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Die alte Lahnbrücke in Limburg. Die Betonauskragungen (oben zu sehen, stützen den Gehweg) sollen verschwinden, die Brückenmauer oben wieder nachinnen versetzt werden, wiees dem historischen Zustand entspricht.Stattdessen soll an dieser Stelle ein Steg aus Stahl und Glas für Fußgänger und Radfahrer entstehen; das soll im Laufe des Jahres 2020 passieren.

Alternativvorschlag scheitert

Alte Lahnbrücke wird 2020 saniert

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Die politische Entscheidung ist faktisch gefallen: Die Limburger Verwaltung darf im Laufe des nächsten Jahres einen Steg für Fußgänger und Radfahrer an der alten Lahnbrücke planen. Die geschätzten Kosten liegen bei rund 900 000 Euro.

Ende 2020 soll die Fahrbahn auf der alten Lahnbrücke saniert sein – mit einem neuen Steg auf der Seite für Fußgänger und Radfahrer. Die Stadtverordneten gaben mit großer Mehrheit grünes Licht dafür. Die Verwaltung darf diesen Steg planen, der rund 900 000 Euro kosten könnte. Während der rund neun Monate dauernden Sanierung wird die Brücke für den Kfz-Verkehr komplett gesperrt sein.

Mit der Sanierung soll die alte Brücke auch wieder in ihren ursprünglichen Zustand versetzt werden. Wer unter ihr steht, sieht den Unterschied: Während es auf der dem Dom zugewandten Seite nur eine flache Seite gibt, sieht man auf der anderen Seite in Höhe der Fahrbahn einen Anhang. Durch sogenannte Betonauskragungen ist die Oberfläche der Brücke breiter geworden. Diese sind Ende der 1960er-Jahre entstanden, als die alte Brücke saniert werden musste. Dadurch war es möglich einen zweiten Fußweg zu schaffen, ohne die Fahrbahn zu verkleinern.

Grüne: „Strikt einspurig“

CDU, SPD, FDP und Linke stimmten in der Stadtverordnetenversammlung dafür, die Planungen für einen extra Steg voranzutreiben, was durchaus als grundsätzliches ja zu diesem Steg zu verstehen ist. Damit steht auch fest, dass die alte Lahnbrücke nicht schon im nächsten Jahr saniert und für den Kfz-Verkehr komplett gesperrt wird – so war es ursprünglich geplant. Besonders unglücklich sind allerdings die Grünen mit dem Steg. Mit einem eigenen Antrag, „der der historischen Bedeutung der Brücke gerecht wird“, versuchte Dr. Sebastian Schaub, die anderen Fraktionen umzustimmen – vergeblich.

Zwar hatten auch die Grünen vorgeschlagen, den ursprünglichen Zustand des Bauwerks wiederherzustellen – ohne die Betonauskragungen –, aber auf der Brücke selbst sollte es nach dem Willen Grünen ganz anders zugehen. Zum einen schlugen sie vor, einen durchgehend gepflasterten Bodenbelag zu schaffen, zum anderen sollte mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer geschaffen werden durch einen „strikt einspurigen“ Verkehr.

Nach dem Willen der Grünen wäre die Brücke für den Kfz-Verkehr trotzdem weiterhin in beide Richtungen befahrbar geblieben, in dem die Autofahrer nicht mehr vor dem Brückenturm vor einer roten Ampel stehen, sondern schon vor der Brücke, in der Konrad-Kurzbold-Straße, auf Grün gewartet hätten. Die Verwaltung hatte das überprüfen lassen, mit dem Ergebnis, dass die Wartezeiten viel zu lang geworden wären.

Paul Josef-Hagen (SPD) wies die Grünen darauf hin, eine ebene Fläche könne auf der Brücke nicht geschaffen werden, weil die hohen Bordsteine der Gehwege ein notwendiger und von Hessen Mobil geforderter Schutz der Brückenmauer seien. Von einem „charmanten Kompromissvorschlag“ des Magistrats sprach Marion Schardt-Sauer. Der FDP sei es wichtig, dass die Brücke in beide Richtungen für Autos und Busse befahrbar bleibt. „Das ist auch der Wunsch der Bürger.“ Die Kritik der Grünen sei nicht nachvollziehbar, schließlich werde die alte Brücke in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.

Neubau Lichfieldbrücke

Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) betonte, das Landesamt für Denkmalschutz habe gegen die vom Magistrat vorgeschlagene Steg-Lösung keinerlei Bedenken. Dass sich dieser Vorschlag nun durchsetzt, hat auch damit zu tun, dass sich die Kritik daran in einer Bürgerversammlung in Grenzen hielt. Nur drei Bürger hatten sich zu Wort gemeldet: Zwei kritisierten den Steg, einer stimmte zu.

Ursprünglich wollte der Magistrat mit der Sanierung der alten Brücke eine dauerhafte Einbahn-Regelung (stadteinwärts) durchsetzen. Ein mehrwöchiger Test im vergangenen Jahr war aus Sicht des Magistrats auch erfolgreich. Allerdings gab es zahlreiche mahnende Stimmen, die davor warnten, einen Begegnungsverkehr auf der Brücke nicht mehr möglich zu machen, solange die Lichfieldbrücke nicht abgerissen und neugebaut ist. Das soll vom Jahr 2022 an geschehen und rund vier Jahre dauern.

Nach derzeitigem Stand werden während der Bauphase für den Verkehr nur zwei Fahrstreifen zur Verfügung stehen (statt bislang vier). Die alte Brücke soll während der Bauphase der Lichfieldbrücke zusätzlichen Verkehr aufnehmen, falls es in der Baustelle einen Stau gibt.

Nach dem Neubau der Lichfielbrücke könnte vom Jahr 2026 an jedoch eine erneute Diskussion über eine Einbahnstraße auf der Brücke geben. Von der FDP einmal abgesehen, die das ablehnt, scheint es dafür, Stand heute, eine deutliche politische Mehrheit zu geben.

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