Der Bahnhof Limburg Süd.
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Der Bahnhof Limburg Süd.

DB-Reisezentren in Limburg

Pro Bahn: „DB-Reisezentren müssen bleiben“

Die Linke im Kreis hat schon demonstriert, das Limburger Rathaus steht im Briefwechsel mit der Bahn wegen einer möglichen Schließung der Reisezentren im ICE.Bahnhof sowie im Stadtbahnhof. Der Fahrgastverband Pro Bahn fordert, beide Reisezentren zu erhalten.

Ob die Reisezentren der Deutschen Bahn im Limburger Stadtbahnhof oder im ICE-Bahnhof geschlossen werden, ist noch nicht klar.. Der geänderte Fahrkartenverkauf, immer mehr wird online verkauft, erfordere eine Überprüfung und Anpassung.

Dem drohenden Ungemach zeigte die Linke mit einer Demonstration am Ende des alten Jahrs schon einmal den politischen Unwillen, auch der Fahrgastverband Pro Bahn schloss sich dem öffentlich gezeigten Protest an. An der Demo habe der Verband bewusst teilgenommen, um sowohl seinem eigenen Vereinsziels als auch der gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden, die Stimme zu erheben, macht der Regionalsprecher von Pro Bahn Mittelhessen, Thomas Kraft, deutlich.

In einer schriftlichen Stellungnahme geht der Verband mit der allgemeinen Linie der Bahn hinsichtlich ihrer Reisezentren hart ins Gericht. „Die Schließung von Beratungs- und Verkaufsstellen in der Fläche kann nicht die Antwort auf die Automatisierung und Digitalisierung und die damit verbundenen Auswirkung in den gesellschaftlichen Alltag sein“, macht Kraft deutlich. In diesem Zusammenhang fordert der Regionalverband Mittelhessen die Bahn auf, von den Gedankenspielen, weitere Reisezentren und Fahrkartenschalter zu schließen, Abstand zu nehmen.

In einem Schreiben an das Verkehrsunternehmen bekräftigt der Fahrgastverband, dass es für Limburg von großer Bedeutung sei, Reisezentren in der Stadt zu wissen. „Rentner, Schwerbehinderte, ältere Menschen ohne Zugang zum Internet werden von der Teilhabe an der Daseinsvorsorge in unserer Gesellschaft zunehmend ausgeschlossen“, verdeutlicht Kraft. Dabei übt er auch Kritik an dem Verfahren, den Fahrkartenverkauf für den Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Leistung öffentlich auszuschreiben. Wenn es keine RMV-Fahrkarten mehr an den Schaltern der Deutschen Bahn gebe, dann sei klar, dass der Fahrkartenverkauf durch Personal nicht mehr geleistet werden könne. Nach Einschätzung von Pro Bahn dürften 70 Prozent der Fahrgastzahlen am Stadtbahnhof in Limburg auf Fahrten innerhalb des RMV entfallen.

Die Auslastung und Inanspruchnahme von Reisezentren hänge in wesentlichen Teilen auch von der Attraktivität ab, so Kraft weiter. Habe es in früheren Zeiten sogar noch Nachtschalter an Bahnhöfen gegeben, so sei selbst in großen Knotenbahnhöfen im DB-Netz der Kauf einer Fahrkarte ab 20 oder 21 Uhr nur noch am Automaten möglich ist. Schon seit Jahren gebe es in Limburg sowohl im Regional- als auch im ICE-Bahnhof geöffnete Schalter nur noch von Montag bis Freitag. Samstags, Sonn- und Feiertags stehe der Fahrgast vor dem unpersönlichen Automaten. „Ein Skandal für einen Fernbahnhof, von wo aus man umsteigefrei bis nach Dortmund, München, Stuttgart, Basel und anderen größeren Städten reisen kann“, so Kraft.

Nach Einschätzung des Fahrgastverbands lässt auch die Handhabung der Fahrkartenautomaten zu wünschen übrig und sei keineswegs barrierefrei. Personen, die nur gelegentlich mit der Bahn reisen, seien in den allermeisten Fällen überfordert, den Tarifdschungel in den Anwendungsebenen der Automaten zu verstehen.

Hinzu komme, dass in jedem Verkehrsverbund Deutschlands ein völlig eigenständiges Fahrpreissysteme bestehe, was weitreichende Alltags- und Ortskenntnisse voraussetze. „Oftmals ist auch eine individuelle Beratung notwendig, insbesondere bei Familien- und Gruppenreisen. Bei solchen Barrieren wird der Gelegenheitskunde schnell die Flucht ergreifen und sein Fahrtziel mit dem Auto ansteuern“, ist Kraft überzeugt.

Nach seinen Angaben hatte er am Rande der Demonstration ein Gespräch mit dem Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD). Dieser wolle in nächster Zeit zum Gespräch einladen, um über den Erhalt der Infrastruktureinrichtungen des Öffentlichen Nah- und Fernverkehrs zu sprechen. „Pro Bahn nimmt diese Einladung gerne an“, versichert Thomas Kraft. Der Fahrgastverband appelliert an alle politischen Kräfte in Limburg und im Landkreis, gemeinsam für den Erhalt der beiden Reisezentren-Standorte einzutreten.

Zudem fordert der Fahrgastverband den Bundesgesetzgeber auf, wie im Falle der Deutschen Post mit ihren Postfilialen und Postagenturen entsprechende Rechtsgrundlagen auch für das Eisenbahnnetz zu erlassen. So sollten die Deutsche Bahn und alle weiteren Verkehrsunternehmen mit eigenem Streckennetz sowie alle Verkehrsverbünde in Deutschland verpflichtet werden, bei einer Größenordnung von mindestens 3 500 Reisenden ein Reisezentrum oder zumindest einen Fahrkartenschalter mit täglichen Öffnungszeiten aufrecht zu erhalten. Für Limburg bedeute dies Reisezentren sowohl im Bahnhof in der Innenstadt als auch im ICE-Gebiet. nnp/jl Das könnte Sie auch interessieren:

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