Mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz: Wie hier an der Bad Camberger Taunusschule sahen die Abiturprüfungen an allen Gymnasien im Landkreis Limburg-Weilburg in diesem Jahr aus.
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Mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz: Wie hier an der Bad Camberger Taunusschule sahen die Abiturprüfungen an allen Gymnasien im Landkreis Limburg-Weilburg in diesem Jahr aus.

Wahrscheinlich Wechselunterricht ab Montag

Schulen ziehen Corona-Bilanz der Prüfungen – „Man spürt die allgemeine Depression der Jugend“

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  • Anken Bohnhorst-Vollmer
  • Tobias Ketter
  • Mariam Nasiripour

Schulen im Kreis Limburg-Weilburg ziehen eine positive Bilanz der schriftlichen Prüfungen. Feiern werden fehlen.

Limburg – Das zweite Abitur unter Corona-Bedingungen im Landkreis Limburg-Weilburg ist weitgehend geschafft - zumindest was die schriftlichen Prüfungen betrifft. Die mündlichen stehen noch an. Doch bisher meldet keines der Gymnasien im Kreis größere Probleme.

"Die schriftlichen Abitur-Prüfungen an der Bad Camberger Taunusschule sind planmäßig verlaufen, sagt Studienleiter Jörg Schouler. Während der Klausuren mussten die Schüler Masken tragen. "Die Bearbeitungszeit wurde verlängert, damit die Abiturienten zwischendurch Pausen einlegen konnten, um den Mund-Nasen-Schutz abzunehmen." Die Prüfungen eines Faches fanden zudem parallel in mehreren Räumen statt, so dass der Sicherheitsabstand gewahrt werden konnte.

Insgesamt 19 Heranwachsende haben den schriftlichen Teil ihres Abiturs nun hinter sich. "Alle haben mitgeschrieben, niemand hat sich krankgemeldet", so Schouler. Die Klausuren seien durchaus anspruchsvoll gewesen, jedoch sei der Ausfall von Unterrichtsstunden wegen der Corona-Pandemie berücksichtigt worden. Die Ergebnisse werden Ende Mai mitgeteilt.

Vom 8. bis 14. Juni werden in der Taunusschule in Bad Camberg dann noch die mündlichen Prüfungen durchgeführt. Auch währenddessen herrscht Maskenpflicht. "Im Prüfungsraum befinden sich dann nur drei Lehrer und der Schüler", sagt Schouler. Weitere Zuhörer seien nach jetzigem Stand wegen der Corona-Pandemie nicht zugelassen.

Limburg: "Diszipliniert und total erwachsen verhalten"

Von einem "problemlosen" Verlauf der Abiturprüfungen mit "sehr entspannten Schülerinnen und Schülern", berichtet die Leiterin der Limburger Marienschule Dr. Henrike Zilling. Während der schriftlichen Prüfungsarbeiten habe zwar Maskenpflicht bestanden, doch hätten sich die Schüler davon mit einem negativen Test im schuleigenen Testzentrum in der Turnhalle befreien können. Die freiwillige Testmöglichkeit hätten viele genutzt, doch von der Möglichkeit, ohne Maske in die Prüfung zu gehen, hätten nur die wenigsten Gebrauch gemacht, berichtet Zilling. "Dafür meine Hochachtung, wie diszipliniert und total erwachsen sie sich verhalten haben." Für die Abnahme der Corona-Tests habe sich die schuleigene Gesundheitsfachkraft, die an der Marienschule im Rahmen eines Pilotprojekts beschäftigt wird, sehr bewährt.

Für die Prüfungen in den Leistungskursen hätten die Schüler wegen der Pandemie-Situation 30 Minuten mehr Zeit erhalten, in den Grundkursen 25 Minuten, so Zilling. Darüber hinaus wurde den Prüflingen die Gelegenheit gegeben, während der Bearbeitung der Prüfungsaufgaben Pausen, zum Beispiel zum Absetzen der Masken, einzulegen. "Das haben wir individuell geregelt, ähnlich wie etwa Toilettenpausen", so die Schulleiterin.

Etwas traurig habe sie allerdings gestimmt, dass im Anschluss an die Prüfungen die Ausgelassenheit früherer Jahre bei den Schülerinnen und Schülern fehlte. Wo sonst Feiern angesagt gewesen sei, herrschte dieses Mal strikte Disziplin. "Man spürt die allgemeine Depression der Jugend", so Zillings Beobachtung.

