Schutz der Meere

Adolf-Reichwein-Schüler dokumentieren Kunststoffbelastung in und an der Lahn

Sechs Adolf-Reichwein-Schüler haben eine Mission: Sie wollen etwas für den Schutz der Meere tun. Die NNP hat sie bei ihrer großen Forschungsexpedition begleitet.

Sie kriechen durchs Gebüsch, durchkämmen die Ufergegend, fischen in der Lahn – die sechs Adolf-Reichwein-Schüler geben auf der Suche nach dem „bösen“ Plastikmüll alles. Seit acht Uhr in der Früh sind die Neuntklässler an diesem Dienstag im Einsatz, um die Kunststoffbelastung in sowie an der Lahn wissenschaftlich zu dokumentieren. Natürlich nicht aus Jux und Dollerei. Nein, die Schüler wollen etwas für den Meeresschutz tun. „Wir beteiligen uns an der bundesweiten Aktion ,Plastikpiraten – Das Meer beginnt hier‘ und tragen unsere Ergebnisse in einer digitalen Deutschlandkarte ein“, sagt Lehrerin Eva Molsberger-Lange, während ihre Schützlinge engagiert bei der Sache sind.

  Plastikfischen : Auf der kleinen Brücke nahe der Obermühle steht Sead Muslija und hält ein weißes Fischernetz in die Lahn. „Ich stehe hier seit einer halben Stunde. Bisher ist nur ein kleines Styropor-Teilchen vorbeigeschwommen. Sonst nichts“, sagt der 15-Jährige. Eigentlich habe er erwartet, dass mehr Plastik in der Lahn treibt. Auch weil er seinen Müll früher auch häufig in die Landschaft geworfen hat, „wenn halt kein Mülleimer da war“. Inzwischen habe er sein Verhalten aber geändert, versichert er.

  Fließgeschwindigkeit: Simon Geis und Justin Litt stecken am Ufer eine Strecke von 20 Metern ab. „Wir wollen herausfinden, wie schnell das Wasser der Lahn fließt“, sagen sie. Dazu müssten sie einen Stock in die Lahn werfen und die Zeit stoppen, die dieser benötigt, um die abgesteckte Strecke zurückzulegen. „Bereit?“, fragt Justin und feuert ein dünnes Ästchen in hohem Bogen ins trübe Nass. „Das dauert“, kommentiert Kumpel Simon, während er zuzieht, wie es langsam flussabwärts treibt. 2 Minuten und 37 Sekunden um genau zu sein. Das sind umgerechnet 8,44 Meter pro Sekunde und unglaubliche 30,38 Kilometer pro Stunde. „Mit dieser Geschwindigkeit fließt auch der Müll Richtung Meer“, sagt er.

Müllsammlung : 200 mal 50 Meter – so groß ist die Fläche, die alle sechs Schüler gemeinsam nach (Plastik-)Müll absuchen. „Auf den ersten Blick sieht alles sauber aus“, sagt Molsberger-Lange. Doch das täusche. Und tatsächlich. Kaum hat Dugkan Öcek die blauen Plastikhandschuhe übergestreift, findet er eine Plastikverpackung und Kronkorken, Zigarettenstummel und Essenüberreste. „Früher habe ich auch hin und wieder meinen Müll liegen lassen. Inzwischen achte ich darauf alles, im Mülleimer zu entsorgen“, sagt er.

  Wasserqualität : Der Messbecher ist randvoll mit Lahnwasser. „Es ist überraschend klar. Dabei sieht der Fluss echt dreckig aus“, sagt Öcek (16) und rümpft die Nase. Natürlich hoffe er, dass das Wasser sauber sei, sagt er. Vorstellen könne er sich das allerdings noch nicht so recht. Man könne ja nicht mal auf den Grund des Flusses schauen. Derweil beginnt Kim Hofmann mit den chemischen Untersuchungen. „Wir testen unter anderem die Wasserhärte, den Phosphat-, Nitrat- und Nitritgehalt“, sagt sie. Das hätten die Schüler vorher im Schullabor ausprobiert. „Nitrit sollte nicht nachweisbar sein. Das ist giftig“, sagt sie. Und ein Glück, der Test fällt negativ aus. Auch die Phosphat- und Nitratbelastungen sind gering. „Die Lahn ist sauber“, resümiert Molsberger-Lange.

Mit den Daten, die die Schüler gesammelt haben, wird die Kieler Forschungswerkstatt nun weiterarbeiten. Beispielsweise möchte sie feststellen, welche Flussabschnitte in Deutschland besonders stark mit Plastik verschmutzt sind und wie sich die Belastung von der Quelle bis zur Mündung eines Flusses entwickelt. Daraus sollen in Zukunft Schutzmaßnahmen abgeleitet werden – damit die Lahn auch weiterhin sauber bleibt.

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