Menschenleer wird die Limburger Innenstadt ab Samstag nach 21 Uhr sein. Der Landkreis erreicht Warnstufe schwarz und erlässt eine Ausgangssperre.
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Menschenleer wird die Limburger Innenstadt ab Samstag 21 Uhr sein. Der Landkreis erreicht Warnstufe schwarz und erlässt eine Ausgangssperre.

Warnstufe „schwarz“

Corona-Ausgangssperren im Kreis-Limburg kommen: Alle Details im News-Ticker

  • vonSebastian Semrau
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Im Kreis Limburg-Weilburg liegt die Corona-Inzidenz weiter bei mehr als 200. Ab dem Wochenende gibt es Ausgangssperren.

  • Allgemeinverfügung erlassen: Im Kreis Limburg-Weilburg gelten ab Samstag Ausgangssperren.
  • Grund sind die weiterhin hohen Zahlen bei Corona-Neuinfektionen.
  • Besonders Alten- und Pflegeheime sind von der Situation betroffen.

Update vom Donnerstag, 10.12.2020, 13.00 Uhr: Der Kreis Limburg-Weilburg hat die neue Allgemeinverfügung zur Eindämmung der Corona-Pandemie erlassen. Was sich bereits am Mittwoch (09.12.2020) andeutete, ist heute Gewissheit. Der Kreis übersteigt am dritten Tag in Folge den kritischen Inzidenzwert von 200 bei 213,5. Demnach ist die Alarmstufe „schwarz“ des hessischen Eskalationskonzeptes erreicht. Ab Samstag, den 12. Dezember gilt in Limburg und der Region also die angekündigte, nächtliche Ausgangssperre und das Alkoholverbot im öffentlichen Raum.

In der Zeit von 21 bis 5 Uhr, darf das Haus dann nur noch aus einem „triftigen Grund“ verlasen werden. Auswärtige dürften sich gar nicht im Kreisgebiet Limburg-Weilburg aufhalten. Die Ausgangssperre gelte vorerst bis einschließlich 22. Dezember, erklärt Landrat Michael Köberle. Neben der hohen Infektionszahlen in der Region Limburg-Weilburg sei das „Gesundheitssystem an der Grenze der Belastung“, heißt es in einer Mitteilung des Kreises.

In einer früheren Version des Artikels hieß es, die Ausgangssperre gelte bereits ab Freitag, den 11. Dezember. Das war ein Fehler und wir bitten dies zu entschuldigen.

Corona in Limburg-Weilburg: Die Ausgangssperre wird kommen

Erstmeldung vom 09.12.2020: Limburg-Weilburg – Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen im Landkreis Limburg-Weilburg ist gestern auf 223,4 gestiegen. Aktuell liegen damit in Hessen nur die Stadt Offenbach und der Main-Kinzig-Kreis höher. Sollte der Wert auch am heutigen Donnerstag über 200 liegen, wovon die Kreisspitze ausgeht, wird es eine weitere Allgemeinverfügung geben, die dann wahrscheinlich am Samstag in Kraft tritt. Sie orientiert sich am erst am Dienstag vom Land Hessen erlassenen und ab Freitag geltenden Eskalationskonzept für Regionen, wo die Inzidenz an drei aufeinanderfolgenden Tagen 200 überschreitet (Stufe schwarz).

Unter anderem gehört dazu eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr. Das Verlassen der eigenen Wohnung ist während dieser Zeit nur aus gewichtigen Gründen zuzulassen, wie beispielsweise berufliche oder medizinische Erfordernisse. Außerdem ist ganztags der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum und die Abgabe von Alkohol zum Sofortverzehr verboten. Dies werde auch kontrolliert werden, kündigte der Leiter des Amt für öffentliche Ordnung, Dr. Thomas Orth, an. Über die Höhe von möglichen Bußgeldern könne er aber noch nichts sagen.

Wechselunterricht im Kreis Limburg-Weilburg hat sich bewährt

Einen Wechselunterricht an Schulen ab der Klasse sieben gibt es im Kreis Limburg-Weilburg bereits seit Anfang November. „Das hat sich bewährt“ sagte Landrat Michael Köberle (CDU) gestern bei einer Online-Pressekonferenz. In Kindertagesstätten und Schulen sei es mittlerweile eher ruhig. Betroffen sind aktuell die Friedrich-Dessauer-Schule Limburg, das Gymnasium Philippinum Weilburg, die Grundschule Linter, die Kita Regenbogen Ennerich und die Kita Löwenzahn Weilmünster. Zwischenzeitlich hatte es an mehr als 30 Einrichtungen positive Fälle gegeben.

Dass die Situation im Landkreis auch im Vergleich zu den Nachbarn so schlecht ist, erklärte Köberle mit Infektionsketten in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern sowie mit Folgeinfektionen in Familien. Kirsten Eckenberg, stellvertretende Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, ergänzte: „Wir können nicht festmachen, warum die Zahlen woanders niedriger sind.“ Zu den Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheim, sie spricht von aktuell zehn betroffenen Einrichtungen, offiziell nennt der Kreis Vitos Teilhabe Weilmünster, Haus St. Blasius Frickhofen, Wichernstift Limburg und Pallottiner Missionshaus Limburg, erklärte sie: „Da holen wir anscheinend nach, was wir im Kreis in den ersten Monaten der Pandemie nicht hatten.“

Die Folgen sind erkennbar: Bis Ende Oktober gab es im Kreis „nur“ acht Todesfälle in Verbindung mit dem Coronavirus, mittlerweile sind es 28. „Sie sind fast alle hochbetagt“, sagte Eckenberg. Die allermeisten seien über 80, definitiv aber über 70.

