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Beim Limburger Frühlingsfest, das an diesem Wochenende zu Ende gegangen wäre, haben sich all die Jahre die Karussells gedreht. Doch wegen der Corona-Pandemie fällt nicht nur dieses Fest ins Wasser.

Jahrmärkte abgesagt

Schausteller in der Corona-Krise: „Bisher haben wir noch keinen Cent erhalten“

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Viele Volksfeste und Jahrmärkte sind bereits abgesagt. Das Verbot von Großveranstaltungen bis zum 31. August wegen der Corona-Krise trifft besonders die Schausteller sehr hart, denn Jahrmärkte sind auch in Limburg abgesagt.

  • Wegen des Coronavirus sind Großveranstaltungen bis Ende August 2020 verboten
  • Darunter fallen auch Jahrmärkte und Feste wie das Frühlingsfest von Limburg
  • Zwei Schausteller sprechen im Interview von ihren Sorgen

Limburg - Der Vorsitzende des Verbandes Reisender Schausteller und Berufskollegen der Regionen Taunus, Unterlahn und Westerwald, Andreas von Fischke, ist normalerweise mit seiner Tochter Louisa von März bis September in ganz Deutschland unterwegs. Mit einem Kaffeewagen und einem Mandelstand verkaufen sie dann auf Volksfesten in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ihre Waren. Auch auf dem Limburger Frühlingsmarkt und dem Diezer Osterfest waren die beiden in den vergangenen Jahren präsent. Doch wegen der Corona-Krise bleiben ihre Wagen nun zunächst in der Garage. Das Duo hat mit Tobias Ketter über ihre Sorgen, Nöte und Hoffnungen gesprochen.

Wie hart trifft Sie das Verbot von Großveranstaltungen?

Andreas von Fischke:Als ich davon erfahren haben war das wie eine Ohrfeige. Es ist einfach eine schreckliche Situation. Alle 19 Veranstaltungen, auf denen wir in diesem Sommer Kaffee und Süßigkeiten verkaufen wollten, wurden bereits abgesagt.

Louisa von Fischke:Wir saßen vor dem Fernseher und haben die Verkündung des Verbots angeschaut. Dabei wussten wir nicht, ob wir vor Verzweiflung lachen oder weinen sollen. Natürlich geht es auch um die nun fehlenden Einnahmen. Aber mindestens genauso schrecklich ist es, dass wir jetzt nicht mehr das machen dürfen was wir so lieben. Der Beruf ist unser Lebensinhalt.

Sind die Absagen finanziell zu stemmen oder drohen existenzgefährdende Einbußen?

Andreas von Fiscke:Die gesamte Branche fürchtet, dass man nicht bis Ende August durchhalten wird. Alle sind betroffen. Egal ob kleine oder große Unternehmen. Einige Schausteller haben sich sogar bereits ihre Lebensversicherung auszahlen lassen, um über die Runden zu kommen. In meinem Betrieb fallen monatlich laufende Kosten von über 3000 Euro an, die irgendwie bezahlt werden müssen. Außerdem haben wir im vergangenen Jahr viel Geld für neue Geräte ausgegeben. Damals konnte ja keiner ahnen, was uns bevorsteht. Wenn wir keine Unterstützung vom Staat bekommen, gehen hier bald die Lichter aus.

Limburg: Schausteller trifft die Corona-Krise besonders – „Bisher haben wir noch keinen Cent erhalten“

Welche Hilfen erwarten Sie von der Regierung?

Andreas von Fischke:Zunächst einmal hoffe ich, dass die finanziellen Soforthilfen auch bei uns ankommen. Bisher haben wir noch keinen Cent erhalten. Außerdem muss endlich mal Klarheit geschaffen werden. Bis jetzt ist immer noch nicht eindeutig geregelt, welche Feste überhaupt in die Kategorie der Großveranstaltungen fallen. Ich habe mich deshalb bereits mit einem Schreiben an die hessische Landesregierung gewandt. Doch bisher gab es keine Antwort. Auch telefonisch konnte ich niemand erreichen. Man fühlt sich schlichtweg im Stich gelassen.

