Massiv von Corona betroffen ist das Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum St. Georg.
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Massiv von Corona betroffen ist das Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum St. Georg.

Mutation aufgetreten

Seniorenzentrum in Limburg: Dreiviertel der Bewohner mit Corona infiziert

  • Rolf Goeckel
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Im Seniorenzentrum St. Georg in Limburg gibt es einen massiven Corona-Ausbruch. Bereits 20 Bewohner sind verstorben.

Limburg – Ist im Hildegard von Bingen Senioren-Zentrum St. Georg in Limburg eine hochinfektiöse Mutation des Sars-Cov-2-Virus aus Großbritannien oder Südafrika aufgetreten? Die Antwort auf diese Frage wird noch bis Ende Januar warten müssen, wie das Gesundheitsamt des Landkreises Limburg-Weilburg am Freitagabend (15.01.2021) mitgeteilt hat. Doch schon jetzt steht fest: Die Infektionszahlen in der Einrichtung am Limburger WERKStadt-Kreisel haben in den vergangenen Wochen dramatische Dimensionen angenommen.

Seniorenzentrum in Limburg: 93 Bewohner haben sich bisher infiziert

Von den insgesamt rund 120 Bewohnerinnen und Bewohnern waren bis gestern 93 Personen infiziert, erklärte Sprecher Bernhard Rössler. Auch 64 der 108 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren betroffen. 20 Bewohner seien bereits an und mit Corona gestorben. Damit dürfte das Seniorenzentrum St. Georg zu den am härtesten von Covid-19 betroffenen Einrichtungen im Kreis Limburg-Weilburg zählen. Aktuell sind laut Rössler noch fünf Bewohner und zwei Mitarbeiter infiziert; sie befinden sich in Quarantäne.

Warum es zu diesen außerordentlich hohen Infektions- und Todeszahlen gekommen ist, erscheint dem Seniorenheimbetreiber mit Blick auf umfangreiche Schutzmaßnahmen derzeit rätselhaft. Denn schon gleich nachdem am 9. Dezember die erste Corona-Infektionen in dem Heim festgestellt worden sei, habe die Heimleitung "alle Schutzmaßnahmen" getroffen", so Rössler.

Das bedeutet: Sämtliche Bewohner wurden auf ihren Zimmern isoliert und haben außer zu den Pflegerinnen und Pflegern praktisch keinen Kontakt mehr zur Außenwelt. Sämtliche Gemeinschaftsaktivitäten, so Rössler, wurden eingestellt. Es gebe weder gemeinsames Essen noch seien Besuche möglich. Mitarbeiter des Seniorenzentrums betreten die Zimmer der Bewohner nur noch mit einem sogenannten Vollschutz, das heißt mit Handschuhen, Kopfbedeckung, Maske und Schutzbekleidung.

Limburg: Test auf Corona-Mutation wegen hoher Zahlen

Und dennoch stiegen die Zahlen immer weiter an, wie bei den umfangreichen Testungen sichtbar geworden sei. Nach dem ersten positiven Schnelltest am 9. Dezember habe es zunächst "sehr viele weitere Schnelltests" gegeben, so Rössler. Viele waren positiv. Wegen deren Ungenauigkeit folgten PCR-Tests für sämtliche Bewohner und Mitarbeiter am 16., 18. und 28. Dezember sowie am 7. Januar - jeweils mit weiteren positiven Ergebnissen. Wegen dieses "hohen Ausbruchsgeschehens", so Rössler, sei der Verdacht aufgekommen, dass in dem Seniorenheim eine hochinfektiöse Mutation des Sars-Cov-2-Virus aufgetreten sei. Deshalb seien am 7. Januar Proben zur Gen-Sequenzierung an die Uniklinik Frankfurt verschickt worden. Das Ergebnis: Drei wiesen ein mutiertes Sars-Cov-2-Virus auf.

Die ohnehin schon hohen Schutzmaßnahmen wurden und werden im Seniorenzentrum St. Georg nun weiter verschärft, kündigte Rössler an. Quarantänemaßnahmen und Besuchsverbot - beide sollten in diesen Tagen eigentlich enden - werden verlängert. Erst nach Vorlage eines negativen PCR-Tests soll eine verhängte Quarantäne aufgehoben werden. Auch über die Ausweitung der Testpflicht für Mitarbeiter werde nachgedacht. Aktuell wird einmal pro Woche getestet, was der hessischen Corona-Verordnung entspreche, so Rössler. Eine Entlastung durch Impfungen sei derzeit nicht in Sicht. "Wir haben bisher noch keine Termine." (Rolf Göckel)

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