Noch sind die Tische und Stühle im Limburger Altstadt-Café Meloni nicht besetzt, doch vom morgigen Freitag an ist die Außengastronomie wieder erlaubt. Darüber freut sich auch das Meloni-Team (von links) Jeanette Wagner, Christopher Kloft, Nicole Meloni, Line Weichardt, Walter Meloni, Benedikt Glawe und Marcel Meser.
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Noch sind die Tische und Stühle im Limburger Altstadt-Café Meloni nicht besetzt, doch vom morgigen Freitag an ist die Außengastronomie wieder erlaubt. Darüber freut sich auch das Meloni-Team (von links) Jeanette Wagner, Christopher Kloft, Nicole Meloni, Line Weichardt, Walter Meloni, Benedikt Glawe und Marcel Meser.

Limburg

Lockerung der Corona-Maßnahmen: Außengastronomie darf wieder öffnen – Kritik an hohen Auflagen

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Auch im Kreis Limburg-Weilburg entspannt sich die Corona-Lage. Außengastronomie ist ab Freitag wieder erlaubt. Für Besucher gelten jedoch bestimmte Auflagen.

Limburg - Ende Oktober musste die Gastronomie im Landkreis Limburg-Weilburg schließen und sich seitdem mit Abhol- und Lieferservice über Wasser halten. Diese Zeitung hat diese Initiative wöchentlich unterstützt. Doch nun darf zumindest die Außengastronomie wieder öffnen. Von Freitag (28.05.2021) an ist dies im Kreis Limburg-Weilburg erlaubt, und viele Gastronomen freuen sich, ihre Gäste wieder verwöhnen zu dürfen. Allerdings gelten Auflagen. So müssen alle Gäste geimpft oder genesen sein oder einen aktuellen negativen Schnelltest vorweisen können.

Deutlich weniger Sitzplätze im Außenbereich als in "normalen" Zeiten kann der Limburger Café-Betreiber Walter Meloni ab morgen anbieten. Statt mehr als 80 Sitzplätze sind es nun knapp 50, damit der erforderliche Abstand eingehalten wird. Aber natürlich freuen er und sein 13-köpfiges Team sich darauf, endlich wieder arbeiten und Kunden bedienen zu dürfen. Sieben Monate war das Café am Kornmarkt in der Limburger Altstadt geschlossen, jetzt hat die Kurzarbeit für die Mitarbeiter endlich ein Ende, und die Stammgäste sehnen die Eröffnung offenbar herbei. "Am Freitag- und am Samstagabend sind alle Plätze im Außenbereich schon reserviert", sagt Meloni. Dass jeder Gast geimpft oder genesen sein oder einen negativen Schnelltest vorweisen muss, sei zwar verständlich, "aber die Kontrolle bedeutet auch viel Arbeit für die Servicekräfte, denn wir haben 18 Stunden am Tag geöffnet, und die meisten Kunden kommen eben spontan".

An den Herbst und eine von manchen Experten befürchtete vierte Welle mit erneut möglichen Einschränkungen möchte der Limburger Café-Betreiber im Augenblick lieber nicht denken. Der Frust über die Folgen der Pandemie sitzt noch tief. "Wir sind nicht schuld an hohen Inzidenzen", sagt Meloni, "aber wir in der Gastronomie und der Einzelhandel kriegen trotzdem die härtesten Auflagen." Seine Mitbewerber und er hätten seit Beginn der Pandemie keine Partys gefeiert, sondern alle Regeln und Auflagen eingehalten und ohnmächtig mitansehen müssen, wie Inzidenzwerte "von der Bundesregierung scheinbar ausgewürfelt worden sind". Doch Meloni richtet nun den Blick nach vorn: Im Café hat er große Umbauarbeiten vorgenommen, die allerdings ohnehin geplant gewesen seien, und hofft darauf, möglichst bald wieder Gäste auch drinnen begrüßen zu dürfen.

