Nach Beschluss des Bundesrats

Unmut über drohende Fahrverbote: Tausende Biker protestieren – „Schwachsinn-Unsinn“

Vernünftige Motorradfahrer sollten nicht bestraft werden. Fans aus der Region um Limburg plädieren aber dafür, technische Voraussetzungen einzuschränken.

Limburg - Mögliche Fahrverbote für Motorräder in bestimmten Fällen an Sonn- und Feiertagen schlagen auch in der heimischen Region hohe Wellen. Die Freunde der Motorradmarken BMW, Yamaha, Kawasaki oder Harley Davidson protestieren gegen einen Beschluss des Bundesrats, der aus Lärmschutzgründen "dringenden Handlungsbedarf" sieht. Daher haben sich auch viele heimische Motorradfahrer an der großen Demo zu diesem Thema in Wiesbaden* am vorvergangenen Wochenende beteiligt. Großdemos gab es auch in vielen anderen Städten wie Berlin oder München - mit insgesamt mehreren Zehntausenden Teilnehmern.

Die Länderkammer will sich dafür einsetzen, dass die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge begrenzt werden. Künftig soll ein Maximalwert von 80 Dezibel gelten, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkws oder eines Rasenmähers entspricht. Sie möchte zudem , dass Polizisten Fahrzeuge bei "gravierenden Lärmüberschreitungen" sofort sicherstellen dürfen und Tuning härter bestrafen, wenn das Motorrad dadurch erheblich lauter wird. Umstrittenster Punkt des Bundesratsbeschlusses, der an die Bundesregierung gegangen ist, ist aber das Ermöglichen von beschränkten Motorrad-Fahrverboten an Sonn- und Feiertagen.

Limburg: Biker protestieren gegen drohende Fahrverbote - Lärmreduzierung ist möglich

Diese nennt Jörg Meyer "Schwachsinn-Unsinn". Er fährt nicht nur täglich Motorrad, Meyer hat auch eine eigene Motorradwerkstatt in Dornburg-Frickhofen. Die Lärmreduzierung nennt er im Gegensatz zu den Fahrverboten "angebracht". Als Fachmann kann er gut einschätzen, ob ein Sound regelkonform ist oder nicht. Letzteres geht unter anderem durch eine Manipulation am DB-Killer. Dabei handelt es sich um einen Zusatz im Auspuff, der die Lautstärke reduziert und der sich locker entfernen lässt.

"Eine Schraube ab, fertig", sagt Jörg Meyer. Dann habe die Maschine mehr PS "und ist auch lauter als die erlauben 98 Dezibel". Daher müsste der DB-Killer aus seiner Sicht angenietet sein, damit er sich nicht so leicht entfernen lässt.

An dieser Stelle des Motorrad-Auspuffs sitzt der DB-Killer. Dieser müsste nach Meinung von Jörg Meyer aus der Region Limburg fest vernietet werden.

Limburg: Protest gegen mögliches Fahrverbot - Nicht alle wegen "ein paar schwarzen Schafen" bestrafen

Einer, der sein Motorrad verkaufen will, wenn es zu einem Fahrverbot kommt, ist Holger Thiel. Er fährt eine BMW ist einer der Sprecher der "Flaming Stars". Dies ist eine Gruppierung von Motorradfahrenden Feuerwehrleuten aus dem Landkreis Limburg-Weilburg. Die "Flaming Stars" gibt es seit neun Jahren und mittlerweile haben sich 45 Frauen und Männer der Gruppe angeschlossen.

Für Holger Thiel ist Motorradfahren ein Hobby fürs Wochenende. Seiner Meinung nach können nicht alle wegen "ein paar schwarzen Schafen" bestraft werden. Zudem verursachten auch einige Autobesitzer, die ihr Fahrzeug getunt haben, viel Lärm.

Nichts von einem Sonn- und Feiertags-Fahrverbot hält auch Peter Stimper aus Hadamar-Steinbach, selbst Besitzer von 13 Motorrädern und Mitglied des "MC Roadrunners" in Steinbach. Der Fachmann berichtet, dass es Möglichkeiten gebe, mit einem Schalter, "den kein Polizist sieht", eine Klappe zu betätigen, die ein Motorrad vor der Kontrolle sofort leiser mache. Dort sollte der Gesetzgeber tätig werden.

Limburg: Fahrverbot nicht überzeugend - Polizei: "Kontrollen sind zielführender"

"Die technischen Voraussetzungen einschränken." Dieser Meinung ist auch der Leiter der Polizeidirektion Limburg-Weilburg, Frank Göbel. Ein Fahrverbot überzeugt ihn auch nicht. Er plädiert für mehr Kontrollen, die seiner Einschätzung nach zielführender sind. "Ansonsten werden auch die vernünftigen Motorradfahrer bestraft."

Eine der im heimischen Raum bekanntesten Biker-Strecken ist das Gelbachtal zwischen Montabaur und Weinähr. Die wunderschön gelegenen, kurvenreichen 25 Kilometer sind bei vielen Zweiradfahrern beliebt. "Vor allem sind es die mit den Kennzeichen WW, EMS oder LM", berichtet Karl Ortseifen. Der Ortsvorsteher von Ettersdorf, einem kleinen Ort im Gelbachtal kann das beurteilen. Der pensionierte Polizist sieht die gesamte "Motorradzunft durch ein paar Gedankenlose in Misskredit gebracht". Auch er ist gegen ein pauschales Streckenverbot.

"Vielmehr muss schneller und lauter sanktioniert werden", fordert Ortseifen. Gerade wenn Motorradfahrer auf ihrer "Hausstrecke" fahren, seien dem Leichtsinn oft Türen und Tore geöffnet. Daher seien auf der Strecke im Gelbachtal auch weit weniger Motorradfahrer mit auswärtigem Nummernschild an Unfällen beteiligt als heimische. (*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

Rubriklistenbild: © Klaus-Dieter Häring

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