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Annegret Kramp-Karrenbauer begrüßt in der Limburger Stadthalle ein CDU-Mitglied.

Besuch in Limburg

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) geht auf Tuchfühlung mit der Basis

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CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer beeindruckt rund 100 Parteimitglieder mit ihrem Einfühlungsvermögen. Hat man hier die künftige Bundeskanzlerin gesehen?

Ähnlich wie die SPD unter Gerhard Schröder ist die CDU in der Zeit unter Angela Merkel zunehmend zum Kanzlerwahlverein geworden. Das ging so lange gut, wie die Parteichefin als Lokomotive für sichere Wahlsiege sorgte. Am 24. September 2017 war das bei der Bundestagswahl nur noch mit Ach und Krach gelungen, da sich immer mehr konservative CDU-Wähler von Merkel nicht mehr angesprochen fühlen. Außerdem muss ohnehin ihre Nachfolge als Kanzlerin und Parteichefin vorbereitet werden.

Merkel ist in der Partei nicht mehr so alternativlos, wie es lange schien. Als potenzielle Nachfolgerin schält sich zunehmend Annegret Kramp-Karrenbauer heraus. Die Generalsekretärin hat das Ohr der Kanzlerin, ist aber näher dran an der Parteibasis.

Das zeigt sich auch in Limburg, dem siebten Halt der von ihr selbst ersonnenen „Zuhör-Tour“, die sie bis Mitte Juli in insgesamt 42 „Basis-Stationen“ der Partei führen soll. Ihren Auftritt am Samstagvormittag vor etwa 100 CDU-Mitgliedern in der Josef-Kohlmeier-Halle kann man nur als gelungen bezeichnen. Kramp-Karrenbauer scheint der Partei das zu geben, was Merkel ihr (nicht mehr) bieten kann: Eloquenz und Empathie. „AKK“ kommt in zwei Stunden meist ohne die üblichen Phrasen aus. Nur zweimal fällt das berühmt-berüchtigte „Ich nehm’ das mal so mit . . .“, mit dem Merkel routiniert Wünsche der Basis abbügelt.

Schnell wird klar, dass nach wie vor kaum ein Thema die Menschen so sehr umtreibt wie die Sicherheit, das viele der Redner auch mit Migration kombinieren. Die „Spitzbuben“ am Limburger Bahnhof sind Stadtgespräch.

Kramp-Karrenbauer stellt klar, dass sie sich generell „weniger Spitzbuben“ wünscht, ob das nun Inländer oder Ausländer seien. Sie macht aber kein Hehl daraus, dass die Politik sich bei der Sicherheit Versäumnisse vorwerfen lassen muss. Mit Blick auf den anwesenden hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier sagt sie, schon bei ihrer ersten gemeinsamen Innenministerkonferenz 2001 habe man über kriminelle libanesische Clans in Berlin geredet. „Und jetzt reden wir immer noch darüber.“ Mit anderen Worten: Es ist 17 Jahre nichts geschehen.

„AKK“ geht auch auf die neue Kriminalitätsstatistik ein: Selbst wenn diese leichte Besserung nahelege, müsse Politik darauf eingehen, wenn das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger sich anders darstelle. Aber statt immer nur härtere Gesetze zu fordern, müssten die vorhandenen endlich konsequent angewendet werden.

Auch zur Digitalisierung sagt Kramp-Karrenbauer Kluges. Das Thema komme zwar bei allen Veranstaltungen zur Sprache, aber oft eher am Rande. „Hier hat unsere Partei ein Thema vorzubereiten, dass erst allmählich ins Problembewusstsein rückt, aber künftig die Lebenswirklichkeit bestimmt.“ Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt „AKK“ später, es werde darum gehen, die Errungenschaften der sozialen Marktwirtschaft auch im digitalen Zeitalter zu gewährleisten. Weitere Sorge für die Basis: Die mangelnde Versorgung mit Ärzten und Geschäften im ländlichen Raum. Kramp-Karrenbauer fragt nach und versucht wirklich mit den Leuten in den Dialog zu kommen. „Bleiben Sie doch bitte am Mikro“, sagt sie mehrmals.

Schon vor der Veranstaltung beim Rundgang auf dem Limburger Neumarkt beweist sie, dass sie mit den Leuten kann. Nach dem etwas steifen Gesprächseinstieg am Wurststand („Schlachten sie selbst?“, „Kommen die Produkte aus der Region?“), kommt sie tatsächlich mit den Verkäuferinnen in den Dialog. Als Saarländerin sind ihr Plaudereien rund ums Essen und Trinken vertraut. Kulinarisches ist in ihrer frankophilen Heimatregion wichtig. Dort genießt die unprätentiöse und bodenständige „AKK“ bis weit in die Sozialdemokratie hinein Sympathien.

Auch deshalb, weil sie sozialpolitisch in ihrer Union eher links zu verorten ist. Dafür sei sie bei gesellschaftspolitischen Fragen wie der „Ehe für alle“ eher konservativ, wie sie vor den CDU-Mitgliedern sagt. Doch gerade weil die Partei verschiedene Flügel brauche, nimmt „AKK“ auch die Vertreter der konservativen Werte-Union ernst, die sich in Limburg mehrfach zu Wort melden.

Vordergründig geht es bei der „Zuhör-Tour“ um Vorschläge für das neue Grundsatzprogramm. Aber informell auch darum, die Generalsekretärin bei der Basis noch bekannter zu machen. Genauso hat auch Merkel angefangen, die „AKK“ irgendwann ablösen könnte. Genau dieser Plan könnte auch dazu geführt haben, dass Merkel und Kramp-Karrenbauer im Winter verabredeten, dass diese ihr Amt als saarländische Ministerpräsidentin aufgab, um nicht wie zunächst geplant Ministerin, sondern „Generälin“ zu werden. Während ihr Vorgänger Peter Tauber eher als verlängerter Arm Merkels fungierte, soll „AKK“ sich wieder mehr um die Basis kümmern und ihr eine Stimme geben. „Die Partei braucht das jetzt“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Da sie durchaus mit der international stark eingebundenen Merkel vertraut ist, schafft die Saarländerin das halbe Wunder,

Kontinuität und Wandel

in einer Person zu verkörpern. Der Politikberater Michael Spreng sagte auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise: Die CDU wolle Merkel behalten, aber Merkel solle sich ändern. „AKK“ wirkt wie die Antwort auf diesen Wunsch.

Dass sie mit Merkel in vielen Fragen an einem Strang zieht, demonstriert „AKK“ nach der Parteiveranstaltung im Gespräch mit dieser Zeitung auch bei aktuellen Themen. Beim Umgang mit den zusätzlichen Steuereinnahmen müsse man laut Kramp-Karrenbauer Dreierlei hinbekommen: die schwarze Null wahren, den Wunsch der Bürger nach Steuer- und Abgabesenkungen bedenken und angesichts der Weltlage die Notwendigkeit zusätzlicher Verteidigungsausgaben. Und mehr Geld für Europa? Hier ist der Gleichklang mit der Kanzlerin wegen „AKKs“ Frankreich-Nähe fast schon verwunderlich. Der französische Präsident habe in Aachen zwar eine schöne Rede gehalten, aber er könne nicht verlangen, dass Deutschland für diese Visionen den Wunsch der Bürger nach stabilen Finanzen vergesse. O là là. War das jetzt Merkel oder AKK? Egal, man hat ohnehin das Gefühl eine künftige Kanzlerin gehört zu haben.

dfg f dgh tg

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