Viktoria Spiegelberg-Kamens hält eine Rede auf der Kundgebung zum Tag der Arbeit im Jahr 2018. Am kommenden Freitag wird sie nur im Internet zu sehen sein, da die Veranstaltungen des DGB wegen der Corona-Krise abgesagt wurden.
+
Viktoria Spiegelberg-Kamens hält eine Rede auf der Kundgebung zum Tag der Arbeit im Jahr 2018. Am kommenden Freitag wird sie nur im Internet zu sehen sein, da die Veranstaltungen des DGB wegen der Corona-Krise abgesagt wurden.

Gewerkschaften

Tag der Arbeit in Limburg: Kundgebungen nur im Internet

Kinderbetreuung, Kurzarbeitergeld und Gesundheitsschutz stehen in der Corona-Krise im Fokus.

Mehr als 300 Vertreter von Gewerkschaften und Arbeitnehmerverbänden zogen im vergangenen Jahr am Tag der Arbeit durch Limburg. Anschließend sprachen während einer Kundgebung auf dem Kaufland-Gelände zahlreiche Redner. In diesem Jahr ist alles anders: Durch die Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie finden die ursprünglich geplanten Kundgebungen am 1. Mai nicht statt. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat sich stattdessen ein Alternativprogramm einfallen lassen.

"Ab 11 Uhr gibt es einen Livestream, der auf der Homepage des DGB und auf unserer Facebook-Seite übertragen wird", sagt die DGB-Kreisvorsitzende Viktoria Spiegelberg-Kamens. "Die digitale Kundgebung beinhaltet Musik, spannende Reden und Grußworte." Außerdem werden auf den beiden Internetplattformen über den ganzen Maifeiertag hinweg Videos zu aktuellen Themen aus der Arbeitswelt hochgeladen. Auch Viktoria Spiegelberg-Kamens wird zu sehen sein. "Ich möchte meine Rede, die dann auf die Plattformen gestellt wird, auf dem Neumarkt aufnehmen, um den Bezug zur Region auch bildlich aufzuzeigen", sagt sie.

Corona-Krise schweißt die Menschen zusammen

Der etwas andere Tag der Arbeit steht unter dem Motto "Solidarisch ist man nicht alleine". Der DGB hat seine Mitglieder dazu aufgerufen, in den sozialen Medien darüber zu berichten, was Solidarität für jeden Einzelnen bedeutet. Innerhalb des Gewerkschaftsbundes seien viele Gruppierungen an der Organisation und Durchführung des digitalen Feiertages beteiligt. "Es ist toll zu sehen, dass die schwierige Situation die Menschen zusammenschweißt", sagt Spiegelberg-Kamens. Der DGB-Gewerkschaftssekretär für die Regionen Limburg-Weilburg und Wiesbaden-Rheingau-Taunus, Sascha Schmidt, ergänzt: "Für uns alle ist die aktuelle Lage und auch die Planung für den Tag der Arbeit eine große Herausforderung. Uns ist es aber wichtig, in diesen schwierigen Zeiten präsent zu sein."

Sowohl für Spiegelberg-Kamens als auch für Schmidt stehen drei Themen derzeit besonders im Fokus. "Wir beschäftigen uns intensiv mit dem Arbeits- und Gesundheitsschutz, dem Kurzarbeitergeld sowie mit der Kinderbetreuung", sagt der Gewerkschaftssekretär. Ersteres sei wichtig, um die Arbeitsfähigkeit der Belegschaft zu gewährleisteten. Große Defizite gebe es unter anderem in der Landwirtschaft, im Einzelhandel und in der Logistikbranche. Beispielsweise seien oft nicht genügend Waschmöglichkeiten für Lkw-Fahrer vorhanden und man müsse mehr auf den Schutz der Saisonarbeiter auf den Feldern sowie in ihren Unterkünften achten. "Wir beobachten die Bereiche genau und geben Ratschläge, wie der Gesundheitsschutz verbessert werden kann", sagt Schmidt. Während der Pandemie habe das Thema höchste Priorität. "Wird der Schutz vernachlässigt, kann das große Probleme für die Wirtschaft bedeuten."

Viktoria Spiegelberg-Kamens sagt, dass finanzielle Unterstützungen für Unternehmen wichtig seien, um diese vor der Pleite zu retten. "Doch die Arbeitnehmer dürfen dabei keinesfalls zu kurz kommen." Die DGB-Kreisvorsitzende fordert eine Erhöhung des Kurzarbeitergeldes um 20 Prozent. Man habe bei der Festlegung der aktuellen Regelungen nicht ausreichend an Menschen mit einem niedrigen Gehalt gedacht, die nun in finanzielle Nöte geraten.

Auch das Thema Kinderbetreuung liegt Spiegelberg-Kamens sehr am Herzen. Die zweifache Mutter behauptet, der Spagat zwischen Homeoffice und der Betreuung der eigenen Kinder sei besonders für Alleinerziehende nicht immer zu meistern. Deshalb sollte es zukünftig eine Verdienstausfallentschädigung geben, auch wenn das zu betreuende Kind bereits älter als zwölf Jahre ist. "Außerdem fordern wir für Arbeitnehmer, die ihre Kinder betreuen müssen, eine Verdienstausfallentschädigung für den gesamten Zeitraum, in dem Schulen und Kindertagesstätten geschlossen bleiben müssen und nicht bloß für sechs Wochen", sagt sie. Des Weiteren solle der Betrag auf 80 Prozent des Nettogehalts erhöht werden.

Überforderung kann zu häuslicher Gewalt führen

Nicht nur für berufstätige Alleinerziehende und Menschen in systemrelevanten Berufen könne eine Notbetreuung sinnvoll sein. Auch für alle anderen Alleinerziehenden müsse die Notbetreuung in Kindertagesstätten und Schulen angeboten werden, wenn sich das Elternteil durch die aktuelle Situation überfordert fühlt. Durch solche Maßnahmen werde die psychische Belastung der Eltern gesenkt. "Überforderung in Corona-Zeiten kann im schlimmsten Fall auch zu häuslicher Gewalt führen. Dies gilt es zu verhindern." Kritisch sieht Spiegelberg-Kamens die Forderung von Unternehmen an ihre Mitarbeiter, dass diese den Jahresurlaub für die Kinderbetreuung nehmen sollen. "Der Urlaub hat das Ziel, sich zu erholen, um dann gestärkt in den Job zurückzukehren."

Auch die Ausbildung von Fachkräften ist mit Blick auf die Zeit nach der Krise für den DGB ein wichtiges Thema. "Firmen sollten trotz der Ausnahmesituation an ihren Azubis festhalten. Sie werden sicherlich besonders nach der Pandemie gebraucht", sagt Sascha Schmidt. Die aktuelle Wohnungsnot sowie die Digitalisierung und der Klimaschutz in der Arbeitswelt rücken während der Krise in den Hintergrund. Dennoch möchte sich der DGB auch weiter mit diesen Themen befassen. Man tausche sich beispielsweise regelmäßige mit den Aktivisten von "Fridays For Future" aus. tobias ketter

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare