1. Startseite
  2. Region
  3. Limburg-Weilburg
  4. Limburg

Alte Brücke wird ein Jahr lang zur Einbahnstraße

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Dickmann

Kommentare

Aktuell ist die alte Lahnbrücke in Limburg eine Baustelle. Anschließend soll eine Einbahnstraße stadteinwärts getestet werden.
Aktuell ist die alte Lahnbrücke in Limburg eine Baustelle. Anschließend soll eine Einbahnstraße stadteinwärts getestet werden. © Stefan Dickmann

Der Verkehrsausschuss der Stadt hat keine Einwände gegen die Pläne der Verwaltung.

Limburg -Der einjährige Verkehrsversuch auf der alten Lahnbrücke, der nach der vollendeten Sanierung im Spätherbst starten soll, wird vom Verkehrsausschuss der Stadt Limburg gebilligt. Zustimmung gab es von CDU, SPD und Grünen. Die FDP stimmte dagegen, der CDU-Stadtverordnete Dominique Huth auch. Zwölf Monate lang will die Stadtverwaltung testen, ob eine Einbahnstraßen-Regelung stadteinwärts funktioniert.

Die dann auf die Einbahnstraßen-Regelung getaktete Ampel an der Westerwaldstraße und Weilburger Straße kann nach Aussage eines Verkehrsgutachters jedoch nicht "per Knopfdruck" in den Modus zurückversetzt werden, bei dem die alte Brücke von Pkw auch wieder stadtauswärts benutzt werden könnte, sagte Markus Hofmann. Arne Piecha (CDU) hatte sich nach dieser technischen Umsetzung erkundigt.

"Es gibt noch Fragezeichen"

"Die Änderung der Ampelsteuerung ist von einem Techniker händisch vorzunehmen", teilte gestern auf Nachfrage der Sprecher der Stadt, Johannes Laubach, mit. Ein Wechsel beziehe auch die weiteren Ampelsteuerungen - an der Einmündung Schleusenweg und vor allem am Knoten Westerwaldstraße und Weilburger Straße - mit ein. Und das sei sicher nicht in wenigen Minuten zu schaffen. Das heißt konkret: "In einem Havariefall wird die Verkehrsregelung zunächst durch Polizei und Ordnungsamt mit Personal geregelt", erklärt Laubach.

Der Abriss und parallele Neubau der Lichfieldbrücke soll 2026 starten und insgesamt vier bis sechs Jahre dauern. Als verkehrstechnisch kritisch gilt vor allem die erste, zwei bis drei Jahre dauernde Bauphase, da dann nur jeweils ein Fahrstreifen pro Richtung für den Verkehr zur Verfügung steht. Deshalb kommt der alten Lahnbrücke im Falle einer Sperrung der Lichfieldbrücke nach einem Verkehrsunfall eine wichtige Ausweich-Funktion zu.

Der Verkehrsgutachter machte deutlich, an der per Ampel geregelten Kreuzung Westerwaldstraße/Weilburger Straße sei ein deutlich schnellerer Verkehrsablauf möglich, wenn es keinen Gegenverkehr mehr von der alten Brücke gibt, die Grünphasen wären länger, die Wartezeiten kürzer. Er erklärte auch, warum eine Einbahnrichtung nur stadteinwärts vernünftig sei: Sowohl morgens als auch abends würden zu den Spitzenzeiten deutlich mehr Autofahrer in die Stadt fahren.

Auch der Erste Stadtrat Michael Stanke (CDU) erklärte, viele Autofahrer würden in Höhe des Kreisels an der Konrad-Kurzbold-Straße den Weg aus der Stadt über die Lichfieldbrücke wählen. "Die allermeisten werden vom Versuch profitieren", sagte er. Auch wenn es aus seiner Sicht "noch viele Fragezeichen" gibt und er gespannt sei, wie der Verkehr während des Versuchs in der Weihnachtszeit läuft, gebe es auf der alten Brücke im Ist-Zustand viele Probleme: Das gelte sowohl für den Busverkehr, weil es auf der Brücke so eng ist, aber auch für Fußgänger, die auf den beiden Gehwegen ebenfalls nur wenig Platz zur Verfügung hätten. Und die Autofahrer müssten mit langen Standzeiten auf beiden Seiten des Brückenturms rechnen.

FDP sieht Autofahrer im Nachteil

Während die alte Brücke zur Einbahnstraße nur für Pkw wird, darf diese gleichwohl von den Stadtbussen in beide Richtungen befahren werden. Nach Angaben des Verkehrsgutachters meldet sich der Bus in Fahrtrichtung Brückenvorstadt an und wartet auf die Freigabe. In dieser Zeit verlassen die letzten Autofahrer die alte Brücke stadteinwärts, so dass der Bus über die Brücke fahren kann. Auf der anderen Seite meldet er sich wieder ab. "Das ist ein Eingriff, der seine Zeit braucht", sagte der Verkehrsgutachter.

Marion Schardt-Sauer (FDP) erklärte, zwei schon länger zurückliegende Bürgerversammlungen zu diesem Thema hätten deutlich gemacht, dass es den klaren Wunsch der Bürger gebe, die Brücke mit Pkw in beide Richtungen befahren zu können. Ihre Partei nehme den Verkehrsversuch nur "missbilligend zur Kenntnis". Denn "für alles, was sich auf vier Rädern bewegt, wird es unattraktiv gemacht. Wir haben nicht so viele Wege zur Verfügung." Zwölf Monate Versuch seien zu lang und "gefährlich für die Innenstadt". Es sei ein Trauerspiel, dass es für Radfahrer und Fußgänger keine eigene Überquerung der Lahn gebe, um in die Brückenvorstadt und zum Freibad zu kommen. Davon abgesehen sei der Verkehr stadtauswärts "nicht vernachlässigbar".

Ordnungsamt wird anfangs kontrollieren

"Ich war und bin kein Freund von der Einbahnstraße auf der alten Lahnbrücke", sagte Peter Rompf (SPD). "Aber gegen einen umfassenden Versuch kann man nichts haben. Deshalb stimme ich zu." Er bat den Magistrat zu prüfen, ob die Ampel an der Westerwaldstraße und Weilburger Straße während des Versuchs nicht "schlafen" gelegt werden könnte. Zuvor hatte der Verkehrsgutachter erklärt, dieses Szenario nicht konkret untersucht zu haben. Er gehe aber davon aus, dass dies nicht möglich sei, weil die Kreuzung unübersichtlich sei. "Ich vermute deshalb, es ist ein Sicherheitsproblem", sagte er.

"Ich war auch gegen eine Einbahnstraße", erklärte Barbara Sylla-Belok. Die auf der Brücke vorgesehene bauliche Veränderung finde sie jedoch gut, weil auf der Dom hin zugewandten Seite Fußgänger, Radfahrer und Autofahrer auf gleicher Fahrbahnhöhe unterwegs seien. "Was jetzt laufen soll, ist nur ein Versuch", sagte sie.

Auch Arne Piecha (CDU) begrüßte für seine Fraktion den Versuch. Das finde er gut, aber es sei auch "mutig". Sollte es Probleme geben, lasse sich der Verkehrsversuch jederzeit stoppen.

Stanke sagte auf Nachfrage von Andreas Pötz (Grüne) zu, in der Anfangsphase die Einhaltung der neuen Verkehrsregel auf der alten Brücke durch das Ordnungsamt kontrollieren zu lassen.

Auch interessant

Kommentare