Noch gibt es in Limburg und den weiteren Kommunen des Landkreises keine Sperrstunde. Doch das könnte sich angesichts der steigenden Corona-Zahlen schnell ändern. (Symbolbild)
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Noch gibt es in Limburg und den weiteren Kommunen des Landkreises keine Sperrstunde. Doch das könnte sich angesichts der steigenden Corona-Zahlen schnell ändern. (Symbolbild)

Sperrstunde

Corona in Limburg-Weilburg: Nächste Warnstufe überschritten – Drastische Maßnahmen drohen

  • vonPetra Hackert
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  • Sebastian Semrau
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Die Corona-Inzidenz im Kreis Limburg-Weilburg erreichte am Sonntag die dritte Warnstufe. Nun kommen neue Maßnahmen. Ein Fall in Bad Camberg sorgt für Aufregung.

  • Das Coronavirus breitet sich immer schneller im Kreis Limburg-Weilburg aus.
  • Die Region Limburg erreicht am Sonntag (18.10.) die dritte Warnstufe, der Kreis reagiert mit weiteren Corona-Maßnahmen.
  • In Bad Camberg gibt es Gerüchte um einen Corona-Ausbruch: Was steckt dahinter?

Update vom Sonntag, 18.10.2020, 15.40 Uhr: Am Sonntag ist das eingetroffen, was der Kreis Limburg Weilburg bereits vor dem Wochenende erwartet hat. Der Grenzwert von 35 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen wurde überschritten - der Inzidenzwert im Kreis Limburg-Weilburg liegt aktuell bei 36 (Stand 18.10.2020, 14 Uhr). Die bereits unten angekündigte Verschärfung der Corona-Maßnahmen tritt demnach bereits in der kommenden Woche in Kraft. Der Kreis will die neuen Corona-Regeln am Dienstag (20.10.) erlassen, sodass sie bereits am Mittwoch, den 21. Oktober in Kraft treten.

Dieser Ablauf werde möglicherweise noch um einen Tag verschoben, sagte Landrat Michael Köberle (CDU) am Sonntag auf Anfrage unserer Redaktion. Er wolle das Vorgehen gerne mit dem Land Hessen abstimmen. Zu den erwarteten Anordnungen zählen eine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei privaten Feiern und bei Veranstaltungen, eine Ausweitung der Maskenpflicht sowie eine Sperrstunde.

Corona in Limburg-Weilburg: Gerüchte um Ausbruch in Gaststätte ausgeräumt

Erstmeldung vom Freitag, den 16.10.2020: Limburg – Die Zahl der Neuerkrankungen mit dem Coronavirus pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen liegt im Kreis Limburg-Weilburg mittlerweile bei 34,2 - und damit nur noch knapp unter dem wichtigen Grenzwert von 35. Der Kreis kündigte daher gestern an, kurzfristig eine Allgemeinverfügung zu veröffentlichen, für den Fall, dass dieser Grenzwert überstiegen wird.

Kreis Limburg-Weilburg: Neue Maßnahmen am kommenden Montag

Mit dieser sei vermutlich am Montag zu rechnen, sagte Kreissprecher Jan Kieserg am Donnerstag (15.10.). Noch warte man die Verlautbarungen des Landes Hessen ab, mit denen für das Wochenende gerechnet wird. Dabei sollen zentrale Maßnahmen, die auf den Beschlüssen der von der Bundeskanzlerin und den Ländern am Mittwoch beschlossenen Regelungen basieren, in ein Eskalationsstufenkonzept aufgenommen werden.

Daher ist zumindest im Rahmen klar, was kommen wird, wenn die Zahlen weiter ansteigen: Dazu gehören eine Begrenzung der Teilnehmerzahl bei privaten Feiern und bei Veranstaltungen, eine Ausweitung der Maskenpflicht sowie eine Sperrstunde. Damit, dass der Inzidenzwert von 35 überstiegen wird, geht man beim Kreis übrigens aus. Der Anstieg der täglichen Neuinfektionen lag zuletzt bei 12 (Mittwoch, 14.10.), 13 (Donnerstag, 15.10.) und 16 (Freitag, 16.10.). Da es am vergangenen Samstag aber schon einmal 16 Neuinfizierte gab, dürfte die 35er-Marke erst am Sonntag oder Montag, wo es vor einer Woche keine Fälle gab, überschritten werden. Dann kommt die Allgemeinverfügung des Landkreises, die dann einen Tag nach ihrer Veröffentlichung in Kraft tritt - mit weitreichenden Folgen für das öffentliche Leben.

