Missbrauchsprozess

Angeklagter ist voll schuldfähig

Der Missbrauchsprozess gegen einen 63 Jahre alten Mann aus Mittelhessen neigt sich dem Ende entgegen. Sollte das Gericht von seiner Schuld überzeugt sein, ist er aus Sicht von Psychiater Dr. Rainer Gliemann für die ihm zur Last gelegten Taten in vollem Umfang schuldfähig. Das geht aus seinem Gutachten zum psychischen und allgemeinen Zustand des 63-Jährigen hervor.

Der Angeklagte soll ein heute 14 Jahre altes Mädchen zwischen 2009 und 2011 in einem Wohnhaus in einer Westerwaldgemeinde sexuell schwer missbraucht haben. Die mutmaßlichen Taten wurden erst bekannt, als ein Video aufgetaucht war, das den Angeklagten in einem mutmaßlich selbst gedrehten Film zumindest einer Tat überführen könnte.

Nachdem der Film sichergestellt worden war, wurde das Mädchen 2012 vom Jugendamt aus der Familie genommen und lebt seitdem in einem Heim in Nordrhein-Westfalen.

Der Fall gewinnt deshalb an Brisanz, da die junge Frau die von ihr angezeigten Missbrauchshandlungen durch den Angeklagten vor der 1. Strafkammer am Limburger Landgericht in vollem Umfang zurückgenommen hat.

Der vom Gericht bestellte Psychiater hatte den Angeklagten Mitte Januar noch einmal untersucht, nachdem bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten Ringbücher sichergestellt worden waren, in denen der Angeklagte Geschichten mit pornografischem Hintergrund niedergeschrieben hatte, die genau die Lebensumstände des Mannes in Bezug auf das Mädchen skizzieren. Er beschreibt Erlebnisse mit einem jungen Mädchen und deren Bruder, dreht dabei jedoch „den Spieß“ um und beschuldigt die jungen Leute, sich an ihm sexuell vergangen zu haben.

In diesem Ringbuch hat der Mann auch regelrechte Liebesschwüre an das mutmaßliche Opfer verfasst. Die niedergeschriebenen Inhalte änderten jedoch nichts am psychiatrischen Gesamturteil des Gutachters Dr. Rainer Gliemann, wonach der Angeklagte sowohl die Texte als auch die mutmaßlich begangenen Misshandlungen im Zustand der vollen Schuldfähigkeit begangen hat.

Am nächsten Verhandlungstag, Donnerstag, 4. Februar, 9 Uhr, wird eine Sachverständige gehört, die sich zur Glaubhaftigkeit des mutmaßlichen Opfers äußern soll.

Nach diesem Gutachten will sich Staatsanwalt Manuel Jung Gedanken machen, ob er ein Ermittlungsverfahren gegen die leiblichen Eltern der 14-Jährigen einleitet. Im Prozess hatte unter anderem eine Nachbarin Verdachtsmomente geäußert, wonach die leiblichen Eltern ihre Tochter an den Angeklagten verkauft haben sollen.

Zur Sprache kamen auch Geldzahlungen des Angeklagten an das Mädchen, die vom Bruder der 14-Jährigen beobachtet wurden. Dieser hatte seine Beobachtungen vor Gericht bestätigt.

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