Ab Donnerstag kann in der Limburger Fußgängerzone wieder eingekauft werden - allerdings nur mit Termin und aktuellem Test. Auch Geimpfte und Genesene haben Zutritt.
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Ab Donnerstag kann in der Limburger Fußgängerzone wieder eingekauft werden - allerdings nur mit Termin und aktuellem Test. Auch Geimpfte und Genesene haben Zutritt.

Inzidenz gesunken

Limburg: Endlich wieder Kunden in den Geschäften

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  • Anken Bohnhorst-Vollmer
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    Stefan Dickmann
  • Tobias Ketter

Der Einzelhandel im Landkreis Limburg-Weilburg freut sich über die neuen Corona-Lockerungen. Die Testpflicht sei dabei nur „ein kleines Hindernis“.

Limburg - Endlich wieder direkt in den Geschäften einkaufen dürfen, Waren begutachten und Kleidung anprobieren - das ist von Donnerstag, 20. Mai, an wieder in den Geschäften im Landkreis Limburg-Weilburg möglich.

Gestern stand die Corona-Ampel zwar noch auf Rot, sie wird aber aufgrund der konstant sinkenden Inzidenzwerte im Landkreis Limburg-Weilburg morgen auf Gelb springen. Aus "Click & Collect" - telefonische Bestellung und Abholung der Ware an der Tür - wird dann "Click & Meet". Nur wer in einem Geschäft einen Termin ausgemacht hat und geimpft oder genesen ist oder einen negativen Corona-Schnelltest vorweisen kann, der nicht älter als 24 Stunden ist, wird ins Geschäft eingelassen.

Natürlich sei diese Testpflicht ein kleines Hindernis, räumt der Vorsitzende des Limburger City Rings, Horst O. Hoppe, ein, und selbst die Wissenschaft sei sich uneins darüber, wie aussagekräftig Schnelltests sind, aber natürlich freue sich der heimische Einzelhandel darauf, endlich wieder Kundschaft in den Geschäften bedienen zu dürfen.

Hoppe geht davon aus, dass morgen jeder Kunde auch kurzfristig noch einen Termin bekommen kann, der schon in der Innenstadt unterwegs ist und ein Geschäft aufsuchen möchte, weil eben noch nicht viele Termine vereinbart worden sind aufgrund der neuen Entwicklung.

Inzidenz in Limburg sinkt weiter: Nun darf man auf die Gastronomie hoffen

Gleichwohl müssten der Einzelhandel und die Gastronomie in der Pandemie weiterhin büßen, kritisiert Hoppe, obwohl die meisten Infizierungen im privaten Bereich und in der Produktion, wo Menschen eng zusammenarbeiten müssen, geschähen.

Mit "Click & Collect" erreiche der Einzelhandel gerade einmal fünf bis zehn Prozent der Kundschaft, die er vor der Pandemie gehabt habe, schätzt der City Ring-Vorsitzende. Durch "Click & Meet" steigere sich der Anteil auf bis zu 25 oder 30 Prozent. Denn der Handel profitiere immer stark von der Gastronomie, die noch immer nicht öffnen dürfe. Wer in Limburg einkauft, wolle in der Regel auch einen Kaffee in der City trinken oder eine Kleinigkeit essen. Sei das nicht möglich, komme weniger Kundschaft.

Große Hoffnungen setzt der City Ring auf die gemeinsam mit der Stadt Limburg betriebene Internetplattform www.limburg-und-du.de. Dort kann sich jeder Gewerbetreibende in Limburg und seinen Stadtteilen kostenfrei eintragen lassen und auf sein Geschäft, seine Öffnungszeiten und, falls vorhanden, auch auf seinen Onlineshop hinweisen.

Kostenpflichtig ist zwar, seinen Kunden auf der Plattform die Möglichkeit zu geben, Termine für "Click & Meet" online zu vereinbaren; doch die Stadt Limburg übernimmt dafür bislang die Kosten.

