Stephan Schnelle (r), Pressesprecher des Bistums Limburg, spricht am 09.02.2017 vor dem Bischöflichen Ordinariat in Limburg (Hessen) mit Medienvertretern.  Gegen einen Mitarbeiter des Bistums laufen Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Besitzes von Kinderpornografie. Foto: Thomas Frey/Thomas Frey/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Stephan Schnelle (r), Pressesprecher des Bistums Limburg, spricht am 09.02.2017 vor dem Bischöflichen Ordinariat in Limburg (Hessen) mit Medienvertretern. Gegen einen Mitarbeiter des Bistums laufen Ermittlungen wegen des mutmaßlichen Besitzes von Kinderpornografie. Foto: Thomas Frey/Thomas Frey/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Bischof: Betroffen auf Kinderpornografie-Vorwürfe

Bistum Limburg steht unter Schock

  • Joachim Heidersdorf
    VonJoachim Heidersdorf
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Bischof Bätzing reagierte gestern sehr betroffen auf die Kinderpornografie-Vorwürfe gegen seinen Büroleiter. Das Bistum hat Fotos von einem Gutachter prüfen lassen und die Führungskraft danach freigestellt. Die Auswertung der Datenträger wird mehrere Wochen dauern.

Die Katholiken in der Region stehen unter Schock. Und viele andere sind ebenso fassungslos. Die Menschen können nicht glauben, dass der Büroleiter von Bischof Georg Bätzing Kinderpornos auf seinem Dienst-PC im Bischofshaus und auf anderen Datenträgern gespeichert haben soll.

Bis sie ausgewertet sind, laufen die Ermittlungen der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) wegen eines Anfangsverdachts. Die Untersuchungen der Sondereinheit der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt werden wohl mehrere Wochen in Anspruch nehmen. ZIT-Pressesprecher Georg Ungefuk ließ gestern Abend offen, wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist. „Eine sichere Auskunft zur Dauer der Datenträgerauswertung lässt sich derzeit nicht treffen. Diese ist in jedem Einzelfall unterschiedlich und hängt von dem Datenvolumen, dem Zustand der Datenträger sowie von dem Erfordernis etwaiger Entschlüsselungsmaßnahmen ab“, sagte der Oberstaatsanwalt. Er bestätigte, dass bei Hausdurchsuchungen in Limburg ein PC, zwei Laptops, ein Tablet und diverse Speichermedien (CDs und USB-Sticks) sichergestellt worden sind. Über Menge und Inhalt wollte sich Ungefuk ebenso wenig äußern wie über die Einsätze und Details der Ermittlungen. Nur so viel: „Wir sind im Zusammenhang mit einem anderen Verfahren einem Hinweis aus dem Datennetz nachgegangen. Die IP-Adresse mussten wir dann einem Tatverdächtigen zuordnen; dabei hat uns das Bistum sehr unterstützt.“ Der Betroffene habe keine Angaben zu den Vorwürfen gemacht.

Die Spezialisten haben wochenlang verdeckt ermittelt, bis sie den Beschuldigten am Mittwoch überraschten. Die Strafverfolger durchsuchten zeitgleich die Büros des 55-Jährigen im Bischofshaus und im Priesterseminar sowie seine Wohnung in einem Limburger Stadtteil. Verantwortliche im Bischöflichen Ordinariat (BO), so unsere Recherchen, haben einen Teil der Fotos von einem Gutachter prüfen lassen, anschließend sofort reagiert und die Führungskraft freigestellt.

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Kein Kontakt zu Kindern

Bistumssprecher Stephan Schnelle blieb in einer Pressekonferenz bei den Fragen der vielen Journalisten nach der Funktion des Mannes hart: „Es ist ein Mitarbeiter der Diözese; mehr werden wir nicht sagen.“ Nach dem Bericht dieser Zeitung war freilich klar, um wen es sich handelt. Auch Beschäftigte der Kirchenverwaltung zeigten sich tief erschüttert. Der Theologe und Kirchenrechtler nimmt nicht nur als Büroleiter und enger Vertrauter des Bischofs eine herausragende Stellung im Bistum ein: Er ist Domdiakon, Richter am bischöflichen Ehegericht und Ausbildungsleiter der Diakone. Auch die AG Ständiger Diakonat in Deutschland zeigt sich in einer Pressemitteilung bestürzt über die Ermittlungen. Der Beschuldigte war seit Januar 2015 gewählter 1. Vorsitzender der Geschäftsführenden Ausschusses in der Arbeitsgemeinschaft. Diesen Vorsitz hat er bereits mit sofortiger Wirkung am 03. Februar 2017 abgegeben.

Bis die Ermittlungen abgeschlossen seien, gelte die Unschuldsvermutung, betonte Schnelle. Das Bistum werde sich aktiv an der Aufklärung des Falles beteiligen und dabei eng mit den staatlichen Stellen zusammenarbeiten.

Der Bischof habe sehr betroffen auf die unerfreulichen Schlagzeilen reagiert, sagte Schnelle, werde aber keine Stellungnahme abgeben. Der Deutschen Presseagentur sagte Bätzing am Telefon: „Uns ist daran gelegen, dass das aufgeklärt wird, das ist das Allererste. Es geht uns nicht ums Bistum und Ruhe oder Unruhe, sondern hier geht es darum, wenn da etwas dran ist, es aufzuklären und dann, wenn es strafbar ist, muss es bestraft werden.“

In seiner aktiven Funktion habe der Mann keinen Kontakt zu Kindern und Jugendlichen gehabt, erläuterte Schnelle, früher schon. Die Koordinierungsstelle für Prävention werde sich nun mit der Vergangenheit beschäftigen; bislang gebe es noch keinen Kontakt zu möglichen Opfern. Der Opferschutz stehe für die katholische Kirche an erster Stelle, dem Beschuldigten werde therapeutische und pastorale Hilfe zuteil werden.

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