Ellen Kamps (links) ist froh, sich wieder von Gabriele Stephan ("Gabriele's Mode") beraten lassen zu können.
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Ellen Kamps (links) ist froh, sich wieder von Gabriele Stephan ("Gabriele's Mode") beraten lassen zu können.

Corona-Lockerungen

Erstes Fazit zu „Click&Meet“ in Limburg: Besser als komplett geschlossen

  • vonRobin Klöppel
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  • Mariam Nasiripour
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Kunden und Gewerbetreibende freuen sich, dass der Einzelhandel in Limburg und Umgebung wieder geöffnet hat. Wie das Angebot, mit Termin zu shoppen, angenommen wird.

Limburg - Die heimischen Einzelhandelsgeschäfte dürfen seit dieser Woche endlich wieder für ihre Kunden öffnen. Jeder kann sich beim Geschäft seiner Wahl telefonisch oder auch per E-Mail unter dem Motto „Click & Meet“ einen Termin zum Einkaufen sichern und dann unter Einhaltung der aktuellen Hygienebedingungen für einen bestimmten Zeitraum stöbern. Wir haben uns bei heimischen Händlern und Kunden umgehört, wie sie diese Lockerung nach der wochenlangen Zwangsschließung finden.

Käufer wie Händler sind sich einig darüber, dass sie froh sind, dass endlich wieder direkt in den Läden ausgesucht und verkauft werden darf. „Ich finde das supergut, denn ich möchte den heimischen Einzelhandel unterstützen und nicht, dass alle nur noch übers Internet kaufen und die ganzen kleinen Läden verschwinden“, sagt Ellen Kamps, Stammkundin aus Wallmerod bei „Gabriele‘s Mode“ in Elz. Sie habe die vergangenen Wochen das Bummeln, die netten Gespräche und tolle Beratung sehr vermisst, so Kamps.

„ClickMeet“ in Limburg: Corona-Lockerungen beleben die Stadt

Der Ennericher Michael Uhl ist vor allem in Limburg in der Stadt, um auf dem Markt frisches Gemüse einzukaufen. „Aber für die Geschäftsleute ist es wichtig, dass wieder geöffnet werden darf“, sagt Uhl. Privat sei er eher der Typ vorsichtiger Mensch und halte sich aktuell noch zurück mit Einkaufsbummeln.

Gisela Hofmann, die sich einen halbstündigen Shoppingbummel im Limburger Bekleidungshaus „Vohl & Meyer“ ergattert hat, sagt: „Ich finde es gut, dass ich wieder in Limburg einkaufen kann. Ich habe das Leben in der Stadt vermisst.“

Marlies Moser aus Limburg findet es wunderbar, dass sie endlich wieder in den Geschäften schauen und bekommen könne, was sie haben wolle. "Und auch für die Geschäftsleute ist es natürlich sehr wichtig, dass sie wieder die Läden aufmachen können", so Moser.

„Click&Meet“ in Limburg: Nachfrage ist „noch übersichtlich“

Horst O. Hoppe, Vorsitzender des Limburger City Rings und Geschäftsführer des Bekleidungsgeschäftes "FC Factory Clothing", sagt, "Click & Meet" sei besser als nichts. Bisher sei die Zahl der Nachfragen und Terminvereinbarungen jedoch noch übersichtlich. Er bekomme einige Anfragen übers Handy rein, doch das sei noch lange nicht vergleichbar mit normalem Geschäft. Es fehle die offene Gastronomie als Anreiz, nach Limburg zum Einkaufen zu kommen. Was Hoppe bisher feststellt, ist aber, dass diejenigen, die Termine ausmachten, in der Regel auch kauften.

Gabriele Stephan, Inhaberin von „Gabriele‘s Mode“ in Elz, sagt, das Anmeldesystem werde in den ersten Tagen schon sehr gut angenommen. Vor allem von Stammkundinnen bekomme sie über Facebook, Whatsapp, die Webseite und telefonisch immer wieder Anfragen rein. Sie habe bereits 15 Anmeldungen für die kommenden zwei Wochen, gebe jeder Kundin ein Zeitfenster von einer halben Stunde zum Aussuchen und Anprobieren. „Die Lockerung hilft uns schon sehr“, sagt Stephan. Sie sei froh, wieder geregelte Abläufe im Geschäft zu haben, denn die Ware über Whatsapp und die Haustür zu verkaufen, sei doch mit einem sehr hohen zeitlichen Aufwand verbunden.

