npl_altenheim
+
Das Senioren-Zentrum St. Georg ist zum Hotspot geworden.

Besuchssperre verhängt

Limburg: Corona-Ausbruch in Senioren-Zentrum – Mitarbeiter müssen Ganzkörperschutz tragen

  • Rolf Goeckel
    vonRolf Goeckel
    schließen

Neun Bewohner und zwei Mitarbeiter haben sich infiziert. Wie das Coronavirus in das Senioren-Zentrum gelangte ist unklar.

Für das Limburger Senioren-Zentrum St. Georg ist in den vergangenen Tagen ein seit dem Frühjahr befürchteter Alptraum wahr geworden: Das Coronavirus hat Einzug gehalten in die Wohnanlage in der Nähe der WerkStadt.

"Neun Bewohner und zwei Mitarbeiter wurden infiziert", berichtet Bernhard Rössler, Pressesprecher der Trägergesellschaft Hildegard von Bingen. Die schwerwiegendste Folge: Das Gesundheitsamt Limburg-Weilburg hat eine Besuchersperre angeordnet, die zunächst bis zum 8. November gelten soll. Zwei Bewohner befinden sich wegen Atemwegsbeschwerden im Krankenhaus, die übrigen Bewohner und die beiden betroffenen Mitarbeiter seien bisher symptomfrei. Weitere Infektionsfälle waren bis gestern nicht bekannt.

Wie das Coronavirus in das Seniorenzentrum gelangt ist, lässt sich laut Rössler derzeit nur vermuten. Bekannt ist bisher so viel: Am 21. Oktober teilte eine Mitarbeiterin, die schon einige Tage lang zu Hause war, ihrem Arbeitgeber mit, dass sie positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Noch am selben Tag sei in Abstimmung mit der Heimaufsicht die komplette Schließung der Seniorenwohnanlage für Besucher verfügt worden, berichtet Rössler. Am 25. Oktober seien sämtliche Kontaktpersonen in dem betroffenen Wohnbereich 2 getestet worden; dabei seien zehn weitere Infektionsfälle festgestellt worden.

Corona in Limburger Seniorenzentrum: Mitarbeiter müssen Vollschutz tragen

Vergangenen Sonntag seien dann sogar sämtliche 100 Bewohner und 110 Mitarbeiter auf das Coronavirus getestet worden. Die Ergebnisse sollen am heutigen Dienstag, spätestens am Mittwoch bekannt gemacht werden. Von dem Betretungsverbot seien die Mitarbeiter nicht betroffen, stellte Rössler klar. "Solange sie keinen positiven Test haben, dürfen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in dem Haus ein- und ausgehen."

Hausintern wurden die infizierten Bewohnerinnen und Bewohner des Wohnbereichs 2 von den übrigen Insassen isoliert, um jegliche Ansteckungsgefahr zu vermeiden. Dieses Vorgehen war bereits im Frühjahr ausgearbeitet worden - für den Ernstfall, der nun eingetreten ist. Dazu gehört auch, dass die betroffenen Bewohner ausschließlich in ihren eigenen Zimmern gepflegt werden, und zwar immer von derselben Mitarbeiterin oder demselben Mitarbeiter. Auch dies soll das Infektionsrisiko minimieren.

Für die Pfleger gelten zudem verschärfte Schutzbestimmungen. Waren sie bisher lediglich zum Tragen einer FFP-2-Maske verpflichtet, so müssen sie künftig einen sogenannten Vollschutz tragen, das heißt einen Schutzkittel und eine Haube. Den für die Corona-Infizierten abgetrennten Pflegebereich dürfen sie außerdem nur durch einen separaten Eingang betreten.

Kreissprecher: Testung erst nach einer Woche – Bewohner zeigen sich verständnisvoll

Die Situation unter den Bewohnern und Mitarbeitern beschreibt Bernhard Rössler als "ruhig". Von Angst oder gar Panik sei nichts zu spüren - im Gegenteil. "Die Bewohner haben für die Besuchersperre das größte Verständnis, zumal diese ja sogar für alle privaten Kontakte empfohlen wird", so Bernhard Rössler. Auch von den Angehörigen der alten Menschen gebe es "viele positive Rückmeldungen", so der Sprecher. "Sie alle haben volles Verständnis."

Allerdings gab es auch Kritik am Vorgehen des Gesundheitsamtes. Stefan Reusch aus Idstein, dessen Mutter im betroffenen Wohnbereich 2 lebt, hielt es für unverständlich, dass erst eine Woche nach Testung der Kontaktpersonen Abstriche für das gesamte Seniorenzentrum angeordnet wurden. Dazu erklärte der Pressesprecher des Landkreises Limburg-Weilburg Jan Kieserg: "Eine aussagekräftige Testung erfolgt auf Basis der Kriterien des Robert-Koch-Instituts nach mindestens einer Woche, weil die meisten Infizierten zwischen Tag fünf und Tag acht selbst positiv werden." Alle Personen, so der Kreissprecher, seien zum Zeitpunkt der Testung asymptomatisch gewesen. (Rolf Goeckel)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare