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Auch Linda Arnold zeigt ein Trainingsprogramm mit Toilettenpapier. Es ist nicht ganz ernst gemeint, aber es funktioniert.

Fit in der Quarantäne

Corona-Fitness: Das Klopapier als Sportgerät

Ein gutes Mittel gegen schlechte Laune ist Sport. Der fördert die Gesundheit von Körper und Geist. In Gruppen gemeinsam trainieren - das geht unter normalen Umständen jetzt nicht mehr. Vereine und Fitnessstudios gehen daher neue Wege. Die Sportler machen mit

Limburg-Weilburg - Jetzt ist klar, wo das ganze Toilettenpapier geblieben ist. Obwohl: Das ist wohl eher eine Frage von Ursache und Wirkung. Im Internet kursieren Kurzvideos mit Workouts. Sportübungen, bei denen die Klopapierrollen als Hilfsmittel eingesetzt werden. Schließlich sind sie sehr wertvoll. Die Tochter von Dagmar Schmitt-Merkl, Vorsitzende des Turnvereins Niederbrechen, macht mit. Linda zeigt, welche Übungen, beginnend mit ein paar simplen Liegestützen plus Steigerungen, mit diesem Hilfsmittel möglich sind.

Doch im Ernst: Corona führt zu physischer Vereinsamung. Sport wäre eine super Gelegenheit, die Stimmung zu heben. Das frühlingshafte Wetter lockt nach draußen. Zwischendurch eine Kältewelle. Da sehnt man sich nach der Turnstunde. Gerade dann, wenn man nicht darf.

Die Turnhalle ist zum Sendestudio geworden: Alex Kunz und Ulrike Farke (von links) zeigen die Übungen, die live an die Mitturner übertragen werden. foto: fitfun limburg

Vereine und Fitnessstudios gehen deshalb neue Wege. Die TG Camberg, mit 2000 Mitgliedern der größte Sportverein im Kreisgebiet, bereitet Online-Stunden vor. Der Turnverein Niederselters hat ebenfalls Weichen gestellt. Unter anderem: Für die Mädchen der Abteilung Gerätturnen lädt die Trainerin Benita Schmitt einmal wöchentlich zur üblichen Trainingszeit die Gruppe zur virtuellen Gymnastik ein. "Sie nutzt dafür eine App für Video-Konferenzen. Jeder ist alleine in seinem Zimmer, kann aber über den Laptop oder das Handy die anderen sehen und auch mit ihnen reden. So ist es möglich, dass Benita Aufwärm-, Dehn- und Kräftigungsübungen vorführt und erklärt. Alle anderen machen währenddessen aktiv mit. Wenn es Fragen oder Anmerkungen gibt, können die sofort geklärt werden. Fast wie in der Turnhalle", erklärt Pressewartin Sandra Fassauer. Der TV Dauborn und der SV Wilsenroth halten Kontakt zu den Mitgliedern, aber ohne Übungsstunden, berichten Anne Bargon (Dauborn) und Kalli van der Burg (Wilsenroth) auf Anfrage dieser Zeitung.

"Wir sind aktuell dran, virtuell Angebote als Live-Stream oder auch als Video zum Herunterladen zu konzipieren, um unseren Gruppen die Möglichkeit zu geben, in Kontakt zu bleiben und damit regelmäßig sowie motiviert durch ihre Übungsleiter wie gewohnt in Bewegung zu kommen", sagt der Vorsitzende der Turngemeinde Bad Camberg, Stefan Schütz. "Wir klären gerade mit den verfügbaren Ressourcen und Talenten die sinnvollsten Möglichkeiten."

Wie das gehen kann, zeigt bereits das Fitfun in Limburg. "Wir werden uns etwas überlegen", hatte das Team den Mitgliedern noch in der letzten gemeinsamen Stunde versprochen. Knapp eine Woche später startete der erste Online-Kurs. Die große Halle, in der sonst alle gemeinsam trainieren, ist zum Fernsehstudio geworden. Es gibt einen festgelegten Stundenplan. Jeder Kurs dauert eine halbe Stunde - das ist das Maximum dessen, was das Streamingportal zulässt.

