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Verantwortliche des Bistums führten die Prozession mit der Kreuzreliquie vom Dom zur Stadtkirche an.

Katholische Kirche

Bischof Georg Bätzing vom Missbrauchsskandal „tief getroffen und beschämt“

Die Empörung über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche hat gestern auch das Kreuzfest in Limburg geprägt. Bischof Georg Bätzing fand vor den Besuchern deutliche Worte.

Blauer Himmel und rund 400 gut gelaunte Besucher, im übertragenen Sinne aber auch dunkle Wolken und tatsächlich viele besorgte Gläubige: Das war gestern die Szenerie beim traditionellen Kreuzfest des Bistums, das Abschluss und Höhepunkt der 60. Kreuzwoche bildete.

Die Ergebnisse der Studie zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker in der katholischen Kirche hätten ihn tief getroffen und beschämt, sagte Bischof Dr. Georg Bätzing. „Hinter der Zahl von 3677 betroffenen Opfern stehen 3677 einzelne Schicksale von Kindern und jungen Menschen, die durch Priester unter Ausnutzung ihrer geistlichen Macht zutiefst verletzt und oft für ihr Leben lang verwundet worden sind. Diesen einzelnen Menschen gebührt unsere ganze Aufmerksamkeit“, sagte er. Der Oberhirte forderte, die Maßnahmen in der Prävention weiter auszubauen, damit Kinder und junge Menschen im Raum der Kirche sicher leben und sich entfalten können.

Die in der vergangenen Woche vorgelegte Studie zeige auch, wie diese Verbrechen über lange Zeit fälschlicherweise abgewiegelt, verharmlost und vertuscht worden seien, um vorgeblich „Schaden“ von der Kirche abzuwenden. „Heute wissen wir, es wird nicht mehr weiter gelingen; und es ist vom Bösen, wenn auf diese Weise Aufmerksamkeit und Ressourcen den Opfern vorenthalten werden“, stellte Bätzing klar. Es bewahrheite sich hier das Wort Jesu, dass die Kirche und ein Glaube, der sich retten und nicht verlieren will, am Ende alles verliere. Dies sei schon erkennbar, denn die Kirche habe Glaubwürdigkeit, Respekt und das Zutrauen der Öffentlichkeit, dass sie im Stande ist, die dunklen Seiten verantwortlich aufzuarbeiten, verloren.

„Ich bin überzeugt, das wird kein Schaden sein, sondern ganz im Gegenteil eine Chance, uns näher bei unserem Herrn und seinem Auftrag wiederzufinden“, sagte der Bischof.

Das Ringen und die Konfrontation mit der Wahrheit, mache wirklich frei. Dies zeige auch der Blick auf das Evangelium des Tages (Vgl. Joh 8,32). Petrus habe sein Bild vom Messias und von sich selbst als Jünger gehabt. Es habe die Ermahnungen und Demütigungen Jesu gebraucht, damit Petrus wirkliche Einsicht in die Wege und Weisheit Gottes gewinnen konnte. „Glaube ohne Passion ist kein christlicher Glaube. Sich auf der Seite der Macht und des Erfolgs sehen zu wollen, ist ein Egoismus, der mit echter Nachfolge unvereinbar ist. Ohne Erstaunen, ohne Erschrecken, ohne innere Erschütterung findet vermutlich niemand wirklich in die Nachfolge Jesu hinein“, so der Bischof. Der Glaube nehme einen stets in die Schule. Wer zur Kirche Jesu Christi dazugehören will, müsse sehen und einsehen lernen, was auch die Christen der ersten Stunde unter Mühen, Tränen und Enttäuschungen hätten lernen müssen. Gott offenbare seine Weisheit und Allmacht nicht in Sturm und Weltrevolutionen, sondern im Kreuz des Erlösers. „Glauben wir nur nicht, dass es den ersten Christen leicht gefallen ist, im schrecklich schändlichen Kreuzestod ihres Herrn irgendetwas Gutes zu entdecken. Es hat Zeit und göttliche Hilfe gebraucht, bis das Holz des Kreuzes angefangen hat zu leuchten wie eine Kostbarkeit; bis aus dem Folterinstrument ein Heilszeichen geworden ist, das man schmücken und verehren wollte, so wie wir es heute tun“, sagte Bätzing.

Das traditionelle Kreuzfest im Bistum Limburg könne Art Sehschule sein. „Wir wollen die Wirklichkeit dieser Welt und der Kirche und unseres Lebens so betrachten, bedenken und erspüren, bis sie uns an den Brunnenpunkt führt, an dem sie aus Gott herausströmt. Denn Gott ist das ,Mehr‘ in unserem Leitwort ,Mehr als du siehst’‘ Im Zeichen des Kreuzes und geborgen unter seinem Schutz möge er uns führen und zu seiner Kirche umgestalten“, so Bätzing zum Abschluss der Kreuzwoche.

An sieben Thementagen haben sich mehrere tausend Gläubige mit verschiedenen Facetten der Kirchenentwicklung beschäftigt. Das Kreuzfest wurde in diesem Jahr zum ersten Mal im Bischofsgarten in Limburg gefeiert. Es griff das Motto „Mehr als du siehst“ der Kirchenentwicklung auf und bot zahlreiche Programmpunkte wie ein Improvisationstheater zum Thema, verschiedene Mitmachaktionen und Austauschmöglichkeiten sowie weitere Angebote für Jung und Alt.

Der Ursprung von Kreuzwoche und Kreuzfest liegt im Jahr 1959. Bischof Dr. Wilhelm Kempf ging es dabei um die Stiftung von Identität in einem jungen Bistum. Er wollte Einheit und Vielfalt, Zentrum und Peripherie der jungen Diözese zusammenbinden.

(red)

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