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?Überlegen Sie, was für Sie wichtig ist?, empfiehlt der Informatiker Markus Reinhard den Teilnehmern des Kurses ?Sicherheit im Netz?.

Sicherheit im Internet

„Augen auf!“ im Internet

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Wie immunisiere ich meinen Computer gegen Viren? Und gibt es Präventionsmaßnahmen gegen Cyber-Kriminalität? Um diese Fragen geht es bei einem Internet-Kurs für Senioren, den der Lions-Club Limburg-Goldener Grund veranstaltet.

Die Botschaft ist ernüchternd: „Jeder Virenscanner ist nutzlos, wenn der Benutzer seine Sinne nicht geschärft hat“, fasst Informatiker Markus Reinhard zusammen, was er den Teilnehmern seiner Internet-Schulung in einem mehrwöchigen Kurs vermitteln will. Rund 25 EDV-erfahrene Senioren haben sich für diese vom Lions-Club Limburg-Goldener Grund organisierte Weiterbildungsmaßnahme angemeldet. „Sicherheit im Netz“ ist das Ziel. Der Weg dorthin ist spannend, macht der Dozent deutlich. Denn Cyber-Kriminalität lauert überall. Zwar wird hier nicht mit schweren Brechstangen hantiert. Dafür sind Straftaten im Internet zunächst kaum wahrnehmbar. Datenbestände werden ausgespäht, manipuliert oder sabotiert, ohne dass der Anwender dies bemerkt.

Dazu kommen noch Belästigungen durch sogenannte Spams, unaufgefordert zugesandte Nachrichten, die man am besten ungelesen löscht, empfiehlt der Fachmann. Tatsächlich sei das ein andauerndes Ärgernis, berichtet ein Senior. Geradezu bombardiert fühle er sich von derartigen Mails, und völlig schleierhaft sei ihm, wie ihn „die Spam-Nachrichten überhaupt immer finden können“. Die Erklärung dieses Phänomens sei eigentlich klar, beteiligt sich anderer Kursteilnehmer am Gespräch. „Wenn Sie einmal etwas im Internet gemacht haben, sind Ihre Daten drin.“

Und gerade deshalb sei es wichtig, sicher durchs Internet navigieren zu können, sagt Reinhard. Denn die Zahlen zur Internet-Kriminalität seien alarmierend. Allein im Jahr 2013 seien in Deutschland 64 000 Fälle von Cyber Crime polizeilich erfasst worden. Die Dunkelziffer dürfte diesen Wert noch um das Drei- bis Vierfache steigern, sagt der Experte. Und die Realität sei noch düsterer. Kaum einem Anwender sei nämlich bewusst, wie leicht er in eine Internet-Straftat hineingezogen werden kann, weil er den Datenzugang zu seinem System nicht ausreichend geschützt hat. „Für die Sicherheit des Access Points in Ihrem LAN oder WLAN sind Sie verantwortlich“, sagt er. Die Kursteilnehmer werden unruhig. Wo das stehen würde, fragt ein älterer Herr. Wenn man für seinen Internetzugang hafte, müsste der Anbieter umfangreich über die rechtlichen Konsequenzen informieren, fordert er. Aber gibt es überhaupt ein weltweit geltendes Benutzerrecht für das weltweit gespannte Datennetz? Das nicht, beginnt Markus Reinhard seine Erklärung, aber Unwissenheit schütze grundsätzlich nicht vor Strafbarkeit. Und um Schutz- und Sicherheitsmöglichkeiten solle es schließlich in diesem Kurs gehen.

Zunächst soll ein individueller „Sicherheits-Stick“ eingerichtet werden, auf dem die Benutzer ihre Programme und Anwendungen außerhalb des Computers speichern können. Ist der eigene PC dann tatsächlich von einem Virus befallen, hat der Anwender noch seinen mobilen USB-Stick. „Und den stecken Sie jetzt bitte alle in den dafür vorgesehenen Schlitz“, gibt Markus Reinhard vor und löst eine weitere Fragerunde aus. Welche Speicherkapazität braucht ein USB-Stick, um eine Fernsehsendung „vernünftig“ aufzunehmen? Und wie ist das mit der Datenkomprimierung bei HD- oder Full-HD-Qualität der Aufzeichnung? Markus Reinhard antwortet geduldig, dass eine TV- oder Videoaufnahme besser auf einer externen Festplatte gespeichert werden sollte. Deren Speichervolumen liegt im Terabyte-Bereich. Für den Sicherheits-Stick reicht eine kleinere Dimensionierung.

Dieses externe Medium stellt einige Kursteilnehmer jedoch vor ganz andere Probleme, etwa mit der Sprache. „Der spricht nur Englisch mit mir“, stellt eine Frau aus der ersten Reihe fest und ändert mit wenigen Klicks die Anwendungssprache auf Deutsch. Spanisch wäre ebenfalls möglich gewesen, hat sie herausgefunden. Am besten sei es, wenn man einen deutschsprachigen Browser benutze, rät sie. Unabhängig von der Sprache erscheine neben den sinnvollen Programmen aber leider jede Menge unsinnige Werbung, meldet ihr Tischnachbar. „Die Reklame soll weg.“ Nützliche Informationen möchte man dagegen auf dem Bildschirm behalten, was nicht allen Teilnehmern gelingt, weil versehentlich eine Seite mehrmals geöffnet, eine andere dafür gelöscht wurde.

„Meistens fehlt die Geduld, und man will nicht warten“, erklärt ein älterer Herr, der schon ein paar Computer-Kurse absolviert hat, aber das mit dem Warten sei eben schwierig. „Da ist es gut, wenn man junge Leute kennt, die einem schnell helfen können.“ Kompliziert werden könne die Arbeit am PC schließlich schon, ehe man sich ins Internet begeben hat. Wenn beispielsweise eine Fehlermeldung auf seinem Bildschirm erscheint, sagt der Mann, lege er erst einmal eine Pause ein, um zu überlegen. „Man weiß ja nicht, was alles passieren kann.“

Bei einigen der Sicherheits-Sticks passiert in diesem Augenblick gar nichts. Vielleicht befindet sich auf dem mitgebrachten USB-Stick ein Virus, diagnostiziert Markus Reinhard spontan, untersucht das Kleinteil und stellt fest, dass das Problem völlig undramatisch ist. Mit einem Schieberegler wurde der Schreibschutz am Speichermedium aktiviert. „Den Regler schieben Sie jetzt zurück, und dann installieren wir Schritt für Schritt die Anwendungen.“ Schreibprogramme, Bildbearbeitungs-Software, auch Spiele können auf dem Stick gespeichert werden. „Überlegen Sie, was für Sie wichtig ist“, rät der Dozent Markus Reinhard und betont: „Die Frage, die Sie sich immer stellen müssen, lautet: Klickt man, oder klickt man nicht?“

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