„Click&Meet“ in Limburg: Eine halbe Stunde Zeit zu shoppen

Pia Jorda berichtet aus ihrem Geschäft, „Pia‘s Schuhecke“ in Elz, dass es mit Terminbuchungen diese Woche schon sehr gut laufe. Sie gebe jedem Kunden eine halbe Stunde Zeit und sei täglich bis in den Abend hinein ausgebucht. Falls mal eine Lücke entstehe, lasse sie Kunden auch spontan rein, so Jorda.

Dirk Günther von „Betten Günther“ in Niederbrechen berichtet: „Viele Kunden haben es aus den Nachrichten erfahren, dass sie wieder in die Geschäfte dürfen.“ So habe er ohne Werbung schon zwölf Anfragen für diese Woche für ausführliche Beratungen hereinbekommen. Wenn noch Freiräume seien, könnten Interessierte auch spontan in Geschäft kommen, wenn sie ihre Kontaktdaten wie vorgeschrieben in die Liste eintragen würden. Das Personal und der Platz pro Kunde seien da, um fünf Kundengespräche gleichzeitig führen zu können.

Willi Schäfer, Geschäftsführer von „Expert Schäfer“ in Elz, meint zu seinen ersten Erfahrungen: „Es melden sich online und telefonisch einige Kunden. Es kommen nicht so viele, wie wenn normal offen wäre, aber so ist es besser, als komplett geschlossen.“ Interessenten an hochwertige Ware wollten diese vorher auch in Ruhe ansehen. Wer bei „Expert Schäfer „rein wolle, solle besser vorher anrufen, um auf der sicheren Seite zu sein, aber wenn gerade ein Berater frei sei, könne auch spontan jemand Einlass finden.

„Click&Meet“ in Limburg: Bekleidungshaus zu 50 Prozent ausgebucht

Dr. Simone Spranz von „Spranz Landhaus und Trachtenmoden“ in Limburg berichtet, dass einige Kunden sehnlichst auf die Wiedereröffnung gewartet härten, weil sie beispielsweise für einen besonderen Anlass wie eine Hochzeit Kleidung anprobieren wollten. Spranz ist zufrieden, dass wieder mehr geht, sagt aber auch, dass der Riesenandrang in der Altstadt noch fehle und die Kunden sicher erst wieder dran gewöhnen müssten, in Limburg einkaufen zu gehen. „Bei vielen ist immer noch eine Verunsicherung da.“, so Spranz.

Bei „Vohl & Meyer“ können die Kunden sich Termine über die Unternehmswebseite reservieren. „50 Prozent davon sind für die ersten Tage schon ausgebucht“, berichtet Geschäftsführer Martin Acht. Die anderen 50 Prozent könnten spontan an der Eingangstür gebucht werden. So werde beispielsweise die Zeit von 13 bis 14 Uhr nicht online angeboten, um Spontankäufe der Menschen in der Mittagspause zuzulassen. „Wir haben aber noch Luft nach oben“, sagt Acht. „Diejenigen, die Termine buchen, kaufen auch, aber viele sind auch noch zurückhaltend, weil ihnen das System zu kompliziert ist oder weil sie wegen Corona noch Bedenken haben.“

Corona-Lockerungen in Limburg: Ärger über ungleiche Behandlung

Was Acht kritisch sieht, ist, dass jedes Bundesland bei den Vorschriften sein eigenes Süppchen kocht. Es wanderten derzeit Limburg-Kunden teilweise nach Rheinland-Pfalz ab, weil dort wenige Tage vor der Landtagswahl schon ohne Voranmeldung eingekauft werden könne. Ebenfalls ärgert Acht, dass der Einzelhandel mit „Click&Meet“ einen mächtigen zusätzlichen Arbeitsaufwand hat, in Supermärkten aber niemand auf die Personenzahl im Raum und Abstände achte. „So wird auf dem Markt eine unfaire Situation erzeugt, denn die Großmärkte haben währen des Lockdowns ihr Bekleidungssortiment bewusst erhöht.“

Günther Steinke von der Limburger „Buchhandlung Schäfer“ ist froh, dass wieder Kunden rein können. Für den Buchhandel sei es wichtig, dass die Leser sich umschauen könnten. Es kämen viele altbekannte, aber auch neue Gesichter herein. Menschen, die erleichtert seien, dass die Geschäfte endlich wieder geöffnet sein dürften. Viele wüssten das noch nicht, sagt Steimke. Darum seien in der Buchhandlung bewusst Neuerscheinungen ins Schaufenster gestellt worden, um Passanten auf die Wiederöffnung aufmerksam zu machen. Derzeit sei es in Limburg aber immer noch ein eher zielgerichtetes Einkaufen. Mehr Menschen zum spontanen Bummeln kämen sicher erst her, wenn auch die Gastronomie wieder geöffnet sei.