Corona in Limburg: Neues Testzentrum auf dem Europaplatz ist bereits in Planung

Das Stadtportal informiert auch über die Testzentren in Limburg - etwa in der Markthalle, in der Nähe des Globus-Einkaufsmarkts in Dietkirchen oder auf dem Gelände der WERKStadt -, die kostenlose Corona-Schnelltests anbieten. Wie der Leiter des Ordnungsamts, Michael Wolf, mitteilt, ist ein neues Testzentrum auf dem Europaplatz geplant, das am 1. Juni eröffnen soll.

"Es kommt nun auf die Kunden an, ob sie den heimischen Einzelhandel und die Gastronomie, wenn sie wieder öffnen darf, unterstützen wollen", sagt Hoppe. Dabei hofft er auf möglichst viele Menschen, die in der Limburger Innenstadt auch draußen Maske tragen (obwohl dies keine Pflicht ist). "Je vorsichtiger wir alle sind, desto besser ist es für uns alle, damit wir unser gewünschtes urbanes Leben zurückbekommen", sagt er.

Bei schönem Wetter seien in der Innenstadt viele Menschen unterwegs, die keine Maske tragen. Doch in der Fußgängerzone sei nicht immer genug Platz, um den nötigen Sicherheitsabstand einzuhalten. Sorge bereitet Hoppe zudem die anstehende Urlaubssaison - dass bei weiter sinkenden Inzidenzen und der Möglichkeit, in Urlaub fahren zu können, zu viele immer unvorsichtiger werden und dadurch die Fallzahlen wieder unnötig steigen, was erneut zu lasten des Einzelhandels und der Gastronomie gehe.

Limburger Einzelhandel in der Corona-Pandemie: Es wird mehr verkauft als nur bei Abholung

Beate Seibert-Simon, Vorsitzende des Elzer Gewerbevereins, bewertet den Öffnungsschritt zuversichtlich. Die Geschäfte entlang der Durchfahrtsstraße seien sehr gut vernetzt, weshalb man den Kunden bei der Planung ihrer Shopping-Termine entgegenkommen könne, sagt sie.

"Wir sind flexibel." Zwar müssten Termine vereinbart werden, aber man könne den Kunden auch spontan Zeitfenster zum Einkaufen öffnen. Denn wenn ein Geschäft betreten werden kann, "wird mehr gekauft, als wenn nur abgeholt wird". Wie die Verpflichtung zum Testen angenommen wird, beurteilt sie zurückhaltend. Daran werde sich zeigen, "wie wichtig der Kundschaft das Einkaufen ist". Aber sie und ihre Kollegen aus Elz seien optimistisch.

Die Geschäfte wieder zu öffnen und Kunden nach Termin shoppen zu lassen, "ist auf jeden Fall ein Schritt nach vorne", sagt Bianca Woidich von "Hadamar aktiv". Zwar hätte viele Kunden den heimischen Händlern in den schwierigen Monaten die Treue gehalten und telefonisch bestellt, aber die Türen wieder zu öffnen und Kunden im Geschäftsraum begrüßen zu können, "ist eine neue Perspektive" - für alle.

Einzelhandel in Limburg: "Wir freuen uns darüber, dass nun endlich wieder mit Terminvereinbarung eingekauft werden kann"

"Wir freuen uns darüber, dass nun endlich wieder mit Terminvereinbarung eingekauft werden kann", sagt Wolfgang Erk, Vorsitzender von "Wir für Bad Camberg". "Click & Meet" sei ein großer Schritt für alle Gewerbetreibenden. Das vergangene halbe Jahr sei besonders schwierig gewesen.

"Für unsere Einzelhändler war es sehr bitter, als sie mitbekommen haben, dass im benachbarten Idstein die Geschäfte aufgrund sinkender Inzidenzen wieder öffnen durften, während in Bad Camberg alles geschlossen bleiben musste", sagt Erk. Dass nun auch im Landkreis Limburg-Weilburg nach Terminbuchung und Corona-Test wieder eingekauft werden kann, sei ein gutes Signal. "Die Kunden haben ,Click & Meet' schon einmal gut angenommen, und so wird es sicher auch diesmal sein", sagt Erk und hofft, dass bald wieder "normales Einkaufen" möglich gemacht werden kann. "Bis dahin ist aber noch eine längere Wegstrecke zu gehen."