Auch Dr. Ulla Carina Reitz, Direktorin der Weilburger Wilhelm-Knapp-Schule (WKS), berichtet von einer "völlig entspannten Situation" während der schriftlichen Prüfungen der Abiturienten und Fachabiturienten. "Wir haben keinen MaskenDruck ausgeübt, aber alle haben Maske getragen", sagt sie. "Einige Schüler haben sich testen lassen, andere nicht. Außerdem durften sie zwischendurch aus der Aula raus, um Maskenpausen einzulegen." Mit einem Augenzwinkern berichtet Reitz aber von einem "Luxusproblem", das die WKS hatte: "Da die Abitur- und Fachabiturprüfungen unmittelbar aufeinanderfolgten, hatten wir nicht genügend Platz für Plakate."

Kritisch sieht die Schulleiterin, dass auf Veranlassung des hessischen Datenschutzbeauftragten künftig die Lernplattform MS Teams nicht mehr benutzt werden darf. Dabei sei es gerade dieses Onlineprogramm gewesen, das den Schülern bei der Vorbereitung auf ihre Prüfungen sehr geholfen habe. Nicht allein deshalb, weil die Lehrer viele Lernunterlagen dort einstellen konnten, sondern weil sie auch außerhalb der Schulzeiten ansprechbar waren. Ein weiteres Problem sieht Reitz auf die Schule zukommen: "Wie verabschieden wir die jungen Leute?" Mit Traurigkeit erinnere sie sich an die Abiturfeier des Corona-Jahres 2020, als die Abiturienten "wie an einer Perlenschnur aufgereiht" und mit Masken vor ihr saßen, um sich die ausgelegten Abiturzeugnisse abzuholen. "Keine Eltern, keine Verwandten durften dabei sein", erzählt Reitz, die eine solche Situation in 30 Jahren Schuldienst noch nie erlebt hat. "Sonst habe ich meine Abschiedsrede immer vor einem Meer von Menschen gehalten", blickt sie wehmütig zurück.

Wechsel zu G 9: Kein Abitur in diesem Jahr

Mit dem Thema Abitur unter Corona-Bedingungen musste sich das Gymnasium Philippinum in Weilburg in diesem Jahr erst gar nicht auseinandersetzen. Denn erstmals gab es keinen Abiturjahrgang, teilt die Schule mit. Der Grund: Vor Jahren hatte die Schule den Wechsel von G 8 auf G 9 beschlossen, so dass absehbar war, dass irgendwann die Situation eintreten würde, dass kein 13er Jahrgang existiert. Und dieses Jahr ist ausgerechnet das PandemieJahr 2021.

Ebenfalls wegen des Wechsels vom acht- zum neunjährigen Gymnasium meldet auch die Fürst-Johann-Ludwig-Schule in Hadamar einen sehr kleinen Jahrgang 2021. Lediglich 13 Schüler legen dort in diesem Jahr die Allgemeine Hochschulreife ab, berichtet Schulleiter Peter Laux. Dass die Pandemie-Schutzmaßnahmen auch in den Prüfungsräumen gelten, sei selbstverständlich. Nur eine Schülerin habe sich vorher in der Schule auf das Coronavirus testen lassen. Die anderen seien mit Mund-Nasen-Schutz zur Prüfung erschienen - auch um zu vermeiden, dass sie nach einem möglichen positiven Testergebnis von den Prüfungen ausgeschlossen würden. Maskenpausen seien nur vereinzelt beantragt worden. Dennoch sei klar, "zum Spaß hat keiner seine Maske getragen", sagt Schulleiter Laux.

Maskenpflicht wird nach heutigem Stand der Dinge auch bei den mündlichen Prüfungen im Juni herrschen. Aber auch da werde man "Maskenpausen nach Bedarf" einlegen. Wenn das Prüfungsgremium etwa eine "Konzentrationsstörung" feststelle, werde dem Abiturienten eine Unterbrechung angeboten, "damit er oder sie am Fenster tief durchatmen kann". Alles in allem, bilanziert Peter Laux, laufe das Abitur in diesem Jahr ab wie 2020.

Auch an der Tilemannschule in Limburg seien die schriftlichen Abiprüfungen reibungslos verlaufen, sagt Schulleiterin Regine Eiser-Müller. Sowohl die Schüler als auch die Schule hätten sich gut vorbereitet. Um sich von der Maskenpflicht bei der Prüfung befreien zu lassen, hätten viele Schüler am Prüfungsmorgen in der Schule einen Antigenselbsttest gemacht oder ein aktuelles negatives Testergebnis vorgelegt.