Corona im Kreis Limburg-Weilburg: Gerüchte, Angst und falsche Vorwürfe machen die Runde

Welche Folgen das Coronavirus jetzt schon haben kann, war in den vergangenen Tagen in Bad Camberg zu erleben. Plötzlich machten die wildesten Gerüchte die Runde, in den sozialen Medien und im Gespräch: Die Bad Camberger Kerbegesellschaft hätte das Coronavirus in der ganzen Stadt verbreitet. Die Spekulationen schossen ins Kraut, Vorwürfe ohne Begründung folgten. Fakt ist: Die Wirtin der „Kneipp“ ist positiv auf das Virus getestet worden. „Die betreffende Person hat bis zur Kenntnis ihrer Infektion in der Gaststätte ,Die Kneipp‘ Kontakt zu zahlreichen Personen gehabt, und damit ist eine unwissentliche Verbreitung des Virus nicht auszuschließen“, kommunizierte Bad Cambergs Bürgermeister Jens-Peter Vogel (SPD). „Da im fraglichen Zeitraum auch zahlreiche Mitglieder der Kerbegesellschaft dort gefeiert haben, betrifft dies möglicherweise einen recht großen Personenkreis.“

Deshalb hatte die Stadt von der Betreiberin die umfangreichen Gästelisten erhalten und an das Kreisgesundheitsamt weitergeleitet, um die potenziellen Infektionsketten zu ermitteln. Der Fall zeigt, wie wichtig es ist, auf solchen Listen mit dem richtigen Namen zu unterschreiben. Vielleicht 15 der 46 jungen Leute waren in der Gaststätte, sagt Kerbemädchen Inga Schneider. Sie hätten sich Corona-gerecht verhalten: „Wir haben uns vorher dort angemeldet und waren Gäste wie alle anderen auch.“ Am Donnerstag und Freitag kam die Gerüchteküche in Gang: 13 Mitglieder der Kerbejugend seien infiziert. Dafür gab es keine Anhaltspunkte. „Viele, nicht nur von uns, haben sich testen lassen, und ich habe von niemandem gehört, der positiv ist“, sagt Schneider.

Zeit also, wieder etwas herunterzufahren und das zu tun, was sinnvoll ist: Mögliche Infektionsketten ermitteln, Abstand halten, die Alltagsmasken tragen. „Das haben wir gemacht“, sagt das Kerbemädchen. Wie auf den Fotos beim Kerbebaumstellen und dem Weg durch die Stadt gut zu sehen: Die jungen Leute hatten Maßnahmen ergriffen, um nichts falsch zu machen. Dann tauchte plötzlich ein Bild der Kerbejugend in den sozialen Medien auf, ohne Masken eng auf eng mit dem Hinweis, „Wie kann man nur. . .“ - „Das Bild war von Fastnacht, deshalb sieht es so aus“, sagt Inga Schneider.

Corona im Kreis Limburg-Weilburg: Die Wirtin trug den Mund-Nase-Schutz

Die Labormeldung der positiv getesteten Wirtin ist übrigens am Donnerstag im Kreisgesundheitsamt eingegangen. „Nach Informationen des Gesundheitsamtes hat die Betroffene am vergangenen Wochenende durchgängig einen Mund-Nasen-Schutz getragen und es gab keine engeren Kontakte. Daher sind alle Besucherinnen und Besucher der Gaststätte vom Wochenende erstmal als Kontakte der Kategorie II einzustufen“, sagt Jan Kieserg. Es liefen noch Nachermittlungen, ob einzelne Personen - insbesondere vom Montag - gegebenenfalls als Kontakt der Kategorie I betrachtet werden müssten. Diese Personen würden dann gesondert vom Gesundheitsamt kontaktiert und in Quarantäne gesetzt.

Auch für Kontaktpersonen der Kategorie II gilt die Empfehlung des Robert-Koch-Instituts, sich in den zwei Wochen nach dem Kontakt aufmerksam zu beobachten, soziale Kontakte zu reduzieren und beim Auftreten von Symptomen das Bürgertelefon der Kreisverwaltung unter (0 64 31) 2 96 96 66 zu kontaktieren, damit ein Abstrich veranlasst wird. Die Corona-Zahlen, die das Kreisgesundheitsamt für Bad Camberg übermittelt, sind in den letzten beiden Tagen jeweils um eine Person angestiegen. Stand Freitag, 16.10., 12 Uhr: acht Infizierte.

Die Corona-Zahlen im Landkreis Limburg-Weilburg

Im gesamten Landkreis sind aktuell 81 Personen mit dem Coronavirus infiziert (Stand Freitag, 16.10.2020). Sie verteilen sich nach Angaben der Kreises auf Limburg (17), Hünfelden (9), Bad Camberg (8), Hadamar (7), Weilburg (7), Weilmünster (5), Runkel (4), Beselich (4), Waldbrunn (4), Löhnberg (3), Elz (3), Dornburg (2), Mengerskirchen (2), Brechen (2), Villmar (2), Merenberg (1) und Selters (1). Insgesamt gab es bislang 582 bestätigte Fälle (+ 16 zum Vortag), 493 Personen sind inzwischen genesen (+ 3). 507 Menschen befinden sich in Quarantäne. In den Krankenhäusern des Landkreises befinden sich aktuell zwei Corona-Infizierte, eine Person im Normalpflegebett und eine im Intensivbett.

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