Corona in Limburg: Die Innenstadt war zuletzt weitgehend leer

"Jeder Schritt in Richtung Öffnungen ist wichtig", sagt Wolfgang Eck, Vorsitzender des Gewerbevereins "Wirtschafts-Werbung Weilburg". Während "Click & Collect" sei die Innenstadt weitestgehend leer gewesen. Dies könnte sich nun ändern. Weilburg werde ab Donnerstag vermutlich wieder etwas belebter sein. "Einige Geschäfte bieten sogar Corona-Tests vor Ort an", sagt Eck. Dadurch sei auch relativ spontanes Einkaufen möglich und das Gewerbe erhalte eine Perspektive.

Der Vorsitzende des Gewerbevereins hofft, dass sich die Inzidenz weiter zügig verringert. "Ich gehe davon aus, dass der Landkreis in den kommenden sieben Tagen unter die Marke von 100 fallen wird", sagt er. Dann sei in rund zwei Wochen eventuell auch wieder Einkaufen ohne Test möglich.

Nachbarn in Diez: "Bei uns ist schon wieder ein bisschen Normalität eingekehrt"

Maske tragen, Abstand halten - mehr nicht. Kein "Click & Collect", kein "Click & Meet", keine Datenerfassung, keine Tests, nicht einmal mehr Einkaufskörbe vor der Tür, die die Zahl der Kunden limitieren. In Diez und den anderen Orten des Rhein-Lahn-Kreises kann man seit einer Woche wieder shoppen.

Wenn man es denn so nennen will. Von "Bedarfsdeckung" spricht Manuela Novian vom Diezer Gewerbeverein. "Vom genussvollen Einkaufen sind wir noch meilenweit entfernt", sagt sie. Dabei sehnten sich die Menschen so sehr danach, einfach mal zu bummeln und zu stöbern und zwischendurch mal einen Kaffee zu trinken.

Aber dafür müssten alle Branchen ihre Geschäfte wieder öffnen dürfen, erst dann kämen ausreichend Kunden, erst dann hätten alle was davon. "Und nur dann können wir überleben", sagt Manuela Novian. Die gesetzlichen Vorgaben seien machbar, jetzt müsse die Politik den Menschen aber noch vermitteln, dass das Einkaufen nicht nur erlaubt, sondern auch ungefährlich sei.

Gerade in den kleineren Läden seien die Hygienevorschriften doch viel leichter umzusetzen als in den großen. Und die individuelle Beratung und die Nähe zum Kunden gibt noch obendrein - wenn auch noch auf Abstand und mit Maske."Bei uns ist schon wieder ein bisschen Normalität eingekehrt", sagt Heidi Euteneuer, Seniorchefin bei Haushaltswaren Euteneuer.

Limburg in der Corona-Pandemie: "Unsere Kunden haben uns auch unterstützt, als wir nur unseren Fensterverkauf hatten"

Sie und ihre Kunden seien sehr froh darüber. Dabei sei das Geschäft auch in den vergangenen Wochen weitergegangen. "Unsere Kunden haben uns auch unterstützt, als wir nur unseren Fensterverkauf hatten." Und dabei seien auch immer schon welche aus Limburg gewesen.

Das sind die, die bei den unterschiedlichen Regelungen den Überblick behalten - auch über die Landesgrenze hinweg. Das sei auch für die Geschäftsleute schwierig, sagt Manuela Novian. "Diese ständige Zählerei und Rechnerei." Sie hat inzwischen jede Menge Apps auf ihrem Smartphone, die ihr dabei helfen herauszufinden, was gerade erlaubt ist.

Für die Mitglieder des Gewerbevereins gab es Plakate mit den wichtigsten Infos. Und es gibt die Hoffnung, dass die irgendwann nicht mehr gebraucht werden. "Ich will nicht die neue Normalität", sagt Manuela Novian, "ich will meine alte Normalität zurück".

Der Landkreis Limburg-Weilburg hat seit Dienstag an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen den Inzidenzwert von 150 unterschritten. Daraus ergeben sich Erleichterungen im Hinblick auf die Anwendung der sogenannten „Bundesnotbremse“.(Anken Bohnhorst-Vollmer, Stefan Dickmann, Tobias Ketter)

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