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Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand.

Prozess in Limburg

Bankvorstand gesteht Veruntreuung von über 8 Millionen Euro

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied einer Bank im Landkreis Limburg-Weilburg hat beim Prozessauftakt die Veruntreuung von über acht Millionen Euro Kundengelder gestanden.

Ein ehemaliges Vorstandsmitglied einer Bank im Landkreis Limburg-Weilburg hat beim Prozessauftakt die Veruntreuung von über acht Millionen Euro Kundengelder gestanden. "Das war nur möglich, weil ich einen großen Vertrauensvorschuss bei meinen Kollegen und Kunden hatte - und diesen ausgeschöpft habe", sagte der 63-Jährige am Mittwoch im Limburger Landgericht. Er bereue seine Taten tief. 

Nach seinem Geständnis hatte er etwa zehn Jahre lang immer wieder das Geld von Kunden, das er anlegen sollte, in eigene Immobilienprojekte investiert. Vor allem in Ostdeutschland kaufte der nahe Siegen lebende Mann mehrere Mehrfamilienhäuser. 

Die Misere des Familienvaters hatte laut eigener Darstellung in den 1990er Jahren begonnen, als er bei Spekulationsgeschäften mit Aktien viel Geld verlor. "Bei dem Zusammenbruch des Neuen Marktes um die Jahrtausendwende hatte ich mindestens eine Million Mark Schulden", berichtete der Betriebswirt. Aus Angst vor der Insolvenz sei er auf die Idee gekommen, mit Kundengeldern Häuser zu kaufen. Mit den Erträgen aus den Immobiliengeschäften habe er seine Schulden begleichen und den Kunden das investierte Geld inklusive Zinsen zurückzahlen wollen. 

Offiziell habe er den Kunden zu sehr guten Konditionen Angebote der Bank verkauft, das investierte Geld jedoch heimlich behalten. Er habe sich die Fälligkeit der Rückzahlungen und Zinsen aufgeschrieben, um das Geld jeweils pünktlich an die Kunden überweisen zu können. "Ich habe eine Bank in der Bank geführt", berichtete der Mann. Die ganzen Jahre habe er mit einem schlechten Gewissen und der Angst vor Entdeckung gelebt. 

Angeklagt sind insgesamt 176 Fälle aus den Jahren 2009 bis 2014, betroffen waren etwa 60 Kunden. Die Taten zuvor sind bereits verjährt. Die Bank hat den Kunden das Geld erstattet. Angeklagt ist der Mann zudem wegen Verstößen gegen das Waffen- und das Sprengstoffgesetz. Bei einer Hausdurchsuchung waren bei ihm unter anderem Maschinengewehre gefunden worden.

Das Gericht hat bislang zehn Fortsetzungstermine bis kurz vor Weihnachten angesetzt.

(dpa)

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