Antigen-Schnelltests sollen im Kreis Limburg-Weilburg vermehrt eingesetzt werden

„Unser Ziel ist es, Krankenhäuser und Seniorenheime maximal zu schützen“, betonte Köberle. Daher gilt vom morgigen Freitag an eine neue Allgemeinverfügung zu eben diesem Thema. Geregelt sind darin unter anderem Besuchsverbote, wenn es in der Einrichtung einen Covid-19-Ausbruch gibt oder das Tragen von FFP2-Masken. Zudem müssen Besucher und Personal (bis zu zweimal pro Woche) getestet werden. Das gilt auch für Patienten beziehungsweise Bewohner bei der Aufnahme und der Entlassung. Die benötigten Antigen-Schnelltests stehen nach Köberles Kenntnis ausreichend zur Verfügung.

Diese Verordnung soll bis zum 11. Januar 2021 gelten. Die zur Ausgangssperre soll im Kreis Limburg-Weilburg zunächst bis zum 22. Dezember in Kraft sein, kann aber erst aufgehoben werden, wenn die Inzidenz fünf Tage in Folge unter 200 gesunken ist. Allerdings könnte sie auch wie zuletzt Allgemeinverfügungen Anfang November wieder von Verordnungen des Landes abgelöst werden - schließlich wird bundesweit über einen weiteren Lockdown diskutiert. Von Lockerungen zu Weihnachten hält Landrat Köberle "angesichts der Inzidenzen nichts". Eckenberg betont aber auch, dass sie aktuell "in den Geschäften nicht das Problem sieht".

Kontaktverfolgung im Kreis Limburg-Weilburg funktioniert noch

Dem Gesundheitsamt gelinge es aktuell auch noch, Kontakte binnen 24 Stunden nachzuverfolgen, sagte Köberle. Dabei helfen derzeit 18 Landesbedienstete sowie weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung im Gesundheitsamt mit. Die Bundeswehr sei im Moment kein Thema.

„Wir hoffen, mit den nun getroffenen Maßnahmen das Infektionsgeschehen bei uns im Landkreis insgesamt wieder nach unten drücken zu können. Dafür ist aber in erster Linie entscheidend, dass sich unsere Bürgerinnen und Bürger an die Regelungen halten und die Vorgaben umsetzen“, betonte Köberle. Und Eckenberg appelliert, vorsichtig zu sein. Denn viele glaubten, sie hätten nur einen Infekt oder eine Erkältung und gingen weiter raus. „Da kann immer Covid-19 dahinterstecken“, sagte sie.

Corona-Ausbruch im im Limburger Krankenhaus St. Vincenz

In den Krankenhäusern des Kreises Limburg-Weilburg sind aktuell 69 Corona-Infizierte (+ 8 zum Vortag), davon 14 im Intensivbett (+ 2). „Die Lage in den Krankenhäusern des Versorgungsgebietes 5, zu denen auch die drei Krankenhäuser des Landkreises Limburg-Weilburg gehören, ist aufgrund der weiter steigenden Patientenzahlen angespannt. Die Auslastung mit Covid-Patienten ist an der Grenze“, so Erster Kreisbeigeordneter Jörg Sauer (SPD). „Wir wollen die Krankenhäuser entlasten“, sagte Landrat Michael Köberle (CDU) zu den nun ergriffenen Maßnahmen.

Wie nötig das ist, machte das Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus gestern klar. Auch dort ist es zu einem Covid-Ausbruch gekommen, von dem mehrere Stationen betroffen sind. Von den rund 800 ärztlichen und pflegerischen Mitarbeitern sind derzeit rund 20 Personen mit dem Coronavirus infiziert und in Quarantäne. „Gleichzeitig gebe es einen starken Anstieg infizierter stationär behandelter Patienten“, erklärt Geschäftsführer Guido Wernert. Stand Mittwoch werden im St.-Vincenz-Krankenhaus 47 Covid-19 Patienten behandelt, neun von ihnen auf der Intensivstation.

Infolge dessen wird das Besuchsverbot für das Limburger Krankenhaus und auch für die Klinik in Diez weiter verschärft: Ausnahmen gibt es nunmehr ausschließlich für Angehörige eines im Sterben liegenden Patienten. „Diese starke Einschränkung ist unerlässlich für den Schutz der Patienten und des medizinischen Personals“, so die Krankenhausleitung. Daher werden die bereits bestehenden Sicherheits- und Schutzmaßnahmen nochmals verschärft: So werden nun unter anderem bei allen Beschäftigten wöchentlich zwei Antigen-Schnelltests durchgeführt. Zudem sind alle Krankenhausmitarbeiter zum Tragen einer FFP2-Maske verpflichtet. (Sebastian Semrau)

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