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Vor seiner Covid-19-Erkrankung war Michael Mohler ein fitter Tischtennis-Spieler. Dennoch traf ihn das Coronavirus so sehr, dass er acht Wochen im Krankenhaus lag. Nun ist er glücklicherweise wieder zu Hause und wartet auf eine Reha

Schwerer Krankheitsverlauf

Mann mit Corona tagelang im Koma – jetzt hat er eindringlichen Appell

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Michael Mohler aus Elz bei Limburg steckt sich im Skiurlaub in Tirol mit dem Coronavirus an. Was er dann erlebt, ist für ihn die Hölle. Jetzt hat er seine Geschichte erzählt. 

  • Michael Mohler aus Elz bei Limburg steckt sich im Skiurlaub mit Corona-Virus an
  • Schwerer Verlauf: Mohler zwischenzeitlich im künstlichen Koma
  • Michael Mohler richtet dringenden Appell an die Bevölkerung

Limburg/Elz - Alles ging mit einem sehr schönen Erlebnis los, einem netten Skiurlaub mit Freunden in Kappl im Paznauntal in Tirol. Doch während die Mohlers mit ihren Freunden fünf Tage vom Alltagsstress abschalteten, wurde in Ischgl gemunkelt, dass ein Barkeeper positiv auf Corona getestet worden sei. 

"Da circa 60 bis 70 Prozent der Skifahrer in Ischgl im gesamten Paznauntal wohnen, war das Virus da wahrscheinlich schon verbreitet", berichtet Mohler. Bei der Heimreise dachte er, einfach nur leicht erkältet zu sein. Dann der Schock: Drei Tage nach der Rückkehr brach der Elzer plötzlich daheim zusammen und wurde mit dem Notarzt ins Limburger St.-Vincenz-Krankenhaus gebracht.

erzählt von seiner Corona-Erkrankung – Ins künstliche Koma versetzt

Eine Woche lang hatte Mohler durchgehend hohes Fieber, hing am Tropf und landete dann für insgesamt 20 Tage sogar auf der Intensivstation. Am elften Tag wurde der begeisterte Tischtennisspieler für zehn Tage ins künstliche Koma versetzt. Michael Mohler erzählt: "Da meine Lunge selbstständig keinen Sauerstoff aufnehmen konnte, wurde ich künstlich beatmet. Zwischenzeitlich bekam ich Probleme mit dem Herzen, Herzkammerflimmern. Fast wurde noch ein Luftröhrenschnitt gemacht, damit direkter beatmet werden kann. Zum Glück ging der Kelch an mir vorüber."

Michael Mohlers Familie musste aufgrund der Corona-Erkrankung von Mohler in Quarantäne. Unglücklicherweise hatten sich seine Frau Sabine und drei der Ski-Freunde bereits angesteckt, haben die Infektion zum Glück aber gut überstanden. Und auch die Versorgung der Familie Mohler blieb durch Verwandte, Freunde und Nachbarn während der häuslichen Quarantänezeit sichergestellt.

Schwere Corona-Erkrankung in Limburg: Zehn Minuten auf einem Stuhl zu sitzen war für Michael Mohler nicht möglich

Glücklicherweise machte auch Michael Mohler im Krankenhaus Fortschritte. Kreislauf, Blutdruck und Atmung waren wieder stabil. Am 31. Tag des Krankenhausaufenthaltes wurde er von der Intensiv- auf die Isolierstation verlegt. Mohler berichtet: "Ich war sehr schlapp und habe die meiste Zeit geschlafen, konnte mich kaum bewegen." Er habe während dieser Zeit zwölf Kilo abgenommen, vor allem Muskelmasse. Zehn Minuten auf einem Stuhl zu sitzen, sei nicht mehr möglich gewesen.

Für den Elzer war es zudem schlimm, im Krankenhaus keinen Besuch empfangen zu dürfen, nicht mal die eigene Familie. Auch nicht schön war, dass er nicht aus dem Krankenzimmer heraus durfte. So musste er sich, anfangs mit einem Rollator, auf zwölf Quadratmetern bewegen. Mohler versuchte, seinen Liebsten wenigstens aus dem Krankenhaus eine Karte zu schreiben. Doch beim Schreiben hat Mohler "als Folge der künstlichen Beatmung nur gezittert". Für die Reha war er schon zwei Mal angemeldet, musste sie aber jeweils abgelehnt bekommen, da die Corona-Testergebnisse zwischen positiv und negativ schwankten.

Nach acht Wochen ist Michael Mohler nun wenigstens aus dem Krankenhaus entlassen worden. Der Elzer hat Hochachtung davor, was die Schwestern, Pflegekräfte und Ärzte im Limburger Krankenhaus in Corona-Zeiten leisten. Menschen, die dafür noch die eigene Gesundheit aufs Spiel setzen.

Corona-Krise in Limburg: Michael Mohler richtet dringenden Appell an die Bevölkerung

Mohler über seinen aktuellen Zustand: "Ich bin noch in häuslicher Quarantäne und warte auf die nächsten Abstriche, die negativ sind, damit ich endlich die dringend benötigte Reha und noch andere Arzttermine antreten kann." Der Appell an seine Mitmenschen: "Ich kann nur jedem empfehlen, sich an Hygienevorschriften, an die Maskenpflicht und den geforderten Mindestabstand zu halten. Das, was ich durchgemacht habe, wünsche ich niemandem." Mohler weiß: "So ein schwerer Verlauf kann auch anders ausgehen."

Der Elzer Bürgermeister Horst Kaiser (CDU) hat nach eigenen Angaben Michael Mohler in mehreren persönlichen Gesprächen gebeten, mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen, "damit alle diejenigen, die die aktuellen Maßnahmen für übertrieben halten, sehen können, wie es jemandem ergehen kann, der augenscheinlich gesund war und nie und nimmer mit einem solchen Krankheitsverlauf gerechnet hat." Der CDU-Politiker appelliert an die Bürger: "Wir alle sollten Respekt vor diesen haben und uns an die Vorgaben und Hygienebestimmungen halten." Das erleichtere auch der Gemeindeverwaltung, vor allem dem Ordnungsamt, den Umgang mit der Corona-Pandemie.

Von Robin Klöppel

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