Turnen im eigenen Wohnzimmer

Ein Erfahrungsbericht aus dem eigenen Wohnzimmer. Ich habe den kleinen Tisch beiseite gerückt, Platz geschaffen für die Turnmatte, das Handtuch und mein Laptop. Damit trete ich in Verbindung mit den beiden Trainerinnen Uli Farke und Alex Kunz. Pünktlich zur verabredeten Zeit wähle ich mich ein - und es sind schon einige da. Etliche meiner Mitturner kenne ich aus den gemeinsamen Stunden.

Wir winken, freuen uns, uns zu sehen. Die Mini-Bildchen auf dem Bildschirm (man konnte vorher entscheiden, ob man den Blick in das eigene Zuhause zulassen will), sind witzig. Andrea turnt mit ihren Kindern. Die kommen immer wieder mal dazwischen. Andere müssen weiter weg rücken, um gesehen zu werden. Ich bin etwas nah dran, dafür sehe ich nun meine Trainerinnen sehr gut.

Wir beginnen mit "Body". Die Turnstunde soll den Körper kräftigen, die Muskulatur stärken. "45 Haushalte sind zugeschaltet", sagt Ulrike Farke. Gemeinsam mit ihrem Mann Thomas Büker leitet sie das Studio, ist Trainerin und gibt nun zusammen mit Alex Kunz den Online-Kurs. Beide können mit uns Teilnehmern reden, sogar korrigieren, wir anderen sind stumm geschaltet. Ulis Tipp: "Besorgt Euch Eure eigene Musik." Das habe ich gemacht. Leise läuft sie im Hintergrund.

Die Trainerinnen zeigen die Übungen und achten auf uns. "Andrea, das Bein etwas höher" - führt dazu, dass gleich drei reagieren. Den Namen gibt es öfter. Meine Beine sieht man nicht. Zu nah an der Kamera. Da bin ich ganz froh. Aber ich gebe mir trotzdem Mühe.

Wir machen dreimal 30 Sekunden Sport, dann beginnt der jeweilige Turnus von vorn. Die 30-sekündige Pause dazwischen ist eine aktive Unterbrechung des Trainingsprogramms. Will heißen: Wie gehen in die Knie, hüpfen hoch, lockern die Beine. Das ist nötig.

Einmal stürzen wir ab. Virtuell. Die Leitungen sind überlastet. Die Trainerin erklärt: "Wenn so etwas passiert, macht die Übung zu Ende und geht dann in die aktive Pause." Mach' ich.

Schwitzen im Livestream

Es folgen Liegestützen mit und ohne Schultertippen, der Walking Hover und der Mountain Climber, bei dem wir auf alle Viere gehen, dann mit den Beinen ganz schnell laufen. "Noch schneller", motiviert die Trainerin. Ich muss dringend unterbrechen und etwas mitschreiben für den Zeitungsbericht. Nicht, dass meine Beine müde wären!

Am Schluss wird es richtig anstrengend. "Wir leeren deinen Muskel durch komplette Länge und komplette Spannung", erklärt Ulrike Farke das, was wir gerade machen. Ich fühle mich lang - bestimmt bin ich gewachsen. Und recht erschöpft.

"Es geht nicht darum, es einfach nur zu machen, es geht darum, es zu fühlen. Es muss brennen. Verdien' dir dein Frühstück", motiviert sie noch ein letztes Mal.

Wir geben alles, in fast 50 Haushalten. Ich sehe einige andere auf dem Bildschirm, bevor die halbe Stunde endet und die Ansicht auf meinem Laptop wieder weiß wird. Wieder getrennt von meinen Mitturnern stelle ich fest: Es hat sehr gut getan.

Die Bewegung fehlt in der Corona-Isolation, besonders, wenn man Sport gewohnt ist und nun noch mehr am Schreibtisch sitzt. Auch die anderen fehlen mir. Es war schön, einige von ihnen zu sehen und aus der Distanz gemeinsam Sport zu treiben. Für die nächste Stunde melde ich mich gleich wieder an.

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