Außerdem wurden an der Tilemannschule regelmäßig Maskenpausen eingelegt und die Prüfungsräume gut durchgelüftet. CO2-Messgeräte in den Räumen hätten den richtigen Zeitpunkt für die Lüftung angezeigt. Über das Ergebnis der Prüfungen könne sie noch keine Aussage machen, sagt Eiser-Müller. Eine Maskenpflicht bestehe auch bei der mündlichen Prüfung, so die Oberstudiendirektorin. Das stehe in der Allgemeinverfügung des Landkreises Limburg-Weilburg.Schulen könnten am Montag wieder öffnen

Schulen in Limburg könnten am Montag wieder öffnen

Die Inzidenz im Landkreis Limburg-Weilburg ist nun deutlich unter die Marke von 165 gefallen. "Wenn sich der positive Trend bei den Corona-Zahlen fortsetzt, könnte der Schulbetrieb in allen Schulformen und Jahrgangsstufen am Montag, 17. Mai, wieder aufgenommen werden", erläutert Michael Scholz, der Leiter des Staatlichen Schulamtes in Weilburg. Bedingung: Auch am (heutigen) Freitag und am Samstag muss die Inzidenz unter 165 liegen.

"Am Mittwoch war der dritte Werktag im Landkreis in Folge mit einer Inzidenz von unter 165. Wenn das bis einschließlich Samstag so bliebe, dann würde gemäß ,Bundesnotbremse' ab Montag in allen Schulformen und Jahrgangsstufen Wechselunterricht stattfinden", erklärt der Schulamtsleiter die bundesweit gültigen Regelungen. Das bedeutet, dass alle Klassen und Kurse geteilt werden und - je nachdem, wie dies vor Ort organisiert ist - die Schule im tage- oder wochenweisen Wechsel wieder besuchen. Somit wechseln sich Präsenz und Distanzunterricht regelmäßig ab. In den Jahrgangsstufen eins bis sechs wird für die Distanzphasen weiterhin eine Notbetreuung angeboten.

In die Schule kommen darf allerdings nur, wer gesund ist und sich entweder zweimal pro Woche vor Ort selbst auf das Coronavirus testet oder zweimal wöchentlich die Bescheinigung über einen aktuellen Bürgertest vorlegt. Auch das Tragen von medizinischen Mund-Nase-Masken oder FFP2-Masken sei weiterhin Pflicht.

Während einige Schülerinnen und Schüler zumindest bis zu den Osterferien beschult worden waren, könnte es für viele Jugendliche ab Jahrgangsstufe sieben der erste Schultag nach fast einem halben Jahr sein. "Sorgen, dass bereits in den ersten Tagen Klassenarbeiten geschrieben werden, muss aber niemand haben", beruhigt Scholz: "Die Schulen haben die Vorgabe, dass mindestens in den ersten drei Tagen keine Klausuren geschrieben werden dürfen." Außerdem habe das Kultusministerium für die Zeit bis zu den Sommerferien festgelegt, dass in den Hauptfächern nur noch eine Arbeit zu schreiben sei. Im Zentrum solle vielmehr stehen, dass die Inhalte aus dem Distanzunterricht gefestigt würden und genau hingeschaut werde, welche Unterstützung eine Schülerin oder ein Schüler benötige, so Scholz. "Das Wichtigste an den ersten Tagen dürfte aber die Freude sein, seine Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrkräfte wiederzusehen und sich mit ihnen vor Ort persönlich austauschen zu können", sagt der Schulamtsleiter.

Jetzt gelte es erst einmal, die Inzidenzen von Freitag und Samstag zu prüfen und sich am Wochenende auf den Homepages der Schulen zu informieren, ob es am Montag tatsächlich losgehen könne, so Scholz. Sollte am Freitag oder Samstag der Wert von 165 überschritten werden, so dürfe der Unterricht am Montag noch nicht starten. Erneute Änderungen gibt es dann, wenn die Inzidenz erneut an drei Tagen über 165 liegt mit einer erneuten Schließung oder wenn an fünf Werktagen in Folge die Inzidenz von 100 unterschritten wird. Dann gelten wieder die hessischen Regelungen, so dass die Abschlussklassen dann wieder komplett in den Präsenzunterricht kommen würden. (Anken Bohnhorst-Vollmer, Tobias Ketter, Mariam Nasiripour)

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