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Wilde Drogenszene in den City-Arkaden

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Von: Stefan Dickmann

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Die City-Arkaden an der Dr.-Wolff-Straße und der Grabenstraße in Limburg.
Die City-Arkaden an der Dr.-Wolff-Straße und der Grabenstraße in Limburg. © Stefan Dickmann

Ein Bürger beschwert sich bei der Polizei und Stadt Limburg in einem offenen Brief über die zunehmende Drogenkriminalität - und wird ernst genommen.

Limburg - Ein Bürger beschwert sich am Freitag in einem offenen Brief, unter anderem an die Stadt Limburg und die Polizei, über die zunehmende Drogenkriminalität in seiner Gegend - fünf Tage später gibt es ein Krisengespräch. Allein das zeigt, dass die Lage ernst ist und ernst genommen wird.

Der betroffene Bürger ist nach eigenen Angaben Eigentümer einer Wohnung in den City-Arkaden, und es gibt vieles, was ihn dort stört. Neben der Geräusch- und Geruchsbelästigung klagt er über zugeparkte Feuerwehrzufahrten, zugeparkte Garageneinfahrten und zugeparkte Radwege. Aber das, was ihn besonders beunruhigt, ist der "offensichtliche Drogenhandel" in den City-Arkaden. "Der Innenhof ist ein Drogenumschlagplatz geworden", schreibt er. "Dealer bieten ihre Waren im Schichtbetrieb an."

City-Arkaden in Limburg - "Ein permanentes Katz- und Maus-Spiel"

Die Polizei zeige zwar Präsenz, aber: "Auch die Razzien und Durchsuchungen bringen keine wirkliche Verlagerung oder Beendigung dieser Aktivitäten. Im Gegenteil: Dealer setzen gezielt Personen ein, die ,Schmiere' stehen. Wenn man in unsere Garage fährt, lugt immer ein bekannter Kopf aus der Tür und schaut, ob Kundschaft oder Polizei im Anmarsch ist." Die Folge seien "Sachbeschädigungen, Dreck, Vermüllung, streitende Drogenkonsumenten, kollabierende Teilnehmer, Schreierei, Aggressivität, bekotete Wände in der Garage und in Treppenhäusern, wildes Urinieren rund um unser Zuhause, Einbrüche in Kellerräume".

Die Polizei in Limburg kommentiert den offenen Brief auf Anfrage dieser Zeitung zurückhaltend und will sich erst nach dem für den heutigen Mittwoch anberaumten Gespräch mit dem Bürger dazu detaillierter äußern. "Uns ist die Situation bekannt, wir haben das im Auge und sind dort aktiv", sagt Polizeisprecher Christian Wiepen. Nun wolle die Polizei erst einmal das Gespräch mit dem Bürger abwarten.

Von einem "uralten Problem" spricht Professor Gerhard Schmelz aus Ennerich, der als Lehrbeauftragter an der Hessischen Hochschule für Polizei und Verwaltung in Wiesbaden unterrichtet, seit er im Ruhestand ist. Solange die Ursachen von Drogenkriminalität nicht bekämpft würden, werde es immer zu einer Verdrängung der Drogenszene kommen. "Das ist ein permanentes Katz- und Maus-Spiel, die Dealer stellen sich darauf ein", sagt er. Wichtig sei, dass die Polizei die Dealer von den Orten fernhalte, an denen sich regelmäßig Kinder und Jugendliche aufhalten, wie zum Beispiel den Bahnhofsplatz, weil dort die Züge und die Busse abfahren, aber auch in Wohnvierteln wie den City-Arkaden dürfe eine solche Szene niemals toleriert werden.

Polizei: Kampf gegen Drogenkriminalität in Limburg nur mit repressiven Maßnahmen nicht zu gewinnen

"Die Polizei muss und wird darauf reagieren", sagt er, "aber die Szene wird sich dann woandershin verlagern, und dann wird sich dort ein neuer Hotspot bilden." Die traurige Wahrheit sei nun einmal: Bei einem Bedarf an Drogen werde es immer Menschen geben, die versuchen, diese Nachfrage zu decken. Der Kampf gegen die Drogenkriminalität sei ein umfassender, nur mit repressiven Maßnahmen sei er nicht zu gewinnen. Es gehe dabei auch um soziale Fragen und um die Integration. Schmelz ist maßgeblich an der neuen Sicherheitsstudie über Limburg beteiligt, die im Herbst vorgestellt und Auskunft über das subjektive Sicherheitsgefühl der Limburger geben soll.

Auch die Stadt Limburg nimmt heute mit Vertretern an diesem Gespräch teil. Der Bürger hatte sowohl den Bürgermeister als auch den Leiter des Ordnungsamts angeschrieben. "Als Stadt sind wir bestrebt, im Rahmen unserer Möglichkeiten Lösungen zu finden und zur Verbesserung der Situation beizutragen", teilt auf Anfrage die Sprecherin der Stadt, Stefanie Kesper-Süß, mit.

Stadt Limburg registriert immer mehr Falschparker

Auf die Frage, ob die Parksituation an den City-Arkaden so extrem sei, wie vom Anwohner beschrieben, erklärt sie: "Es zeigt sich, dass sich mit Zunahme der aktuell vorhandenen Geschäfte und deren Dienstleistungsangeboten die Situation der Falschparker verstärkt hat." Dies habe zur Folge gehabt, dass die Mitarbeiter des Ordnungsamts dort häufiger kontrollieren. Aber: "Bisher konnte keine Gefährdung durch falsch abgestellte Fahrzeuge (Feuerwehrzufahrt) festgestellt werden, so dass ein Abschleppvorgang notwendig geworden wäre."

Zwischen dem 1. Mai und dem 31. Juli seien innerhalb der Arbeitszeiten der Hilfspolizeibeamten in der Dr.-Wolff-Straße 40 Verwarnungen ausgestellt worden, in der Konrad-Kurzbold-Straße 67 und in der Frankenstraße 57 Verwarnungen. "Bisher mussten keine weiteren Maßnahmen ergriffen werden", teilt die Sprecherin der Stadt weiter mit. "Somit gehen wir davon aus, dass das Verwarnungsgeld ausreicht, um wiederholtes Falschparken auszuschließen." Sie weist gleichwohl darauf hin, "dass wir lediglich innerhalb der Arbeitszeiten kontrollieren. Außerhalb der Zeiten ist die Polizei für Bürger und Bürgerinnen Ansprechpartner für falsch geparkte Fahrzeuge". (Stefan Dickmann)

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