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Diesen Weg nehmen die Besucher des Diözesanmuseums in die ehemalige Bischofswohnung. Dahinter die Kapelle.

225 000 Euro teure Umgestaltung

Limburg: Ehemalige Bischofswohnung wird zum Museum

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Ab Frühjahr soll die ehemalige Bischofswohnung als erweiterter Teil des Diözesanmuseums für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Die Umgestaltung ist fast abgeschlossen.

Limburg - Es war der Skandal nach dem Skandal. Dem großen folgte ein kleiner, aber der bot aufgrund der Vorgeschichte viel Zündstoff und führte zum Baustopp und zum unrühmlichen Abgang des langjährigen Diözesanbaumeisters.

Nun ist Ruhe eingekehrt am Bischofshaus; im übertragenen und im wörtlichen Sinn. In der vergangenen Woche ist das Gerüst abgebaut worden. Endlich, nach einem Jahr. Passanten erkennen jetzt auch das ominöse Glasdach, das einen Teil der Terrasse in Richtung Diözesanmuseum überschirmt – aber keinen Übergang zum Gebäude, wie wohl die meisten gedacht haben.

Blick in das Wohn- und Esszimmer, in dem künftig Exponate ausgestellt werden. Dahinter (l.) eine Küche und das Arbeitszimmer mit Durchgang zur Kapelle.

„Wir sind bald fertig“, erläutert der neue Diözesanbaumeister Stefan Muth bei einem Ortstermin mit dieser Zeitung. In den nächsten Wochen muss noch die Sicherheitstechnik erneuert werden; darauf hat die Versicherung wegen der neuen Nutzung bestanden. Dann kann der im Erdgeschoss gelegene Teil der ehemaligen Bischofswohnung vom Diözesanmuseum genutzt werden. Mit der Eröffnung der Frühjahrsausstellung (Ende März oder im April) werden die neuen Museumsräume für die Öffentlichkeit zugänglich sein.

Das teure Glasdach schützt einen Teil der Terrasse.

Die auf insgesamt 225 000 Euro gedeckelten Kosten für die Umgestaltung werden nicht überschritten, sagt Bistumssprecher Stephan Schnelle auf Anfrage.

Die Umgestaltung hätte beinahe 485 000 Euro verschlungen. Als diese Summe im März 2018 bekannt wurde, verfügte das Bistum einen Baustopp und feuerte den Verantwortlichen. Im Juni einigte sich das Bischöfliche Ordinariat (BO) vor dem Arbeitsgericht mit dem Diözesanbaumeister auf einen Vergleich.

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Die Führungskraft habe gravierend gegen eindeutige Regeln des BO verstoßen, so der Richter, indem er eigenmächtig einen Architektenvertrag abgeschlossen und zwei Handwerker beauftragt hatte. Das BO trage jedoch eine erhebliche Mitschuld; spätestens Anfang 2018 hätte das Baugerüst auffallen müssen.

50 000 Euro waren geplant

Nach Angaben des für die Bauverwaltung verantwortlichen Finanzdezernenten Gordon Sobbeck sollte die Umgestaltung nach Wunsch der Bistumsleitung weniger als 50 000 Euro kosten. Damit hätte man die Auflagen der Baugenehmigung und der Versicherungen erfüllen können; mehr sei nicht gewollt gewesen. Später bewilligten die Verantwortlichen 100 000 Euro, um mit geringen Mitteln lediglich die Auflagen zu erfüllen, im Sommer legten sie als obere Grenze 225 000 Euro fest.

In der Fernsehecke ein wertvolles Fenster von Johannes Schreiter, der auch die Glas-Kunstwerke in der Kapelle gestaltet hat. Rechts: Keine schöne Aussicht. . .

Alles konnte freilich nicht mehr rückgängig gemacht werden, wie der Auftrag für die beiden maßgefertigten Scheiben für das Glasdach, die in der Vorwoche angebracht wurden. Das erforderte großen Aufwand. Erst musste die obere Natursteinabdeckung ab, dann die Konsolen, welche die Glasscheiben halten, neu eingesetzt und angedichtet werden. Schließlich kam die Abdeckung wieder drauf und musste neu angepasst werden. Wenn es nicht mehr ganz so kalt ist, werden die Glasscheiben noch versiegelt.