Corona-Lockerungen in Limburg: Dehoga-Vorsitzender lässt vorerst zu - Auflagen zu hoch

"Ich freue mich über die Möglichkeit, die Außengastronomie wieder öffnen zu können, werde es aber nicht tun", sagt Armin Güth vom Hotel und Restaurant Lochmühle in Hadamar-Oberzeuzheim, der zugleich Sprecher des Kreisverbands des Hotel- und Gastronomieverbands ist. Die Auflagen, die mit der Bewirtung ab morgen verbunden sind, seien zu hoch, sagt er.

Jeder Gast müsse kontrolliert, überprüft und seine Daten dokumentiert werden, ehe er die Terrasse betreten darf. Der Besucher müsse von einem eigens dafür eingesetzten Mitarbeiter in Empfang genommen werden. "Und was machen Sie, wenn ein Ehepaar kommt, und einer der beiden hat seine Papiere oder das aktuelle Testergebnis vergessen?" Solle der dann vor der Terrasse warten oder im Auto sitzen bleiben? Oder was sei, wenn ein Gast aus einem anderen Bundesland in der Lochmühle eine Rast einlegen wolle, aber mit den hier geltenden Bestimmungen nicht vertraut sei - solle man den dann wegschicken? In jedem Fall bedeuteten die ab Freitag geltenden Vorgaben endlose Diskussionen, sagt Güth - und vermutlich zahlreiche enttäuschte und verärgerte Gäste, die nicht bewirtet werden dürfen.

Dabei seien die Maßnahmen "richtig, nachvollziehbar und unumstritten", betont der Hotelier. Richtig sei auch, dass Restaurants und Hotels nach sieben Monaten in völligem Lockdown Umsatz brauchen. "Die Luft ist nicht dünn", sagt er. "Wir befinden uns in einem Vakuum." Dennoch will er mit seinem Betrieb warten, bis der Inzidenzwert stabil unter 50 liegt, weil dann die zusätzlichen Regeln wegfallen und die Bestimmungen des vergangenen Sommers gelten: Nachverfolgbarkeit der Gäste und Abstand. "Das ist machbar", sagt Güth. Er setze darauf, dass man Mitte Juni diesen Status erreicht habe, "und dann werden wir unsere Gäste wieder herzlich begrüßen können".

Corona in Limburg: Außengastronomie öffnet wieder – Eigens eine Teststation eingerichtet

Der Weyerer Unternehmer Carlos Merz, Inhaber der Gaststätte "Wissegiggl" und der Ferienwohnungs- und Apartmentanlage "Carolinger Hüttendorf", will morgen wieder öffnen. "Wir kehren nach sechs bis sieben Monaten, die wir geschlossen hatten, mit alter Stärke unseres Biergartens zurück", sagte er. Das Gelände sei mit mehreren Hundert Quadratmetern so groß, dass 70 bis 80 Gäste gleichzeitig und in ausreichendem Abstand bewirtet werden könnten.

Um den Gästen einen möglichst zügigen und reibungslosen Zugang zu dem Biergarten zu ermöglichen, habe der "Wissegiggl" direkt am Eingang mit der Villmarer Lahn-Apotheke eine Corona-Teststation eingerichtet. Worauf Merz nun hofft, ist schönes Wetter. Den großen Ansturm auf die Gaststätte erwartet er nicht. Denn andernorts, beispielsweise in Diez, Hahnstätten oder Ober-Mörlen, wo die Gastronomie schon etwas länger wieder geöffnet sei, habe er beobachtet, dass viele Menschen noch verunsichert seien und daher nur zögerlich Gaststätten und Restaurants besuchten. Auch über die Zukunft gibt sich Merz keinen Illusionen hin: "Das Geschäft mit großen Feiern fällt in dieser Saison aus", sagt er. "Wir werden uns daher vor allem auf das Geschäft à la carte konzentrieren."

