Pfarrei und der Pfarrer haben die Kirche auf dem Domfelsen immer mitgetragen - jetzt gibt es neue Konzepte.
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Pfarrei und der Pfarrer haben die Kirche auf dem Domfelsen immer mitgetragen - jetzt gibt es neue Konzepte.

Kritik an Plänen des Bistums

Ärger ums Pfarrhaus auf dem Domberg

Dom-Musik soll einziehen, der Pfarrer ausziehen. Kritik gibt es auch an geplanter Bebauung im Pfarrgarten.

Limburg -Ärger im Pfarrhaus - so könnte der neue Krimi von Agatha Christie heißen. Leider handelt es sich bei diesem Titel nicht um einen Roman, sondern um Szenen aus dem prallen Leben in der Domstadt Limburg.

Seit Jahrhunderten kommen Gläubige und Touristen aus der ganzen Welt auf den Domberg mit der Bischofskirche, dem Schloss, dem Pfarrhaus, der Alten Pfarrei und dem Bischofshaus. Natürlich suchen sie auch nach Kunst und Kultur, vor allem aber nach Zeugnissen des Glaubens. Sie hoffen auf Beichtgelegenheiten und vertrauensvolle Ansprechpartner für Freud und Leid. Seit kurzem ist der Frieden, der über diesem Ort liegt, allerdings heftig erschüttert. Das liegt an zwei Dingen: Weihbischof Dr. Thomas Löhr, der als Domdekan für die Dom-Musik zuständig ist, hat kürzlich rund um den Dom ein neues Zuhause für die Dom-Musik gefunden. Bis zum Sommer 2022 sollen Domchor, Mädchenkantorei und Domsingknaben dort neue Räume beziehen, unter anderem auch im Pfarrhaus der bisherigen Dompfarrei.

Pfarrer Rehberg

zieht um

Da diese mit neun weiteren Pfarreien zur "Pfarrei neuen Typs" verschmilzt, fallen die Büroräume auf dem Domberg künftig weg. Das neue Büro wird in der Gartenstraße sein. Auch die Wohnung von Gereon Rehberg, der in der neuen Pfarrei leitender Pfarrer wird (der Dom bleibt Pfarrkirche), soll einbezogen werden. Für den Dompfarrer wurde bereits ein neues Domizil gefunden. Er soll dann auf dem Roßmarkt in der Wohnung des ehemaligen Domdekans Dr. Günther Geis wohnen.

Es gibt zahlreiche Limburger, die sich nicht gut mit diesen Neuheiten anfreunden können. Einen Dom ohne greifbaren Pfarrer und Ansprechpartner? Das will man sich gar nicht vorstellen. "Die Seelsorge fehlt dann doch! Oft kommen auch unangemeldet Gläubige, die den Pfarrer suchen", sagen manche Mitglieder der Dompfarrei verwundert über diese Neuerung. Das sieht Stefan Schnelle, Sprecher des Bistums anders. "Pfarreiwerdung gelingt oder scheitert nicht an dem Ort, an dem der Pfarrer wohnt", sagt er nachdrücklich. Und: "Wir stehen aber erst am Anfang. Letztlich werden viele Entscheidungen am Ende des Pfarreiwerdungsprozesses geklärt."

Pfarrer Karl Wagner, selbst Dompfarrer von 1997 bis 2005, und seit 1988 zum Domkapitel gehörig, weiß, dass auch das Dompfarrhaus seit seinem Bau zu einem wichtigen und markanten Gebäude für Stadt, Umland und Touristen geworden ist. Der Pfarrer, der dort wohnt, kann natürlich aus der Nähe heraus besser agieren. Auch die Pfarrsekretärinnen direkt am Dom waren nicht nur für die reine Büroarbeit da, sondern haben seiner Meinung nach im Bund mit dem Pfarrer immer ein Stückchen Seelsorge mitgetragen. Christof Wehner, der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats und von Beruf Analytiker, sieht die Planung dagegen ganz nüchtern. "Die Domgemeinde ist nur Mieter des Pfarrhauses. Ich gehe davon aus, dass wir wieder ein vernünftiges neues Büro zugewiesen bekommen. Zudem steht der Domgemeinde ja auch das Kolpinghaus zur Verfügung!"

