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Aus einem "Denkzettel" wird Mord

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Von: Anken Bohnhorst

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Zum Prozessauftakt wurde die Anklage verlesen.
Zum Prozessauftakt wurde die Anklage verlesen. © picture alliance / dpa

Tödlicher Stich in den Hals in Elkerhausen: 33-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Limburg verantworten

Limburg -Wegen Mordes an einem 19-jährigen Mann muss sich ein heute 33-Jähriger seit Donnerstags vor dem Landgericht Limburg verantworten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft hat der Angeklagte sein Opfer im Mai vergangenen Jahres heimtückisch in dessen Wohnung in Weinbach-Elkerhausen getötet. Mit einem Klappmesser soll er den Jüngeren in den Hals gestochen haben. Dabei kannte er das Opfer angeblich nicht. Vielmehr soll der mutmaßliche Mörder Teilnehmer einer Gruppe von sechs Männern gewesen sein, die dem 19-Jährigen einen Denkzettel verpassen wollten.

Initiiert wurde diese Abrechnung nach den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft von einer Frau, die mit ihrem damaligen Lebensgefährten im gleichen Haus wohnte wie der Getötete. Sie habe sich über den 19-jährigen Mann, der zwei Stockwerke über ihr lebte, geärgert. Der Mann störte sie. Ihr Ärger steigerte sich in Wut und erreichte ein Stadium, in dem die Frau fand, dem Mann müsse eine Abreibung verpasst werden. Angeblich fand sie sogar, der Mann müsse umgebracht werden. Geplant worden sei das indes nicht. Vielmehr besprach sie sich mit Bekannten, von denen einer wiederum den jetzt Angeklagten kannte und zum Mitmachen motivierte. Die Abreibung, die man sich ausgedacht hatte, sah vor, dass dem 19-Jährigen ein Sack über den Kopf gestülpt und er aus seiner Wohnung geholt werden sollte. Anschließend wollte man ihn mit Kabelbindern an einem Baum befestigen, "um ihn zum Nachdenken zu bringen", heißt es in der Anklageschrift.

Fünf Männer

als Rachekommando

Insgesamt fünf Männer zogen schließlich los, um den 19-Jährigen vorübergehend auszuschalten. Sie maskierten sich, betraten das Haus und stiegen zur Wohnung im Dachgeschoss, die nicht verschlossen war. Dort nahm das geplante Vorhaben allerdings eine angeblich ungeplante Wendung. Denn mit Betreten der Wohnung soll der Angeklagte die Führung übernommen haben. Er ging auf den jungen Mann zu, der auf einer Couch lag und vermutlich schlief und stach mit einem Klappmesser knapp fünf Zentimeter tief in dessen Hals. Das Opfer "starb wie beabsichtigt", sagte Staatsanwältin Sabine Hönnscheidt.

Der Angeklagte werde sich zunächst nicht äußern, teilte dessen Verteidigerin Jennifer Gehrke mit. Auch die vier Mitstreiter des mutmaßlichen Mörders berufen sich auf ihr Zeugnisverweigerungsrecht, weil gegen sie ebenfalls Verfahren laufen und sie sich durch Zeugenaussagen selbst belasten könnten. Die Frau, deren Befinden die Bluttat möglicherweise ausgelöst hat, war am ersten Verhandlungstag nicht erschienen; die Vorladung sei an eine falsche Adresse geschickt worden, räumte die Kammer ein. Das Verfahren wird am Dienstag, 16. August, 9 Uhr, fortgesetzt.

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