Der Unternehmer hofft außerdem, dass das Vermietungsgeschäft im Carolinger Hüttendorf bald wieder anzieht. Während der Pandemie-Beschränkungen habe die Auslastung seiner etwa 50 Betten zuletzt bei 40 bis 50 Prozent gelegen, weil nur noch Geschäftsreisende und Privatleute in dringenden Ausnahmefällen untergebracht werden durften. Normalerweise betrage die Auslastung 70 bis 80 Prozent, sagt Merz.

Auf die Stufe 2 der Lockerungen in Hessen setzt der Inhaber des Weinhaus Schultes, Oliver Birkhölzer, in der Limburger Altstadt. Zwar könne auch er seit Erreichen der Stufe 1 für 20 bis 24 Gäste Außengastronomie anbieten, doch das lohne sich wegen des kalten und unbeständigen Wetters nicht. Frühestens Ende kommender Woche sei es hoffentlich möglich, wieder Gäste drinnen im Weinhaus zu empfangen. Weil er in der Weinstube an der Plötze Trennwände aufgestellt habe, könne er dort weiterhin 70 Plätze anbieten.

Allerdings befürchtet Birkhölzer, dass die Testpflicht Gäste von einem spontanen Besuch auf ein Glas Wein und eine Kleinigkeit zu essen abhalten könnte. An Wochenenden sei das vermutlich nicht das große Problem, wohl aber werktags. Trotzdem hofft Birkhölzer, dass es nun wieder eine langfristige Perspektive für eine dauerhaft geöffnete Gastronomie gibt.

Corona-Lockerungen in Limburg: "Ein Tropfen auf den heißen Stein"

Der Nassauer Hof in Elz dagegen wird schon morgen den Außenbereich für die Gäste öffnen. "Wir wollen den Kunden das Gefühl geben, nun wieder für sie da zu sein", sagt Inhaber Gerd Kretschmer. Aufgrund des regnerischen und kalten Wetters seien die zu erwartenden Einnahmen allerdings nur "ein Tropfen auf den heißen Stein. Sollte sich die Witterung verbessern und der Außenbereich dann gut besucht werden, können wir vermutlich unsere Kosten decken", so Kretschmer. Bisher habe er vier Reservierungen für das kommende Wochenende entgegengenommen. "Vielleicht wird noch der eine oder andere Kunde spontan vorbeikommen", hofft er.

Derzeit wird der Außenbereich des Restaurants hergerichtet. Man stelle die Tische so, dass der Sicherheitsabstand gewährleistet werden könne. "Natürlich werden wir alle gesetzlichen Vorgaben einhalten und auch die Daten der Kunden erfassen sowie die Vorlage eines negativen Tests oder des Impfausweises verlangen", versichert Kretschmer, der den Nassauer Hof im Januar übernommen hat. Er geht davon aus, dass es um den 11. Juni herum wieder möglich sein könnte, auch Gäste in den Innenräumen begrüßen zu dürfen. "Wir müssen einfach abwarten, wie sich die Pandemie entwickelt."

Auch im Außenbereich des Restaurants "Da Luca" in Niederselters können ab Freitag wieder Gäste ihr Essen genießen. "Die Öffnung ist ein guter und wichtiger Schritt", sagt Mitinhaberin Ela Sovilj. Sie ist zuversichtlich, dass nun viele Kunden die Möglichkeit eines Restaurantbesuchs wahrnehmen. Für das kommende Wochenende seien zahlreiche Reservierungen eingegangen. "Ich bin froh, dass es endlich wieder losgeht, wobei wir auch verhältnismäßig glimpflich durch die Zeit des Lockdowns gekommen sind", sagt Sovilj.

Die Gastronomin geht davon aus, dass schon bald wieder Normalität einkehren wird und die Kunden auch ohne negativen Corona-Test die Gaststätte besuchen können. Derzeit bereitet sich das "Da Luca"-Team auf den erhofften Ansturm vor. "Die Tische werden auf Abstand gestellt", sagt Sovilj. (Anken Bonhorst-Vollmer, Stefan Dickmann, Tobias Ketter)

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