Dringend gesucht werden Auszubildende weiterhin im Handwerk. Ansonsten dürfte es wegen der Corona-Pandemie 2020 aber deutlich weniger Lehrstellen im Kreis Limburg-Weilburg geben.
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Dringend gesucht werden Auszubildende weiterhin im Handwerk. Ansonsten dürfte es wegen der Corona-Pandemie 2020 aber deutlich weniger Lehrstellen im Kreis Limburg-Weilburg geben.

Auswirkungen der Pandemie

Ausbildung: "Corona-Jahrgang" in Limburg droht

Die IHK erwartet einen Rückgang der Lehrstellen um 20 Prozent. Das Handwerk zeigt sich aber unbeeindruckt.

Limburg -Wegen der Corona-Pandemie könnten viele Ausbildungsplätze wegfallen. In einigen Branchen läuft die Arbeit derzeit nicht wie gewohnt und die Unternehmer müssen finanzielle Einbußen verkraften. "Deshalb befinden sich viele Betriebe in einer überaus schwierigen Lage und sie haben es nicht leicht, Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr anzubieten", sagt die Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Limburg, Monika Sommer. Im Handwerk erwartet man dagegen weiterhin ein Überangebot an Ausbildungsplätzen

Im Gebiet der IHK Limburg habe man bis zum 30. April 193 neue Ausbildungsverträge eingetragen, so Sommer. Dies bedeutet ein Minus von 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. In ganz Hessen beträgt es sogar 17,1 Prozent. "Es werden momentan auf allen Ebenen Gespräche geführt, um die Ausbildungsbereitschaft und die Ausbildungsmöglichkeit der Unternehmen zu stärken" so Sommer. Trotzdem geht sie davon aus, dass es 2020 über alle Branchen hinweg rund 20 Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse geben wird als in den vergangenen Jahren.

Sorgen macht sich auch die Geschäftsführerin der Arbeitsagentur Limburg-Wetzlar, Angelika Berbuir: Es sei zu befürchten, dass bei den Jugendlichen ein "Corona-Jahrgang" entstehe, wenn es nicht gelinge, mehr Ausbildungsverhältnisse zu generieren. Auf einen Ausbildungssuchenden kommen derzeit statistisch gesehen 0,69 gemeldete Ausbildungsstellen. Im Vorjahr waren es 0,77.

Weniger Plätze frei, mehr suchen noch

Von Oktober 2019 bis Mai 2020 hätten sich im Kreis Limburg-Weilburg 1340 Ausbildungssuchende gemeldet. Dies waren 76 oder 5,4 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode. 576 sind noch unversorgt (Vorjahr 525). Demgegenüber meldeten die heimischen Unternehmen und Verwaltungen bislang 1231 freie Ausbildungsstellen. Dies sind 133 oder 9,8 Prozent weniger als vor einem Jahr. 456 Lehrstellen sind bislang noch unbesetzt. Ende Mai 2019 waren noch 501 Ausbildungsstellen frei.

Den Betrieben garantiere die duale Ausbildung die Fachkräfte von morgen, sagt Sommer. "Deshalb sollten sie auch in diesen schwierigen Zeiten in ihren Ausbildungsanstrengungen nicht nachlassen." Es gebe unterschiedliche Maßnahmen und Programme, die den Unternehmen unterstützend zur Seite stehen. Bei anhaltend angespannter wirtschaftlicher Lage gewähre der Bund Ausbildungsbetrieben, die für das kommende Jahr zusätzliche Plätze anbieten, einen Bonus.

Insolvenz: Es wird weitervermittelt

Nicht nur die Betriebe sind derzeit verunsichert. "Viele Jugendliche fragen sich, wie sie eine passende Lehrstelle in diesen schwierigen Zeiten finden können", sagt Sommer. Ausbildungssuchende sollten sich darauf vorbereiten, dass ihr Einstellungsprozess hauptsächlich online erfolgen wird. Dies gelte auch für Beratungen der Arbeitsagentur und der IHK. Besonders viele Ausbildungsplätze gebe es aktuell noch im Handel und auch die Gastronomie werde nach der Krise wieder verstärkt suchen. Bei den Jugendlichen seien Berufe im IT-Bereich, als Kaufmann für Büromanagement und im gewerblich-technischen Bereich gefragt.

Für Personen, die ab August eine Ausbildung beginnen wollen und bereits einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, werde die Arbeit voraussichtlich regulär starten, so Sommer. Azubis aus insolventen Betrieben sollten schnellstmöglich Kontakt zur IHK und zur Arbeitsagentur aufnehmen. "Dann können sie an Betriebe weitervermittelt werden, in denen sie die Möglichkeit bekommen ihre Ausbildung fortzusetzen", sagt Sommer.

Im Handwerk wird trotz der Corona-Pandemie weiter stark gesucht. "Es fehlen Jugendliche, die eine Ausbildung im Handwerk beginnen möchten", sagt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Limburg-Weilburg, Stefan Lassmann. Er geht davon aus, dass die Zahl der verfügbaren Ausbildungsplätze ähnlich hoch sein wird wie im Vorjahr. Die betriebliche Ausbildung im Handwerk werde maßgeblich von Klein- und Kleinstbetrieben getragen. "Die Mehrheit der Unternehmen ist auch in dieser Ausnahmesituation bereit, Zeit und Geld für Ausbildungen zu investieren." Lassmann rät allen Schulabgängern, die eine Ausbildung im Handwerk erwägen, zeitnah einen Betrieb aufzusuchen, um dort ein Praktikum zu absolvieren. "Ich bin überzeugt, dass so hervorragende Aussichten entstehen, einen wohnortnahen Ausbildungsplatz zu bekommen."

Hilfe bei der Suche nach dem Traumjob

Im Herbst startet der neue Ausbildungsjahrgang in den Betrieben. Doch wegen der Corona-Pandemie ist es für einige Unternehmen derzeit eine Herausforderung, offene Ausbildungsplätze zu besetzen. Und auch viele Jugendliche fragen sich, wie sie eine passende Lehrstelle finden können. Hier hilft die IHK-Lehrstellenbörse, die unter www.ihk-lehrstellenboerse.de im Internet zu finden ist. Sie unterstützt Schulabgänger auf der Suche nach ihrem Traumberuf sowie Unternehmen, ihre Fachkräfte von morgen zu finden.

Eine neue Funktion macht nun möglich, dass Ausbildungsplatzsuchende nach ihrer Registrierung in der IHK-Lehrstellenbörse, wenn sie dem zustimmen, von der für sie zuständigen Industrie- und Handelskammer kontaktiert werden können. So können die IHK-Ausbildungsberater die Jugendlichen bei der Ausbildungsplatzsuche unterstützen.

"Wir kennen unsere Region und unsere Ausbildungsbetriebe. Durch die neue Funktion ist es für junge Menschen nun noch einfacher möglich, dass sie uns als ihren Partner bei der Ausbildungsplatzsuche persönlich kennenlernen und wir für sie aktiv den Kontakt zum individuell passenden Ausbildungsbetrieb herstellen können", sagt Jutta Golinski, Leiterin des Geschäftsbereichs Aus- und Weiterbildung der IHK Limburg. In der IHK-Lehrstellenbörse sind für die Region Limburg-Weilburg aktuell noch viele freie Lehrstellen für den Ausbildungsstart 2020 zu finden. Zusätzlich zum Online-Portal gibt es die IHK-Lehrstellenbörse auch als App. Infos gibt es bei Sabrine Okon unter (0 64 31) 21 01 32 oder im Internet unter www.ihk-limburg.de.

Tobias Ketter

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