Prekäre Situation

Caritats fordert billigere Wohnungen für Limburg

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Die Zahl der Sozialwohnungen im Kreis Limburg-Weilburg ist massiv gesunken. Für die Caritas ist das aber nicht der einzige Grund, auf die Wohnungsnot hinzuweisen.

Mit einer Aktion gegen Wohnungsnot hat die Caritas gestern in Limburg auf die Probleme vieler Menschen der Region aufmerksam gemacht, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Dafür hatte sie am späten Vormittag auf dem Europaplatz extra eine Wohnung aufgebaut. Harry Fenzl, Fachdienstleister Wohnungslosenhilfe, sprach von einer prekären Situation in der Stadt Limburg und auch im Landkreis Limburg-Weilburg

Dies belege eine Studie des Institutes Wohnen und Umwelt. „Demnach ist die Zahl der Sozialwohnungen im Landkreis von 2777 (4,8 Prozent des Wohnbestandes) im Jahr 1987 auf 770 (0,9 Prozent) zurückgegangen“, sagt Fenzl. Bis 2030 werde sie durch den Auslauf von Sozialbindungen noch mal um 140 auf dann 630 Wohnungen abnehmen. In der Stadt Limburg hätten 1987 noch 1461 Wohnungen (12,5 Prozent de Wohnungsbestandes) einer Sozialbindung unterlegen. Bis 2016 sei deren Zahl dann auf 354 (2,1) gesunken.

Die Studie beschreibe ausführlich, so der Caritas-Vertreter, wie schwierig es für Bürger sei, angemessenen Wohnraum zu finden, wenn sie auf soziale Transferleistungen angewiesen seien. Aber auch viele normalverdienende Bürger könnten sich keine anständige Wohnung in Limburg mehr leisten, sagt Fenzl. Es gehe nicht nur um drohende Obdachlosigkeit, sondern auch darum, dass viele Menschen in viel zu engen Wohnungen leben müssten, da größere nicht bezahlbar seien. „Wer genug Geld hat, bekommt in Limburg sicher keine Probleme“, sagt der Fachmann. Andere dagegen hätten das Nachsehen. Das könne zu einer Spaltung der Gesellschaft führen, befürchtet Fenzl.

Wohnraum zu haben müsse ein Menschenrecht sein. Niemand sei zuzumuten, längerfristig in Behelfsunterkünften hausen zu müssen. Jeder brauche Privatsphäre, sein eigenes Bad und seine eigene Toilette. Eine Wohnung sei wie eine zusätzliche Schutzhaut, glaubt Fenzl. Das Problem der Wohnungsnot zu lösen gehe alle an, ist er überzeugt. Das könne weder die Politik noch die Wirtschaft oder die Zivilgesellschaft alleine lösen. „Wir brauchen ein ,Bündnis für Wohnraum‘“, betont Harry Fenzl.

Max Prümm, Geschäftsführer der Caritas für den Bezirk Limburg, erklärt, dass sich die Caritas ihrer Verantwortung bewusst sei und in Zukunft in der Region zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen werde. Fenzl ergänzt, dass es nicht immer nur um das Bauen neuer Wohnungen gehe, sondern auch darum, wie leerstehender Bestand künftig sinnvoll neu genutzt werden könne. Der Fachbereichsleiter sprach sich dafür aus, Wohnungen für sozial Schwächere nicht an wenigen Punkten der Stadt zu konzentrieren. Der Wohnungsmix in den Stadtteilen müsse stimmen, um keine neuen sozialen Brennpunkte zu schaffen.

Prümm sagt aber auch, dass es nicht nur ein Problem in zentralen Orten wie Limburg mit zu wenig Wohnraum gebe. Es gebe im heimischen Kreis auch in ländlicheren Orten Probleme gerade für ältere Menschen, wenn sie nicht mehr mobil seien. Denn in vielen Dörfern fehle es mittlerweile an der Infrastruktur für die Selbstversorgung. Prüm denkt, dass mehr ehrenamtliche Hilfe geleistet werden müsse, um diese Situation zu verbessern. Viele Menschen seien gerne bereit dazu, andere zu unterstützen, wenn das vernünftig organisiert werde, so der Caritas-Geschäftsführer.

Harry Fenzl ergänzt, dass es auch für Menschen mit Hartz IV ein Problem sei, in freie Wohnungen in abgelegene kleine Dörfer zu gehen. Sie könnten es sich dann nicht einfach mal so leisten, acht Euro für eine Busfahrt nach Limburg auszugeben, um einen Termin beim Gesundheitsamt oder dem Jobcenter wahrzunehmen. Fenzl forderte in der Region einen Wettbewerb der Ideen, um ländlich geprägte Orte wieder als Wohnraum interessanter zu machen. Zur musikalischen Umrahmung spielte die Wohnsitzlosen-Band „Nix Druff“.

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