„Click&Meet“: City Ring startet die Aktion „Limburg & Du“

Der City Ring und das Limburger Stadtmarketing haben ihre neue Aktion „Limburg & Du“, für eine Stadt voller Leben und einen vielseitigen Einzelhandel, gestartet. Mit dieser Kampagne sollen Kunden und sonstige Limburg-Gäste gezielt über die Presse sowie die Facebook- und Instagram-Kanäle auf alle Aktivitäten schrittweise hingewiesen werden, die die kommenden Wochen in Limburg nach und nach wieder möglich sein werden. Unter anderem können die City Ring-Mitglieder über die sozialen Medien und auf der City Ring-Homepage ihre „Click&Meet“-Anmeldemodalitäten veröffentlichen, um den Kunden das Einkaufen unter den aktuellen Bedingungen so einfach wie möglich zu machen.

Mitinitiator Martin Acht („Vohl & Meyer“) sagt, dass es nicht darum gehe, gleich wieder Menschenmassen in die Stadt zu locken, denn die Gewerbetreibenden lebten auch Verantwortung. Doch die Kundschaft solle sehen: „Wir sind wieder da und haben neue Marken.“ Die Menschen sollten Limburg endlich wieder mit allen Sinnen spüren. Emotionen sollten geweckt werden, um den Menschen wieder Lust auf das Erlebnis Innenstadt zu machen.

„Es geht darum, den Menschen wieder Lust auf Einkaufen zu machen“, erklärt City Ring-Vorsitzender Horst O. Hoppe. Die Bürger seien ja jetzt ein Jahr daheim eingepfercht gewesen. Die Kunden sollten langsam wieder in die Stadt kommen, sich umschauen und natürlich auch kaufen. Die Kampagne sei, erklärt Hoppe, auf sechs Wochen ausgelegt und solle die weiteren Schritte heraus aus dem Lockdown bis hin zur Wiedereröffnung der Gastronomie begleiten.

„Click&Meet“: Was bedeutet das eigentlich?

Was bedeutet „Click&Meet“? Die Geschäfte dürfen nach Voranmeldung wieder eine von der Ladengröße abhängige Zahl an Menschen zum Beraten lassen, Aussuchen, Anprobieren und Kaufen in ihre Geschäfte lassen. Anmeldemodalitäten und mögliche Einkaufsdauern sind verschieden, so dass sich ein Blick auf die Webseite des Geschäftes der Wahl oder ein Anruf vorher lohnt, um auch zum gewünschten Zeitpunkt Einlass zu bekommen. Auch wenn einige Geschäftsleute großzügig sind und spontane Kunden ohne Vorreservierung zulassen, wenn im Haus noch Platz für sie ist.

Beim Einlass in das Geschäft sollte man sich die Hände desinfizieren, eine Maske tragen und zudem die geltenden Abstandsregeln zu anderen Kunden und Verkäufern einhalten. Und man muss Namen, Anschrift und Telefonnummer in eine Liste eintragen, um Corona-Infektionsketten später nachvollziehen und mögliche Infizierte warnen zu können

Corona-Lockerungen: Shoppen ohne Termin im Nachbar-Bundesland

In Rheinland-Pfalz dürfen seit Montag die Menschen ohne Termin shoppen. Nach nur einer Woche „Click&Meet“ durfte der Handel seine Türen wieder regulär für den Kundenbetrieb öffnen. Das ist der dritte Öffnungsschritt des Perspektivplans von Bund und Ländern. Die weiteren Lockerungen beschloss die Landesregierung, weil die landesweite Inzidenz sieben Tage hintereinander unter 50 lag.

Wie der Gewerbeverein Diez mitteilt, wurde bereits das „Click&Meet“ von den Kunden gut angenommen. Sie hätten sich sehr darüber gefreut, wieder im Geschäft shoppen zu können. Und der Einzelhandel sei glücklich darüber gewesen, wieder Kunden empfangen zu dürfen. Noch mehr Freude herrsche bei den inhabergeführten Geschäfte aber darüber, wieder ganz normal öffnen zu dürfen.

Zu ihnen gehört Julianna Wilde von „Herzstück, Julianna‘s Deko- und Modeboutique“. Der Kundenzulauf sei gut verteilt und zufriedenstellend, sagt sie. Einen Kundenansturm habe sie nicht verzeichnet, aber das sei auch gut. So könne sie besser auf die Wünsche der Kunden eingehen und sie beraten. Außer den Stammkunden, habe sie auch viel Laufkundschaft in ihrem kleinen Geschäft an der Rosenstraße begrüßen können. Außerdem freue sie sich darüber, dass die Stadt wieder erwacht sei und Menschen durch die Straßen schlendern. (Miriam Nasiripour und Robin Klöppel)

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