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"Chef-Kritiker" Max Stillger will DFB-Präsident werden

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Seit Monaten gilt Max Stillger als „Chef-Kritiker“ von DFB-Präsident Reinhard Grindel – jetzt ist der Hintergrund klar: Der 56-Jährige will ihn ablösen. Stillger gibt seinen Coup heute in einer Pressekonferenz bekannt.

Die Mail erreichte gestern Mittag Sportredaktionen in ganz Deutschland unter der Kategorie „Wichtigkeit: Hoch!“ und mit dem Betreff „Eilt“. Max Stillger, der mit seiner harschen Kritik an DFB-Chef Reinhard Grindel bundesweit Schlagzeilen machte, lädt für heute Mittag zu einer Pressekonferenz nach Frankfurt ein.

Allen, die den Hintergrund und den Fußballfan aus Limburg nicht so gut kennen, muss der Anlass dubios und der Absender größenwahnsinnig erscheinen. Stillger nannte in er ersten Nachricht in der er „interessante Gesprächspartner, darunter Rainer Calmund und Harald Stenger“, ankündigte, nämlich keinen Grund für den Termin, sondern versprach den Journalisten nur „eine faustdicke Überraschung“. Aufgrund der zahlreichen Rückfragen schob er zwei Stunden später eine Mail mit zwei Links nach: Eine aktuelle Umfrage der „Bild“ vom Samstag, wonach 98 Prozent den Rücktritt von DFB-Präsident Grindel fordern, und einen Artikel über dessen Nebeneinkünfte. Damit war alles klar. Stillger will Grindel „absägen“ und selbst DFB-Präsident werden! „Ja, das stimmt“, sagte er uns gestern Abend. Er werde beim 43. DFB-Bundestag am 26. September in Frankfurt kandidieren, stehe mit seinem Team gegebenenfalls aber schon früher zur Übernahme bereit.

Wir hatten schon in den vergangenen Wochen mitbekommen, dass der Unternehmer etwas gegen Grindel im Schilde führt, gezielte Informationen streute und namhafte Verbündete um sich scharte. Beim Fußball-Talk in der WERKStadt hätte sich TV-Experte und Ex-Manager Rainer Calmund schon beinahe verplappert.

Klaus zog die Strippen

 Mit „Calli“ holt sich der korpulente Limburger ein richtiges Schwergewicht ins Boot. Er soll neuer Vize-Präsident werden und auf Wunsch von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge den in der Spitze des Verbandes bislang vernachlässigten Profi-Bereich vertreten. Stillger will sich vor allem um die Amateure kümmern. Der in den Landesverbänden gut vernetzte Sportkreis-Vorsitzende Hermann Klaus soll die Strippen gezogen und bei den 263 Delegierten eine Mehrheit gesichert haben.

Stillger scheint die Gunst der Stunde nutzen zu können, denn Reinhard Grindel stand zuletzt auch intern immer mehr in der Schusslinie. Beobachtern drängt sich nun freilich die Frage auf, ob der Limburger den Präsidenten nur deshalb öffentlich so hart attackiert hat, um selbst den lukrativen Job zu bekommen. Schließlich sind damit auch weitere hoch dotierte Posten bei der UEFA und FIFA und Lustreisen in alle Welt verbunden.

„Das ist Unsinn“, sagt Stillger. „Ich werde das Amt unentgeltlich ausüben und noch nicht mal eine Aufwandsentschädigung verlangen. Vergütungen für Tätigkeiten bei der FIFA werde ich in voller Höhe für den Amateurfußball spenden.“ Kein Wunder, dass Klaus so Delegierte ködern konnte. Der erfolgreiche Unternehmer scheint es sich leisten zu können; finanziell sicher, zeitlich seiner Meinung auch. „Von Limburg aus bin ich schnell in Frankfurt; die Arbeit lässt sich in der Regel zwischendurch erledigen. Für mich ist das kein Job, sondern eine Herzenssache“, sagt Stillger. „Ich mache das, weil ich den Fußball liebe und nicht das Amt.“

Richard und Kremer dabei

 Stillger macht sich freilich schon im Vorfeld angreifbar. Seinem Kompetenzteam gehören auch zwei Vorstände aus der seiner Stiftung an. Limburgs Ex-Bürgermeister und Sparkommissar Martin Richard soll über die Finanzen wachen, Investor und Projektentwickler Marcel Kremer den Bau der DFB-Akademie steuern.

Nebenbei: Mit seinem Coup will sich Stillger wohl auch bei den DFB-Oberen rächen, die ihn wegen seiner „beleidigenden“ Kritik an Grindel aus dem Kreis der „Freunde der Nationalmannschaft“ geworfen haben. Das „Problem“, künftig an gute Karten für WM- und andere Länderspiele zu kommen, wäre raffiniert gelöst, wenn er gewählt werden sollte. Als Präsident säße Max Stillger dann sogar neben den großen Promis in der ersten Reihe. Das würde ihn sicher mehr entschädigen als ein fettes Honorar. 

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