Für einen Corona-Antikörpertest muss Blut abgenommen werden. Foto: Daniel Reinhardt
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Für einen Corona-Antikörpertest muss Blut abgenommen werden.

Corona

Große Nachfrage nach Antikörper-Tests: Wann sie sinnvoll sind

  • Sabine Rauch
    VonSabine Rauch
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Auch im Landkreis Limburg-Weilburg wollen immer mehr Menschen wissen, ob sie eine symptomlose Corona-Erkrankung hatten. Die Frage der dritten Impfung ist ebenfalls Thema.

Limburg-Weilburg - Die einen wollen wissen, ob sie sich die Impfung sparen können, weil sie vielleicht schon mit Covid-19 infiziert waren, ohne es überhaupt bemerkt zu haben, andere machen den Test, weil sie überlegen, ob sie sich ihre dritte Impfung jetzt oder lieber erst später geben lassen. Aber in jedem Fall geht es um das Gefühl der Sicherheit. Nur das können offenbar auch die Antikörper-Tests nicht leisten. Und trotzdem gehen immer mehr Menschen zum Arzt, um sich Blut abnehmen und den Antikörper-Titer bestimmen zu lassen.

Sie sind allerdings hinterher nicht viel schlauer als vorher. So wie eine Leserin, die zwar weiß, dass es keine dummen Fragen gibt und dass die Experten offenbar auch nicht mehr wissen, ihren Namen aber trotzdem nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie hatte ihre Ärztin gefragt, ob sie sich mit einem Titer von 240 noch sicher fühlen könne, oder lieber schon die Auffrischungsimpfung nehmen solle. Schließlich wird sie 85 und die zweite Impfung war im März.

Corona in der Region Limburg: Was bringen Antikörper-Tests?

Aber die Ärztin konnte ihr nicht helfen. Ob 240 gut oder schlecht sei "weiß kein Mensch", habe ihre Ärztin ihr gesagt. Also fragte die alte Dame weiter: Sie rief im Labor an, schließlich hatte sie für den Test bezahlt und wollte nun auch wissen, woran sie ist. Die Labormitarbeiter hätten ihr auch nicht helfen können, sie hätten nur darauf verwiesen, dass sie ja keine Ärzte seien. "Dauernd reden wir über Corona, alle forschen und dann gibt es nicht mal einen Richtwert?"

Nein, den gibt es nicht. "Nach derzeitigem Kenntnisstand lässt ein serologischer Nachweis Sars-Cov-2-spezifischer Antikörper keine eindeutige Aussage zur Infektiosität oder zum Immunstatus zu", teilt das Robert-Koch-Institut mit. Der indirekte Nachweis einer durchgemachten Infektion mit den Antikörper-Tests oder auch der Nachweis einer vorhandenen Immunität nach einer Impfung oder Infektion sei nicht wirklich aussagekräftig.

Hausärztin aus Elz hält Antikörper-Tests in einem Punkt für sinnvoll

Ob ein hoher Antikörper-Wert ihre Patienten wirklich schützt, weiß auch Ulrike Tondera, Hausärztin in Elz und Sprecherin des Ärztennetzwerks Piano, nicht. Aber sie findet die Antikörper-Tests sinnvoll. Denn mit ihnen lasse sich feststellen, ob eine Impfung wirklich nötig sei. Zum Beispiel bei Patienten, die unbemerkt infiziert waren, nie einen positiven Abstrich hatten, nie krank oder in Quarantäne waren, aber sehr viele Antikörper haben.

Beim Gang ins Restaurant oder Kino hilft der Antikörper-Test ihnen aber nicht: Diese Patienten gelten nicht als genesen, sondern müssten sich impfen lassen, um Freiheiten genießen zu können. Auch wenn der Antikörper-Wert nach einer Infektion am höchsten sei. "Unabhängig von der Schwere der Erkrankung, haben Patienten mit durchgemachter Erkrankung meist sehr hohe Aks." Bei ihnen liege der Wert höher als 384 und bleibe auch über Monate hoch. Und auch bei den durchgeimpften Patienten gibt es Unterschiede: "Je älter sie sind desto weniger Antikörper haben sie."

Kreis Limburg-Weilburg: Wenig Interesse an Booster-Impfungen

Um sie zu schützen, bieten das Impfzentrum und viele niedergelassene Ärzte seit September die sogenannten Booster-Impfungen an. Um die muss sich aber jeder selbst kümmern: "Eine postalische Einladungsaktion, wie es sie zu Beginn der bundesweiten Impfaktion im Dezember 2020 durch das Land Hessen gegeben hat, wird nicht mehr erfolgen", teilt Jan Kieserg, der Sprecher des Kreises, mit. Und das Interesse ist bislang nicht groß: Die Zahlen im Limburger Impfzentrum zeigten mit knapp 700 Booster-Impfungen nur eine mäßige Nachfrage. Dabei gibt es immer mal wieder Covid-Ausbrüche auch in den Alten- und Pflegeheimen, weil Menschen erkrankt sind, obwohl sie zwei Mal geimpft waren.

Auch das mobile Impfteam des Gesundheitsamtes setzt nicht auf Antikörper-Tests: "Gemäß Stiko-Empfehlung erfolgt die Auffrischimpfung ohne vorherige Antikörper-Bestimmung." Denn diese weise ja nur eine abgelaufene Infektion nach, ohne eine Aussage über den Zeitpunkt machen zu können. "Es liegen nach wie vor keine verbindlichen Erkenntnisse darüber vor, bei welcher Titerhöhe man von einem zuverlässigen Schutz ausgehen kann." Und überhaupt sei das Immunsystem eine komplexe Sache.

Trotzdem wächst der Druck auf die Politik, die Antikörper-Tests in die nationale Teststrategie aufzunehmen. Europäische Länder fordern schon länger, die Antikörper-Tests auch als Immunitätsnachweis für das digitale Covid-19-Zertifikat zu nutzen. Aber dafür braucht es erst einmal einen Richtwert. Und die Forscher sind sich noch lange nicht einig, welche Schwellenwerte bei welchen Antikörpern und Immunzellen überschritten werden müssen, damit die Menschen geschützt sind. (Sabine Rauch)

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