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Noch gibt es im Kreis Limburg-Weilburg genügend Ärzte. Aber die Zahl der Hausärzte dürfte aufgrund des derzeitigen Altersdurchschnitts massiv sinken. Daher stand der Ärztemangel auf dem Land beim FDP-Themenstammtisch auf dem Programm.

Gesundheitsversorgung

Dem Ärztemangel begegnen

Bis 2030 werden knapp 50 Prozent der heute praktizierenden Ärzte im Landkreis Limburg-Weilburg in den Ruhestand gehen. Wer ihre Nachfolge übernehmen soll, ist bisher unklar. Diese Ausgangslage und mögliche Lösungen waren Thema des jüngsten FDP-Themenstammtisch.

Zahlen und Fakten, Pläne und Prognosen gibt es zur medizinischen Versorgung auf dem Land zuhauf. Wirklich entscheidend sind die technischen Details aber nicht, vielmehr stellt sich am Ende des Tages immer die gesellschaftlich-politische Frage: Welche medizinische Versorgung kann und will sich Deutschland in Zukunft leisten? Insbesondere da viele aktuelle Entwicklungen auf dem Gesundheitssektor nur mittel- bis langfristig zu ändern sind.

So kann man die Erkenntnisse des FDP-Themenstammtischs am Dienstagabend in der Villa Konthor auf den Punkt bringen. Moderiert vom Limburger FDP-Chef und Landratskandidaten Dr. Klaus Valeske erwarteten die zahlreich erschienen Besucher zwei hochkarätige Referenten: Den knapp einstündigen Impulsvortrag zur medizinischen Versorgung im Landkreis Limburg-Weilburg übernahm der aus Weilburg stammende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frank Dastych. Ihm folgte der ehemalige Studiendekan der Justus-Liebig-Universität Gießen, Professor Dr. Jochen Kreuder, mit Anmerkungen zu Studium und Ausbildung.

„Ich stehe hier ausdrücklich nur als Funktionär der Kassenärztlichen Vereinigung“, stellte Frank Dastych zu Beginn seines Vortrags klar. Sein Engagement als FDP-Mitglied sei ansonsten hinlänglich bekannt, erklärte der HNO-Arzt, der viele Jahre selbst eine eigene Praxis in Waldeck betrieb. Und damit war man auch schon beim Kern des Problems: „Junge Ärzte haben das Vertrauen ins System verloren“, erklärte er. Deshalb scheuten sie den Schritt in die Selbstständigkeit und bevorzugten stattdessen ein Angestelltenverhältnis. Für ihn und seine Generation sei das Anfang der 90er-Jahre noch normal gewesen, die Oberarztstelle in einer Klinik gegen eine Praxis einzutauschen, der eigene Chef zu werden und sich hoch zu verschulden. „Irgendwie wird das schon klappen, dachte ich mir.“ Diese Überzeugung teile die junge Generation nicht mehr.

Sie hätten auch andere Ansprüche und Lebensvorstellungen: Sie brächten zwar eine gute Ausbildung, Leistungsfähigkeit und Idealismus mit, erwarteten aber auch die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben. „Das ist überhaupt nicht negativ gemeint, aber die jungen Leute sind risikoscheu“, erklärte Dastych. „Flexible Arbeitsmodelle, planbare Arbeitseinsätze und strukturierte Weiterbildungsmöglichkeiten stehen hoch im Kurs.“

Warum ist das aber überhaupt ein Problem? Schließlich stimmen im Landkreis oft noch die sogenannten Kopfzahlen – das heißt die bei der offiziellen Bedarfsplanung vorgesehene Anzahl an Hausärzten wird in den meisten Kommunen erreicht. Das tatsächliche Problem offenbart ein Blick auf den Altersdurchschnitt: In Limburg liegt das Durchschnittsalter der Hausärzte bei 53,9 Jahren, in Weilburg bei 55,2 Jahren. „Wenn alles gut läuft, braucht ein Medizinstudent zwölf Jahre, um seinen Facharzt zu machen“,sagte Dastych. Ausgehend von einer Praxisabgabe im Alter von 65 Jahren könnten bis 2030 47 Prozent der im Landkreis praktizierenden Ärzte ihre Tätigkeit beenden. „2017 wurden in Hessen 107 neue Fachärzte für Allgemeinmedizin anerkannt. Der jährliche bedarf liegt aber bei 200“, legte er den Finger in die Wunde. Was also kann man aber tun, um das Problem in den Griff zu bekommen?

Die Dominanz der Einzelpraxis schwindet, der Trend geht zur kooperativen Berufsausübung. Kommunen könnten solche Zusammenschlüsse durch geeignete Räumlichkeiten befördern, lautete ein Vorschlag. Solche Zusammenschlüsse könnten Hürden für Nachfolger abbauen. Bereits jetzt sind rund die Hälfte der Medizinstudenten Frauen. Entsprechend attraktiv wären für sie etwa Teilzeitlösungen.

An der kontinuierlich Verbesserung des Rufes des Allgemeinmediziners unter den Studenten arbeitet wiederum Jochen Kreuder. Ein Vorhaben, dass aber offenbar nur langfristig umgesetzt werden kann. Was auch für die Rekrutierung des „richtigen Nachwuchses“ gilt. „Wir brauchen Medizinstudenten aus Leidenschaft“, forderte einer der Zuhörer.

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