Immer der Höhepunkt der Hessentags-Veranstaltungen: Der Umzug. Hier ist eine Gruppe aus Kirberg zu sehen, die mit historischer Kleidung in Weilburg im Jahr 2005 mit dabei war.
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Immer der Höhepunkt der Hessentags-Veranstaltungen: Der Umzug. Hier ist eine Gruppe aus Kirberg zu sehen, die mit historischer Kleidung in Weilburg im Jahr 2005 mit dabei war.

2027

Eine Chance für Limburg? Bewerbung zum Hessentag rückt näher

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Hessentag in Limburg – ist das möglich? Bürgermeister Hahn kann sich eine Ausrichtung in der Domstadt im Jahr 2027 vorstellen.

Limburg – In Limburg mehren sich die Zeichen, sich für die Ausrichtung des Hessentags zu bewerben. „Ich erkenne die Chancen in dem Projekt“, sagte Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) dieser Zeitung. „Wir prüfen das mit Hochdruck.“ Das Ziel sei es, noch vor dem Sommer politisch zu entscheiden, ob sich die Stadt als Ausrichter bewirbt. „Das Jahr 2027 ist ein realistisches Jahr für einen Hessentag in Limburg“, sagt der Bürgermeister.

Das letzte Wort haben die Limburger Stadtverordneten. Von ihnen ging auch im Juni dieses Jahres die Initiative aus, der Magistrat möge eine Bewerbung prüfen; die CDU-Fraktion hatte das als „Gemeinschaftsprojekt für unsere Heimat“ beantragt. Die FDP hätte schon im Sommer gern noch mehr Tempo gemacht und wollte erreichen, dass sich die Stadtverordneten bereits grundsätzlich für eine Bewerbung Limburgs aussprechen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Den gleichen vergeblichen Vorstoß hatten die Liberalen in Limburg schon im Oktober 2009 unternommen.

Hessentag in Limburg? Abschied von der Gigantonomie

Doch seitdem ist viel passiert. Die Innenstädte befinden sich schon seit vielen Jahren im zunehmenden Würgegriff des Online-Handels, Anfang vergangenen Jahres kam Corona mit Pandemie erzwungenen Geschäftsschließungen über Wochen und Monate hinzu. Die Kommunalpolitik hat erkannt, dass es massiver Anstrengungen bedarf, Innenstädte attraktiv zu gestalten und für diese zu werben, unter anderem auch mit einem einmaligen Hessentag.

Die Sozialdemokraten in Limburg waren bislang nicht dafür bekannt, mit der Hessentagsfahne in der Hand Seit' an Seit' voranzuschreiten. Zu groß war die Sorge, da werde ein Riesenaufwand für zehn Tage Hessentag betrieben, die Gäste sind dann wieder weg und die Stadt sitzt finanziell auf einem dicken Minus.

Doch der Limburger Bürgermeister, der einer Hessentags-Bewerbung auch zunächst skeptisch gegenüber stand, hat seine Meinung inzwischen geändert. Spätestens nach einem Gespräch mit der hessischen Staatskanzlei. Die machte ihm deutlich, dass das Prinzip „höher, schneller, weiter“ für den Hessentag nicht mehr gilt. Diese Abkehr von einer ohnehin nicht mehr in die Zeit passenden Gigantomanie verbunden mit der Hybris, musikalische Weltstars in die hessische Provinz locken zu müssen, hat Bürgermeister Hahn positiv vernommen. Das gilt auch für das deutliche Signal der Staatskanzlei, wie sehr sie sich über eine Bewerbung der Stadt Limburg für den Hessentag freuen würde.

Was aber für die Stadt noch viel entscheidender ist: Welche nachhaltigen Effekte hat ein Hessentag? Auch darüber ist nach Hahns Angaben schon gesprochen worden. Dabei rückt offenbar die weitere ökologische Umgestaltung des ÖPNV in Limburg in den Blickpunkt. Die bereits von der Stadt angestoßenen Maßnahmen wie unter anderem die Modernisierung des Anrufsammeltaxis durch den Lahn Star könnten durch einen Hessentag deutlich gepusht werden - was also mittelfristig umgesetzt werden soll, könnte viel schneller Wirklichkeit werden, und was vielleicht noch nicht finanzierbar wäre, könnte es mit einem Hessentag auf einmal sein.

Vielleicht ermöglicht ein Hessentag der Stadt, für die eigene Stadtlinie Wasserstoffbusse kaufen zu können. Da die Gäste des Hessentags, die mit dem Auto anreisen, nicht zu einem Verkehrsinfarkt in der Innenstadt beitragen sollen, werden sie vermutlich am Stadtrand parken und mit E-Bussen oder Wasserstoffbussen in die Innenstadt gebracht. Dieses Konzept könnte auch nach dem Hessentag fortgesetzt werden.

Zumindest ein mögliches Infrastrukturprojekt, das einen gewissen Charme versprüht, scheint dagegen vom Tisch zu sein: der Bau einer Seilbahn vom ICE-Gebiet in die Innenstadt mit allerschönstem Blick auf Dom, Altstadt und Lahn. Die Idee ist nicht neu, taucht immer wieder kurz auf und verschwindet wieder in der Versenkung. Eine solche Seilbahn sei wirtschaftlich nicht zu betreiben, erklärt Hahn. Das sei alles bereits intensiv geprüft worden.

Nachhaltige Idee für einen Hessentag in Limburg – Schrägaufzug für den Schafsberg?

Aber eine andere nachhaltige Idee könnte aus seiner Sicht mit einem Hessentag Wirklichkeit werden: ein Schrägaufzug am Schafsberg. Den könnten während des Hessentags die Besucher nutzen, um auf einer neuen Besucherplattform den Blick auf die Stadt zu genießen. Und nach dem Volksfest wäre er für die Beschäftigten des Krankenhauses, von denen viele auf dem Marktplatz parken und dann zu Fuß den Schafsberg hochlaufen, eine deutlich bequemere und in der dunklen und kalten Jahreszeit vor allem bessere Methode, zum Krankenhaus zu kommen.

„Ich habe mittlerweile die Überzeugung gewonnen, wenn wir das gut machen, können wir das hinkriegen“, sagt Hahn. Natürlich sei eine Bewerbung ein „Riesenhauruck für die gesamte Stadtverwaltung“, und deshalb werde es ohne Hilfe von außen nicht gehen. Doch alles sieht nach einer klaren Empfehlung an die Stadtverordneten aus, den Hessentag nach Limburg zu holen.

Zuvor gilt es allerdings, noch ein Problem zu lösen - den Zeitpunkt für den notwendigen Neubau der Lichfieldbrücke. Dieses Bauprojekt wird vier bis sechs Jahre in Anspruch nehmen. Klar ist: Es gibt einen Hessentag in Limburg nur vor Beginn dieses Mammutprojekts - oder eben erst danach. Der Bürgermeister strebt einen Hessentag noch vor dem Neubau der Brücke an.

Der Baubeginn sei bislang im Jahr 2026 vorgesehen, teilt die Sprecherin von Hessen Mobil, Sonja Lecher, mit. „Wir haben gehört, dass die Stadt eventuell einen Hessentag durchführen will, aber bisher noch keine konkreteren Informationen dazu. Wir gehen davon aus, dass die Stadt auf uns zukommen wird, sobald sie genauere Vorstellungen hat.“ (Stefan Dickmann)

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