vor der Corona-Pandemie, ist aber wegen ihrer Urenkelinnen besorgt

Elbtal -  Hilde Teufer ist eine der ältesten Mütter in der Region. Sie hat einen ganz besonderen Blick auf den Muttertag - und auf die Corona-Pandemie: Den Blick einer 99 Jahre alten Frau. Deshalb macht sich die alte Dame aus Hangenmeilingen auch mehr Gedanken über ihre Nachkommen als über sich selbst.

Nein, Angst vor dem Coronavirus hat sie nicht. „Ich sehe das entspannt“, sagt Hilde Teufer und lacht. Aber sie weiß, dass ihre Kinder, Enkel und Urenkel das Ganze nicht so locker nehmen und sie für ziemlich leichtsinnig halten. Vielleicht mache sie sich nicht genug Sorgen um ihre Gesundheit, sagt Hilde Teufer. „Aber was soll mir schon groß passieren?“

Sie sei in ihrem ganzen Leben nicht ernsthaft krank gewesen, und sie sei doch schon alt. Im kommenden März wird sie 100. Und sie hat schon viel erlebt. Schlimmeres als die Corona-Pandemie.

Als der Zweite Weltkrieg begann, war Hildegard Teufer 18 Jahre alt. In Wiesbaden hat sie erfahren, was es heißt, wenn die Bomben fallen. Sie kann sich noch gut daran erinnern, wie es war, wenn der Nachthimmel über Mainz oder Frankfurt feuerrot leuchtete. „Ich habe das alles noch im Kopf.“ Die Angst, wenn die Flieger kommen. Die Angst, dass diesmal auch Bomben auf Wiesbaden fallen. „Das war schlimm.“

Corona-Pandemie: 99-Jährige aus dem Kreis Limburg-Weilburg hat schon Schlimmeres erlebt

Damals habe sie wirklich Angst gehabt, sagt Hilde Teufer. Und wenn man so etwas einmal erlebt habe, rege man sich über andere Dinge nicht mehr so schnell auf. „Außerdem schadet das der Gesundheit“, sagt Hilde Teufer und lacht.

Über ihre eigene Gesundheit macht sie sich nicht viele Gedanken. Schon eher über die ihrer Urenkelinnen. Von ihnen weiß sie, was es bedeutet, dass die Kinder wegen des Coronavirus immer noch keine Schule haben, dass sie ihre Freunde nicht sehen können, dass draußen alle mit einem Mundschutz herumlaufen. Sie selbst könne ja sowieso nicht mehr alleine auf die Straße, sagt Hilde Teufer. „Aber was meine Urenkelinnen schon alles erleben müssen, ist schlimm.“ Sie hofft, dass die beiden Mädchen mit den Erfahrungen wachsen - so wie sie damals. Und dass es ihnen hilft, dass sie erst 12 und 17 Jahre alt sind. „Man macht sich ja mehr Sorgen, wenn man älter ist.“ Erst wenn man richtig alt sei, könne man wieder unbeschwert sein. „Dann muss man alles nicht mehr so ernst nehmen.“

Und man kann die richtige Perspektive finden: „Man muss seinen Humor behalten“, sagt Hilde Teufer. Und: „Wer sich immer Sorgen macht, wird krank im Kopf.“ Sie ist stolz darauf, dass ihr Kopf noch in Ordnung ist. Ob das an ihrer Lebenseinstellung liegt, an der gesunden Luft im Westerwald, an ihren ausgedehnten Spaziergängen oder daran, dass sie immer viel Kontakt zu anderen Menschen hatte, weiß Hilde Teufer nicht. Vielleicht ist einfach die Kombination perfekt.

In Hangenmeilingen wurde sie vor 99 Jahren geboren. Als sie ein Jahr alt war, zog die Familie nach Steinbach, dorthin, woher ihr Vater stammte. Als junge Frau ging Hilde Teufer nach Wiesbaden, arbeitete im Hotel. „Schon damals habe ich viel mit Menschen zu tun gehabt.“ Als wegen des Krieges auch in der Kurstadt ein Hotelbetrieb nicht mehr möglich war, sei sie zurück nach Steinbach gegangen, sagt Hilde Teufer heute. Ihren Kindern hat sie die dramatischere Version erzählt: Wie sie damals mit dem Fahrrad über die Hühnerstraße nach Hause fuhr und sich immer wieder in den Straßengraben flüchten musste, weil die Tiefflieger kamen.

In Zeiten der Corona-Pandemie: „Wer sich immer Sorgen macht, wird krank im Kopf“

An ein normales Leben sei aber auch auf dem Land so schnell nicht zu denken gewesen. Ihr Mann Ernst kam erst 1948 aus dem Krieg zurück. 1950 kam der erste Sohn zur Welt, 1952 der zweite. 1956 zog die Familie nach Hangenmeilingen, ins eigene Haus. Haus und Kinder waren der Mutter nicht genug. Sie führte lange eine Fleischerei-Filiale und gründete die Frauengemeinschaft in Hangenmeilingen. Und sie habe auch sonst immer viel gearbeitet, sagt ihr Sohn Hans-Georg. Seine Mutter habe einen großen Garten gehabt, einen Acker, Schweine und Hühner. „Wir waren immer Selbstversorger.“

Diese Unabhängigkeit ist Hilde Teufer auch heute noch wichtig. Deshalb lebt sie weiter in ihrer eigenen Wohnung, möchte noch so viel wie möglich selbst machen. „Ich lasse mich nicht hängen.“ Aber sie ist froh, dass die Enkelin und ihre Familie im selben Haus leben und die Söhne auch nicht weit weg sind, dass immer jemand da ist, wenn jemand gebraucht wird.

Daran, dass der Pflegedienst morgens und abends kommt, hat sie sich längst gewöhnt. Daran, dass die Mitarbeiterinnen seit ein paar Wochen einen Mundschutz tragen, auch. Aber daran, dass ihre Nachbarin und ihre Familie sie nicht mehr so einfach besuchen können, muss sie sich noch gewöhnen. „Die Leute haben ja alle ein bisschen Angst.“

von Sabine Rauch

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