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Diözesanmuseum

Chronik der Stadt: Pest, Mode und andere Katastrophen

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Wenn das Diözesanmuseum am 28. März nach der Winterpause wieder seine Türen öffnet, kann es zwar noch keine neuen Ausstellungsräume präsentieren, aber eine Ausstellung, die ganz viel mit der Region zu tun hat.

Jetzt muss es doch ohne die Pietà aus dem Wetzlarer Dom gehen – denn die passt nicht durch die Türen des Diözesanmuseums. Aber die ehemalige Bischofswohnung wird ja nun nicht rechtzeitig fertig. Und dort wären wenigstens die Türen groß genug gewesen für die 2,30 Meter hohe Figur.

Aber die Sonderausstellung über „Pest, Mode und andere Katastrophen in der Limburger Chronik“ wird natürlich trotzdem stattfinden. Wenn auch nur in den Räumen des Diözesanmuseums, im Leyenschen Haus. „Wir wollen die Bedeutung der Tilemann-Chronik zeigen“, sagt Professor Matthias Theodor Kloft, Diözesankonservator und Leiter des Diözesanmuseums.

Die Pietà aus dem Dom St. Marien wird auch zu sehen sein, schließlich zeigt sie, wie sich das Leiden im Bewusstsein der Menschen im 14. Jahrhundert manifestiert, genau wie die Hoffnung, „. . . dass Gott das große Sterben wende“ – so der Ausstellungstitel. Aber es gibt eben nur ein Foto der Mater Dolorosa mit Jesus Christus’ Leichnam. Alle anderen Exponate können sich die Museumsbesucher in natura anschauen: Crucifixi dolorosi aus der ganzen Region, Albrecht Dürers „Apokalyptische Reiter“ aus dem Städel und Geißeldarstellungen zum Beispiel aus Lorch. Und natürlich die Limburger Chronik, oder zumindest ein Fragment aus dem 15. Jahrhundert, das sonst im Limburger Stadtarchiv lagert. Außerdem sind ein Erstdruck aus dem Jahr 1617 zu sehen und einige Bearbeitungen.

Wenn Matthias Theodor Kloft über die Chronik von Tilemann Elhen von Wolfhagen spricht, gerät er ins Schwärmen – von der Einzigartigkeit und Eindringlichkeit dieser Darstellung. Die Chronik sei eine der ausführlichsten Schilderungen der Pest, aber auch aller anderen Katastrophen, die dieses an Katastrophen so reiche Jahrhundert erschütterten, sagt Matthias Theodor Kloft: Erdbeben, Überflutungen, Hunger, Pest und dann auch noch der Zusammenbruch der Wirtschaft. Aber er widme sich eben auch der Musik und der Mode der Zeit.

Zum Beispiel, wenn er Unverständnis darüber äußert, dass sich die Mode alle zehn Jahre ändere. Tiefe Ausschnitte und enge Hosen seien ein Zeichen dafür, dass der Mensch nicht verstanden habe, dass das göttliche Gericht nahe. Überhaupt sei der Limburger Stadtschreiber kein Chronist gewesen, er habe nicht nur Geschichte aufgeschrieben, sondern auch gemacht, sagt Matthias Theodor Kloft. Das merke man zum Beispiel daran, in welchem Licht er die Franziskaner in Limburg erscheinen lasse. Für Limburg seien sie durchaus von Bedeutung gewesen, aber in der Chronik kämen sie nur drei Mal vor – als Mörder oder Betrüger.

Die Ausstellung sei die erste größere Auseinandersetzung mit der Limburger Chronik seit den 1950er Jahren, sagt Matthias Theodor Kloft. „Wir wollen Limburger Stadtgeschichte darstellen – mit einer ganzen Menge guter Exponate.“

Und Exponate hat das Diözesanmuseum eine ganze Menge; vieles lagert in Depots. Auch deshalb hofft Matthias Theodor Kloft auf die Räume im Erdgeschoss der Bischofswohnung. Da wäre Platz für ein paar große Bilder, die er im kleinen Leyenschen Haus nicht aufhängen kann. Da wäre Platz für jede Menge kleine Exponate, mit denen Kloft knapp 200 Jahre Bistumsgeschichte zeigen will. Er hat sich auch schon einen Raum ausgesucht: Die ehemalige Bibliothek. Dort steht ein Regal mit 135 20 mal 40 mal 20 Zentimeter großen Fächern – ideal für kleine Exponate wie die beiden Weinfässchen, die Bischof Dominikus Willi bekam, als er den ersten Missionsbischof für Kamerun geweiht hat.

Und für den zweiten großen Raum im Bischofshaus hat Kloft auch schon eine Idee: Er wolle gerne eine Ausstellung über die Limburger Künstlerfamilie Winter machen – am besten noch in diesem Herbst. Und auch ansonsten gehen ihm die Themen nicht aus: Der 30-jährige Krieg oder die Handelswege in der Region seien Themen, mit denen sich „das wichtigste Museum zwischen Köln und Frankfurt“ schmücken könnte. Und natürlich eine Ausstellung über Petrusreliquien, passend zum Petrusstab, der in der Schatzkammer des Diözesanmuseums verwahrt wird. Vorgespräche mit dem Vatikan und mit anderen Museen habe er schon geführt, sagt Matthias Teodor Kloft. Aber vielleicht scheitert dieses Projekt am Geld. Der Etat des Museum gebe so „etwas richtig Großes“ nicht her. Und es sei schwierig, Sponsoren zu finden.

Diözesanmuseum

Das Diözesanmuseum ist dienstags bis samstags von 10 bis 13 Uhr und von 14 bis 17 Uhr geöffnet, an Sonn- und Feiertagen sind die Ausstellungen und die Staurothek von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Montags ist das Museum geschlossen.

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