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Seit 2003 spielt Alfred Werner Golf. Als Linkshänder steht er beim Abschlag rechts vom Golfball.

Golf

Beim Golfen kommt es auf Länge und Präzision an

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Geräusche machen Golfer glücklich: Wenn der Ball satt getroffen wird und dorthin fliegt, wo er landen soll. Und wenn der Ball mit einem Plopp ins Loch fällt – doch das ist schwerer als gedacht.

Worum geht es beim Golf? Einzulochen, am besten mit so wenig Schlägen wie möglich. Das Putten sieht dabei einfach aus, aber es ist schwer, wenn man einlochen muss, und der eine Schlag zu viel den Sieg kosten kann, wenn der Ball knapp am Loch vorbeirollt.

„Beim Putten geht es nicht mehr um die Frage: Holz oder Eisen? Da kommt es nur auf das Ballgefühl an“, sagt der Vorsitzende des Golfclubs Eschhofen, Alfred Werner.

Von einer „psychischen Herausforderung wie beim Elfmeter“ spricht der 57-Jährige. Das erlebte er zum Beispiel, als er mit seiner Frau in einem Turnier im Team spielte. Den von seiner Frau auf dem Grün gut positionierten Ball hätte Alfred Werner aus 20 Zentimeter Entfernung eigentlich locker einlochen müssen – er tat es nicht. „Also, ich liebe meine Frau, und meine Frau liebt mich . . . “, erzählt er. Und man ahnt: Nach dem Fehlschlag muss die Liebe sehr groß gewesen sein. Was sein Fehler war? „Ich habe den Ball vor dem Putt nicht gereinigt, was auf dem Grün erlaubt ist. Ein paar Sandkörnchen, die am Ball klebten, machten dann den Unterschied aus.“

Vor allem einem Loch kommt eine große Bedeutung zu. „Das 18. Loch entscheidet, wenn zwei Golfer auf Augenhöhe gegeneinander spielen. Da kann alles passieren: Jemand, der knapp in Führung liegt, kann am letzten Loch alles verspielen“, sagt Werner. „Ich ärgere mich mehr über einen nicht eingelochten Ball auf dem Grün als über einen verzogenen Ball am Abschlag, der im hohen Gras landet.“

Eine wichtige Rolle spielt der Golfball. Da gibt es aufgrund verschiedener Hersteller auch Unterschiede zwischen den Golfbällen; bei Alfred Werner hat es mehrere Jahre gedauert, bis er diese für sich entdeckt hat. „Mit manchen Bällen können sie sehr gut weit schlagen, aber kriegen Probleme beim Putten. Und mit anderen Bällen können sie sehr gut putten, aber dann gelingen die weiten Schläge nicht mehr so gut.“ Und es kommt auf die jeweilige Golfanlage an, mit welchem Ball man ins Turnier geht.

Das Geheimnis des Golfspiels beschreibt Werner so: Konzentration, Konzentration, Konzentration, Training, Training, Training und Dosieren, Dosieren, Dosieren. Der Rest ist Technik: die richtige Länge der Schläge, die richtige Präzision. Doch dann kommt das Putten. . .

„Die Caddies, die die großen Profigolfer begleiten, sind selbst hervorragende Spieler“, sagt Werner. „Der Unterschied zum Profi, den sie beraten, ist oft, dass sie in den entscheidenden Momenten Nerven zeigen.“ Beim Putten zum Beispiel, wo das Einlochen oft die größte Herausforderung ist.

Werner darf mit den Mitgliedern des 2015 gegründeten Golfclubs Eschhofen die Golfanlage in Dillenburg seit 2017 offiziell nutzen. Und zwar zunächst einmal mindestens elf Jahre, in denen es dem Club allerdings gelingen muss, einen eigenen Golfplatz zu errichten.

Die rund 60 Mitglieder träumen von einem Golfplatz in Limburg oder maximal fünf Kilometer von Limburg entfernt. Alfred Werner will Kinder und Jugendliche für den Golfsport begeistern; sie sollen mit dem Fahrrad nach der Schule zum Golfplatz fahren können, um zu trainieren und zu spielen.

Bis zum Golfplatz in Dillenburg dauert es aber 45 Minuten – mit dem Auto. „Wer fährt 90 Minuten mit dem Auto, um nach Feierabend eine Stunde auf der Driving Range seine Schläge zu üben?“, fragt Werner. „Auf der einen Seite wird der Vorwurf erhoben, Golf sei ein elitärer Sport, was nicht stimmt. Auf der anderen Seite soll es keinen Golfplatz in Limburg geben, der es überhaupt erst möglich machen würde, dass er ein Volkssport wird.“

Lange Zeit sah es so aus, als ob der Golfclub Eschhofen im Schirlinger Feld einen Golfplatz bauen könnte. Aber weil ein Landwirt, der dort zentrale Flächen besitzt, aus Sicht des Golfclubs sehr spät einen Rückzieher gemacht hat, geht die Suche weiter. Der Golfclub verhandelt wieder mit der Stadt über Flächen in der Eppenau. Aber wie schon im Schirlinger Feld versucht die gleiche Bürgerinitiative die Ansiedlung zu verhindern.

Nachdem Werner auf dem Golfplatz in Dillenburg zur Demonstration des Golfspiels eine Neuner-Runde gespielt hat, mit dessen Ergebnis er zufrieden ist, erzählt er einen Golfer-Witz: Eine Frau muss sich vor Gericht verantworten, weil sie ihrem Mann mit dem Golfschläger eins übergebraten hat. Welches Eisen sie verwendet hat, will der Richter wissen. „Ein Siebener-Eisen“, antwortet die Frau. Der Richter ist zufrieden: „Eine gute Wahl, das Siebener-Eisen kann man für alles nehmen!“ Werner erklärt, mit dem Siebener-Eisen könne man relativ weit schlagen und sogar versuchen zu putten, wenn man auf dem Grün angekommen ist.

Werner hat in seinem Golfbag zwei besondere Schläger: Es sind auf ihn zugeschnittene Sonderanfertigungen. Das mache Sinn, wenn der Routineschlag immer leicht nach links oder rechts verzogen wird, erklärt er. Werner ging zu Golf-Guru Mike McFadden und ließ sich zwei seiner Schläger auf seinen individuellen Schlag hin anpassen. Die Bälle fliegen jetzt häufiger so, wie sie sollen: geradeaus.

Aber Werner betont, ein Schläger-Set müsse nicht teuer sein, um damit viele Jahre sehr gut Golf zu spielen. Das könne man bis zu einem Handicap von 18 und auch noch niedriger machen. Wer dann besser spielen wolle, brauche aber irgendwann doch bessere Schläger.

Zum Verständnis: Die Platzreife beim Golf, also die Erlaubnis, Golf spielen zu dürfen, beginnt bei einem Handicap von 54. Wer auf einer 18er-Loch-Bahn wie in Dillenburg spielt, für die gute Golfer maximal 72 Schläge benötigen, braucht bei seinem Leistungsvermögen 54 Schläge mehr. Werner hat aktuell ein Handicap von 12,4.

Er spielt seit dem Jahr 2003 Golf und war erst skeptisch, als ein Arbeitskollege ihn überreden wollte, das mal auszuprobieren. „Das ist doch kein Sport“, dachte er erst. Aber nur bis zu seinem ersten Schlag. „Sie können in jedem Alter mit Golf anfangen“, sagt Alfred Werner. „Und sie können bis ins hohe Alter Golf spielen. Das bietet ihnen kein anderer Sport.“

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