Louisa von Fischke:Eigentlich müsste der Staat 50 bis 60 Prozent unseres Umsatzes ausschütten, damit wir nicht in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Außerdem sollte die Forschung für ein wirksames Medikament oder einen Impfstoff schneller von der Regierung vorangetrieben werden, damit die Krise möglichst zeitnah überwunden werden kann. Ansonsten wird es für viele Branchen finanziell sehr eng.

Schausteller Andreas von Fischke und seine Tochter Louisa wollten in diesem Sommer auf rund 20 Volksfesten und Jahrmärkten in ganz Deutschland Kaffee sowie gebrannte Mandeln verkaufen. Wegen der Corona-Krise wurde nun aber alles abgesagt. 

Corona in Limburg: Einige Schausteller bieten Lieferservices an 

Haben Sie während der Krise regelmäßigen Kontakt zu Kollegen?

Louisa von Fischke:Wir sind sehr gut vernetzt und tauschen uns immer wieder aus. Es ist enorm wichtig, dass man sich gegenseitig Mut macht. Wir sind wie eine große Familie. Deshalb vermisse ich den direkten Kontakt zu den Kollegen sehr. Unterstützung in diesen schweren Zeiten erhalten wir auch von der evangelischen Schausteller-Pfarrerin für das Gebiet Hessen-Nassau, Christine Beutler-Lotz. Sie muntert uns immer wieder auf und gibt uns Kraft.

Nutzen Sie und ihre Kollegen derzeit andere Einnahmemöglichkeiten?

Andreas von Fischke:Andere Schausteller-Betriebe tun dies vereinzelt. Sie stellen ihre Imbisswagen auf Märkte in den Städten oder verkaufen die Waren auf ihren Höfen. Einige Kollegen bieten auch einen Lieferservice für gebrannte Mandeln und andere Süßigkeiten an. Insgesamt ist es aber recht schwer, so genügend Geld zu verdienen. Natürlich können nicht alle Betriebe auf solche Alternativen ausweichen. Zum einen ist es nicht allen erlaubt und zum anderen bietet nicht jeder Schausteller essbare Waren an. Eine dauerhafte Lösung sind diese Einnahmemöglichkeiten also definitiv nicht.

Glaube sie daran, dass Ihre Arbeit ab September wieder normal weitergehen kann?

Andreas von Fischke:Das Virus wird auch dann noch präsent sein. Aufgrund der derzeitigen Lockerungen der Maßnahmen befürchte ich, dass eine zweite Infektionswelle kommen wird, durch die auf den Schaustellerverband nach größere Schäden zukommen. Bis die Krise durch Massenimpfungen letztlich überwunden ist, wird es voraussichtlich noch lange dauern. Hoffentlich wird es zumindest Weihnachtsmärkte geben, die vielleicht in diesem Jahr schon vor dem ersten Advent öffnen und auch noch einige Tage nach Weihnachten das Bild der Städte prägen. Durch eine solche zeitliche Verlängerung könnte sich zumindest ein Teil unserer Branche etwas erholen. Bis dahin müssen wir aber erstmal irgendwie über die Runden kommen. In meinen 35 Jahren in der Selbstständigkeit habe ich schon viele Krisen überstanden. Aber die Corona-Pandemie ist etwas anderes. Sie gleicht einem Berufsverbot. Fest steht sicherlich, dass uns noch sehr schwere Zeiten bevorstehen.

Das Interview führte Tobias Ketter

Michael Mohler aus Elz bei Limburg steckt sich im Skiurlaub in Tirol mit dem Coronavirus an. Was er dann erlebt, ist für ihn die Hölle. Jetzt hat er seine Geschichte erzählt.

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