Domgemeinde

ist nur Mieter

Wie immer steckt der Teufel im Detail. Auch auf eine weitere Idee der neuen Planungen reagieren viele Limburger ungläubig. Der malerische Pfarrgarten, immer Ort der Begegnung für Pfarrfeste, Pfadfinder und Festempfänge nach Tauf- und Trauungsfeiern im Dom, soll ebenfalls in die neue Heimat der Dom-Musik einbezogen werden. Zusätzlich zu den Räumen im Pfarrhaus und im Schloss, im Obergeschoss der Sakristei und der Michaelskapelle, soll der Pfarrgarten mit einer rund 100 Quadratmeter großen Halle bebaut werden. Dieser Pavillon werde als weiterer großer Proberaum benötigt, außerdem für Abstellräume. Der Rest der Grünflächen steht den jungen Sängerinnen und Sänger in ihrer Freizeit zur Verfügung. "Auch die Domgemeinde kann den Pavillon und den Garten mitbenutzen. Das war von Anfang an so eingeplant", erklärt Dr. Thomas Löhr sein neues Konzept. "Aber da das pädagogische Betreuungsangebot künftig nicht nur für die Domsingknaben zur Verfügung stehen soll, sondern auch für die Mädchenkantorei, brauchen wir den zusätzlichen Platz."

Dass der Pfarrer dann nicht mehr im Pfarrhaus wohnt, sieht der Weihbischof unproblematisch. "Das ist in vielen Städten so. Er wohnt als Domkapitular dann nur einen Steinwurf entfernt in einer Domkapitulars-Wohnung. Und der Dom ist ja nicht nur Pfarrkirche, sondern auch Bischofskirche. Daher sind mit den Domschwestern und dem Küster auch immer Ansprechpartner da, die wissen, wo der Pfarrer zu finden ist."

Trotzdem bleiben viele Fragen offen. Noch fehlen Räume zum Beispiel für Kinder- und Jugendgruppen, die zur Domführung kommen, für Kommuniongruppen oder Kindergärten, die in Wartezeiten vielleicht einfach mal ein Butterbrot essen müssen. Oder ein Raum der Begegnung für Messediener oder andere Gruppen, der auch pastoral genutzt werden kann. Jedenfalls wird vielen Menschen etwas fehlen. Die Pfarrei und der Pfarrer haben die Kirche auf dem Domfelsen immer mitgetragen,

Ein ehrwürdiges Haus

aus Bruchsteinen

Wer kennt es nicht: Das ehrwürdige Dompfarrhaus, das aus Bruchsteinen in den Jahren 1901 bis 1903 auf dem Gelände des ehemaligen "kurfürstlichen Bienengartens" errichtet worden ist und von Anfang an Büro und Wohnung für die Geistlichen war. Damals wurde mit Bruchstein gebaut, um das Gebäude auch optisch an den Dom, der damals noch unverputzt war, anzupassen. Zudem fügte sich der Bruchstein nahtlos ins Ensemble um das Schloss mit seiner großen Burgmauer. Im von einer Kreuzblume bekrönten Giebel finden sich Dreipassfenster und eine Vierpassrosette.

Geschmückt wird das zweigeschossige Gebäude mit rechteckigem Grundriss noch von einem Balkon. Zahlreiche Aktionen im pastoralen Leben der Domgemeinde gingen von hier aus. Die Pforte des Kulturdenkmals öffnet sich in der Weihnachtszeit auch immer für den Dompfarrer, der in Gestalt des zweiten Dompatrons, dem heiligen Nikolaus, den Kindergarten besucht. anette in concas

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