Adolf Reichwein

Berufsschule feiert 120. Geburtstag des Namensgebers

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120 Ballons sind gestern an der Adolf-Reichwein-Schule in die Luft gestiegen. Zum 120. Geburtstag des Namensgebers wollte die Schulgemeinde damit dessen Botschaft nach außen tragen.

Der in Bad Ems geborene und 1944 in Berlin von den Nationalsozialisten ermordete Adolf Reichwein war ein engagierter Freiheitskämpfer. Die Limburger Adolf-Reichwein-Schule gedachte dem früheren Berufsschullehrer gestern früh anlässlich des 120. Geburtstages. 120 Luftballons mit guten Wünschen der einzelnen Schulklassen wurden um 9 Uhr in den Himmel geschickt.

Karin Uecker hatte die Idee zu dieser Aktion. Gerade in der heutigen Zeit sei es, so die Lehrerin, wieder wichtig, die Botschaft Adolf Reichweins nach außen zu tragen. Umso erfreuter war sie, dass sich spontan sämtliche Klassen der Schule an der Aktion beteiligten. Jede Klasse schrieb auf einen Zettel, was ihr an Werten wichtig ist.

Karin Uecker hatte vorher noch nie eine Luftballonaktion geplant und musste dafür sogar bei der Flugsicherung eine Sondergenehmigung beantragen. Die bekam sie aber problemlos. Die größere Schwierigkeit war, dass der Temperaturunterschied für die Ballons zwischen Schule und Außenluft nicht zu groß sein durfte, damit die drinnen vorbereiteten Ballons draußen nicht vor dem Abflug unansehnlich schrumpfen. So wurden die Ballons von den Lehrern in der ungeheizten Aula aufgeblasen. Trotzdem platzten einige vor dem offiziellen Start, so dass es am Ende eng wurde, 120 pünktlich zum Start der Aktion in der ersten großen Pause zur Verfügung zu haben.

Schulleiter Ralf Abel lobte die Aktion, da Reichwein sich als Pädagoge für berufliche Bildung starkgemacht und für Werte wie Frieden, Demokratie und Solidarität eingesetzt habe. Uecker hatte vergangenes Wochenende das Glück, drei noch lebende Kinder Reichweins bei der Aktion einer anderen hessischen Reichwein-Schule zu treffen, die extra aus Berlin angereist waren.

Die stellvertretende Limburger Reichwein-Schulleiterin Edith Müller meinte, sie finde es klasse, dass die sich mittlerweile auch schon im Rentenalter befindenden Kinder Reichweins ihrem Vater verziehen hätten, dass er für seine Widerstandsarbeit den eigenen Tod riskiert und damit die Familie ohne Vater zurückgelassen habe. Letztendlich dürfte sonst auch niemand zum Widerstandskämpfer werden, weil jeder, wie Müller meinte, ein privates Umfeld, Familie habe.

Dass nicht alle Menschen ein „gleicher Einheitsbrei“ sind, symbolisierten am Dienstag in Limburg ein paar orangefarbene Ballons unter den vielen in den Himmel steigenden weißen. Wie Karin Uecker berichtete, stand Adolf Reichweins Vorstellung von einer freien, selbstbestimmten, demokratischen Jugend zur nationalsozialistischen Erziehung mit Drill und blindem Gehorsam im krassen Gegensatz. Reichwein ließ sich von seiner Frau sogar „Edolf“ rufen, um auch die letzte Ähnlichkeit mit seinem Namensvetter Hitler auszumerzen.

Adolf Reichwein engagierte sich politisch zunehmend gegen den Diktator, wurde Mitglied der geheimen Widerstandsgruppe „Kreisauer Kreis“, die in enger Verbindung zur „Gruppe Stauffenberg“ stand. Von einem Spitzel wurde er aber verraten, landete am 4. Juli 1944 in einem Foltergefängnis, wurde am 20. Oktober wegen „Landesverrats“ zum Tode verurteilt und im Gefängnis Berlin-Plötzensee gehängt.

Dass sein Geist aber weiterlebt, zeigten die Wünsche der Limburger Reichwein-Schüler. „Gegen Mobbing, gegen Ausgrenzung“, stand auf den Ballonzetteln oder „das immer mehr Menschen gegen rechte Politik aufstehen“. Die Schüler wünschten sich auch, „dass wir uns für Schwächere einsetzen“, „dass jeder anders sein darf“ und man sich häufiger mal traue, gegen den Strom zu schwimmen. Adolf Reichweins geistiges Erbe soll in „seiner“ Limburger Schule dauerhaft weiterleben. So soll eine Dauerausstellung im Schulfoyer über den Namensgeber der Schule neuen Schülern direkt zeigen, für welche Werte die Limburger Adolf-Reichwein-Schule nach wie vor steht.

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