Die anspruchsvoll ausgestattete Wohnung bleibt fast unverändert. Immerhin kann das wandbreite Regal im Arbeitszimmer (mit Zugang zur Kapelle) für Ausstellungszwecke gut genutzt werden und vielleicht macht ja auch mal einer für die Besucher den Kamin an.

Kommentar:

Man könnte richtig froh sein über das neue Bischofshaus und die sanierten Nebengebäude – wenn man die Kosten und die Vorgeschichte ausklammert. Das vorher heftig umstrittene und nachher skandalumwitterte Projekt wertet den Domberg auf. Alles in allem ein eindrucksvolles Ensemble und architektonisches Juwel. Dieses Empfinden wird irgendwann einmal hängen bleiben.

Es bringt nichts, ewig den Fehlern der Vergangenheit nachzutrauern. Aber auch sechs Jahre nach der Fertigstellung zeigt sich, wie schwer sich das Bistum mit diesem Tebartz-Erbe tut. Der Amtssitz des Bischofs in der Alten Vikarie und das ehemalige Schwesternhaus sind davon ausgenommen; beide Objekte erfüllen ihren Zweck. Doch das Konzept für den sündhaft teuren Neubau ist nur eine schlechte Notlösung – und das hängt mit der Bischofswohnung zusammen.

Ich habe Verständnis für die Entscheidung von Georg Bätzing, dort nicht einziehen zu wollen. Der Entschluss sollte bei seinem Amtsantritt auch Symbolkraft haben; der neue Oberhirte wollte sich vom „Protz-Bischof“ distanzieren. Außerdem entsprechen die anspruchsvoll und mit allem technischen Schnickschnack ausgestatteten Räume wohl nicht seinem Stil. Und: Das schöne Ambiente endet beim Blick aus den Fenstern. Aus den meisten schaut man unmittelbar auf dicke Mauern. Wie in einem Gefängnis.

Gefangen ist dadurch die Bistumsleitung, die nun einen Teil der Wohnung für das benachbarte Diözesanmusum nutzen und so der Öffentlichkeit zugänglich machen will. Das ist besser als sie leerstehen zu lassen – auch wenn die Räume mit wertvollem Parkett für den Publikumsverkehr eigentlich ungeeignet sind. Gut, dass die ursprüngliche Privatkapelle auf Wunsch des Bischofs demnächst ebenfalls für Besucher offen sein wird.

Das ist ein wichtiges Signal in die Zukunft, nachdem die Begleitumstände der ergänzenden Arbeiten am Bischofshaus in den vergangenen Monaten nahtlos an die unrühmlichen Eskapaden anknüpften. Der zunächst entlassene und dann mit einem Vergleich abgefundene Diözesanbaumeister hatte gewiss Recht mit seinem Argument, dass die von ihm eigenmächtig in Auftrag gegebenen Arbeiten für 485 000 Euro gegenüber den Gesamtkosten von 31 Millionen nur ein Klacks sind. Aber selbst die auf 225 000 Euro ge deckelten Ausgaben sind für das Ergebnis noch zu viel. Die Sicherheitstechnik musste erneuert werden, keine Frage. Warum das viel diskutierte Glasdach installiert worden ist, erschließt sich dem Betrachter allerdings nicht.

Ich bin davon ausgegangen, dass der kurze Weg vom Museum zur neuen Dependance überdacht werden sollte. Dem ist nicht so. Die Besucher müssen gegebenenfalls durch den Regen gehen – dafür können die Raucher auf der Terrasse im Trockenen qualmen oder einen Kaffee trinken. Muss das sein?

Diese vermeintliche Kleinigkeit demonstriert, wie wenig Fingerspitzengefühl die (ehemaligen) Verantwortlichen manchmal beim Geldausgeben hatten. Die Kirche hat’s ja. Bald auch eine teure Raucherecke.

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