Limburger Politik einig

Absage an Landesgartenschau: Weit weg und zu teuer

Wie erwartet gibt es in der Limburger Stadtpolitik eine deutliche Mehrheit gegen eine Landesgartenschau-Bewerbung. Das wurde in der gemeinsamen Sitzung von Haupt- und Finanzausschuss und dem Umweltausschuss deutlich. Die Entscheidung der am Montag tagenden Stadtverordnetenversammlung ist damit nur noch Formsache.

Landesgartenschauen, das sind gestaltete Flächen mit Bäumen, Blumen, Büschen, Pflanzen, Wasser, Steinen und noch vielem mehr. Die Diskussion im Limburger Rathaus darüber, ob sich die Stadt um die Ausrichtung der Schau im Jahr 2022 bewerben soll, ähnelte jedoch eher einem „Kraut & Rüben“. Geerntet wurde dennoch. Und ein Teil der Ernte ist das Nein zu einer Bewerbung für eine Landesgartenschau. Der andere Teil ist der Wille zu mehr Grün in der Stadt (dazu lesen Sie mehr auf Seite 11).

Die mit deutlicher Mehrheit getroffene Entscheidung (im Umweltausschuss gab es eine Gegenstimme) keine Bewerbung zur Landesgartenschau abzugeben, fußt zum einen auf grundsätzlichen Erwägungen hinsichtlich einer Finanzierbarkeit (zu teuer), zum anderen auf einer klaren Ablehnung des ausgewählten Standorts Schafsberg (zu weit weg von der Stadt).

Die CDU-Fraktion hatte schon in der vergangenen Woche ihre ablehnende Haltung zur Landesgartenschau öffentlich gemacht. Dafür gab es reichlich verbale Schelte und einen Versuch der Rechtfertigung. Doch die Richtung hatte die CDU vorgegeben. In der Sitzung begründete Dr. Christopher Dietz als Fraktionsvorsitzender die Ablehnung. Er zeigte sich davon überzeugt, dass eine Landesgartenschau von den Limburgern durchaus angenommen und auch das damit verbundene Defizit in Kauf genommen würde – aber nicht am und auf dem Schafsberg. Diese Fläche als alleiniger Austragungsort einer Landesgartenschau mit all den Problemen der Infrastruktur sei nicht zu vermitteln.

Schau ist vorstellbar

„Wir können uns eine Landesgartenschau in Limburg durchaus vorstellen, aber nicht am Schafsberg“, machte auch Peter Rompf als Vorsitzender der SPD deutlich. Für eine solche Veranstaltung sei die Verknüpfung mit der Lahn eine wichtige Voraussetzung. „Die Lahn ist unser Pfund“, sagte er und über sie kämen schon viele Besucher in die Stadt. Wer mit dem Rad, zu Fuß entlang der Lahn oder dem Boot komme, den verschlage es nicht an den Schafsberg.

Dr. Judith Eidt-Wendt machte für die Grünen zwar viele „positive Aspekte durch eine Landesgartenschau“ aus, doch wichtige Anliegen würden in Limburg nicht umgesetzt, zum Beispiel eine Entsiegelung von Flächen. Und die von der Stadt abgewandte Seite des Schafsbergs spreche auch deutlich gegen den ausgewählten Standort.

„Kein Sichtbezug zur Stadt“, monierte auch der FWG-Fraktionsvorsitzender Werner Laux. Nicht der Schafsberg sei als Austragungsort ausgewählt worden, sondern der Bereich hinter dem Schafsberg. Und dafür so viel Geld auszugeben, mache keinen Sinn.

Schafsberg keine Attraktion

„Wir haben uns im Jahr 2013 schon gegen die Machbarkeitsstudie ausgesprochen“, machte FDP-Sprecherin Marion Schardt deutlich. Es bleibe beim Nein der Fraktion, denn die Landesgartenschau mit einem städtischen Finanzierungsbedarf in Höhe von rund 14 Millionen Euro sei für die Stadt finanziell nicht machbar.

Nach Einschätzung von Sigrid Schmüser (BZL) braucht die Stadt die Landesgartenschau nicht und auch die nun vorgelegte Machbarkeitsstudie hält sie für überflüssig. Dom, Altstadt, Lahn und Bischofssitz, das seien die Attraktionen der Stadt, die die Besucher anziehen. „Der Rest ist dreckig“, so Schmüsers Urteil über Limburg.

Vor der Abstimmung hatten Stefan Kappes und Ralf Habermann als beauftragte Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner noch einmal erläutert, wie es zu der Auswahl des Schafsbergs als Standort gekommen war und was ihn auszeichnet. Nachdem die beiden Ausschüsse knapp 20 Minuten darüber disktiert hatten, in welcher Art und Weise die Planer nach den vielen Vorinformationen und der absehbaren klaren Absage an eine Bewerbung sich äußern sollen, stellte Kappes im Schnelldurchlauf die 16 verschiedenen Flächen vor, die einmal als mögliche Austragungsorte für eine Landesgartenschau in Augenschein genommen waren. Gekennzeichnet sei die Stadt durch ihre starke Zerschneidung. Sie biete Bereiche mit einem hohen Entwicklungspotenzial und einem hohen Entwicklungsbedarf.

Ein guter Standort

„Kompakt am Rand der Innenstadt“, lautet die Lagebeschreibung von Planer Rolf Habermann. Der Schafsberg als gestaltete Idee mit einer über 100-jährigen Geschichte und als grünes Pendant zum bebauten Domberg. Vor der Abstimmung warb Habermann noch einmal eindrücklich für den Schafsberg als Standort.

Er bezifferte auch die Kosten, die durch eine Landesgartenschau entstehen: Rund zehn Millionen Euro an Investitionen, die an der Stadt hängen bleiben (das Land ist mit rund drei Millionen Euro zusätzlich mit im Boot) und einem Zuschussbedarf in Höhe von rund 4,22 Millionen Euro für die Ausrichtung der Schau.

Was die Stadt zurückerhalte, gehe jedoch weit über die getätigten Investitionen hinaus, betonte Habermann und verwies auf die Erfahrungen aller Städte, die bisher eine Landesgartenschau ausgerichtet haben.

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