Den Zweitklässlern Diego (vorne) und Nick hat der Selbsttest nichts ausgemacht.
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Den Zweitklässlern Diego (vorne) und Nick hat der Selbsttest nichts ausgemacht.

Corona-Pandemie

Pilotphase zu Corona-Schnelltests an zwei Schulen gestartet : Kinder testen sich selbst

  • vonRobin Klöppel
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  • Tobias Ketter
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Im Kreis Limburg-Weilburg ist ein Pilotprojekt zu Corona-Schnelltests an zwei Schulen gestartet. Dort testen sich die Kinder selbst – Jetzt ziehen die Schulen eine erste Bilanz.

Limburg-Weilburg – Steigende Infektionszahlen sowie neue Lockdown-Regeln verunsichern die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Limburg-Weilburg. Die Corona-Pandemie hat die Region weiterhin fest im Griff. Um die Ausbreitung des Virus zu reduzieren, sollen künftig an allen hessischen Schulen Laien-Schnelltest genutzt werden. Pläne dazu gab es bereits bei der Verkündung der Wiederaufnahme des Wechselunterrichts für die Klassen eins bis sechs am 22. Februar.

Nun, mehr als vier Wochen später läuft in 20 Einrichtungen im gesamten Bundesland eine Pilotphase, während der sich Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte an Ort und Stelle selbst testen. An diesem Pilotprojekt beteiligt sind aus dem Landkreis Limburg-Weilburg die Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn und die Adolf-Reichwein-Schule in Limburg.

Corona-Tests für an Schulen im Kreis Limburg-Weilburg sind freiwillig und kostenlos

"Schnelltests bieten die Chance, dass durch das frühzeitige Erkennen infizierter Personen weitere Ansteckungen verhindert oder zumindest reduziert werden können", sagt Dirk Fredl vom Staatlichen Schulamt für den Lahn-Dill-Kreis und den Landkreis Limburg-Weilburg. Da es an den Schulen viele Kontakte gebe, könne sich das Virus schnell ausbreiten und die Tests seien ein gutes Mittel, um dem entgegenzuwirken.

An den Pilotschulen in Dauborn und Limburg bekommen Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte, die sich derzeit im Präsenzunterricht befinden, Selbsttests vom Land Hessen zur Verfügung gestellt. Wenn die Eltern der freiwilligen Testung zustimmen, können sich die Heranwachsenden in der Pilotphase, die in dieser und der kommenden Woche durchgeführt wird, insgesamt zweimal kostenlos testen.

Corona an Schulen: Laien-Schnelltests im Kreis-Limburg-Weilburg als Momentaufnahme

"Dazu ist ein Abstrich im vorderen Nasenbereich erforderlich", erklärt Dirk Fredl. Damit die Jungen und Mädchen lernen, den Test richtig durchzuführen, werde unter anderem ein Erklärvideo eingesetzt. Sollte bei den Laien-Schnelltests ein positives Ergebnis festgestellt werden, werden zunächst die Eltern informiert. Zur weiteren Abklärung ist dann ein PCR-Test erforderlich, der bei einem Arzt oder in einer Abstrichstelle durchgeführt werden muss.

"Die Auswahl der Schulen für die Pilotphase hat das Hessische Kultusministerium vorgenommen", sagt der Sprecher des Schulamts. Dabei sei sowohl auf eine regionale Streuung über alle Schulamtsbezirke als auch auf eine Einbeziehung unterschiedlicher Schulformen und Schulgrößen geachtet worden. Die Hessische Landesregierung hat bereits in der vergangenen Woche angekündigt, dass nach einer erfolgreichen Pilotphase allen Schulen Selbsttests nach den Osterferien zur Verfügung gestellt werden sollen.

Corona-Schnelltests an Schulen versprechen "Chance für weitere Schulöffnungen"

Die Schüler der Freiherr-vom-Stein-Schule in Dauborn haben den ersten Testtag bereits hinter sich. Am gestrigen Freitag entnahmen sich die Heranwachsenden der ersten bis sechsten Klassen sowie der Abschlussklassen selbst einen Abstrich (siehe Text rechts). Der zweite Testtag für die rund 400 Mädchen und Jungen, die derzeit den Präsenzunterricht besuchen, findet am kommenden Dienstag statt.

"Die Pilotphase ist eine Chance für weitere Schulöffnungen nach den Osterferien", sagt Judith Lehnert, Rektorin der Freiherr-vom-Stein-Schule. Es sei wichtig, dass eine Strategie entwickelt werde, um den Unterricht in Präsenzform möglichst sicher zu gestalten. Während der Vorbereitung für die Testphase habe die Schulleiterin die Eltern über das Pilotprojekt informiert und die Einwilligungen eingeholt. "Natürlich sind die Selbsttest freiwillig. Kein Kind muss sie machen", sagt Lehnert. Es sei klar geregelt, dass die Schülerinnen und Schüler sich ausschließlich selbst den Abstrich entnehmen. Keine Lehrkraft werde dabei mit Hand anlegen.

Kreis Limburg-Weilburg: Schüler des Pilotprojekts berichten vom Corona-Selbsttest

Auch an der Adolf-Reichwein-Schule in Limburg wird während der Pilotphase fleißig getestet. "Wir wurden wahrscheinlich auch ausgewählt, weil es an unserer Schule den Schwerpunkt Gesundheit gibt", sagt Schulleiter Ralf Abel. Auch in seiner Einrichtung können sich 500 bis 600 Schüler, die am Präsenzunterricht teilnehmen, insgesamt zweimal kostenlos auf das Coronavirus testen. Damit bei der Entnahme des Abstrichs und der Auswertung des Ergebnisses keine Fehler passieren, unterstützt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) die Heranwachsenden mit Kurzschulungen und Videos. Abel hält die Anwendung der Laien-Schnelltests für eine gute Lösung. "Es ist die einzige Möglichkeit im Kampf gegen das Coronavirus, so lange es mit den Impfungen nicht wirklich voran geht", sagt er.

Seit gestern können sich die Schüler der Dauborner Freiherr-vom-Stein-Schule völlig freiwillig einmal die Woche auf Corona testen lassen. Ihre Schule sei neben der Limburger Adolf-Reichwein-Schule die einzige im heimischen Kreis vom Land ausgewählte Pilotschule, berichtet Judith Lehnert. Laut der Schulleiterin hat sich die breite Mehrheit der 405 Schülerinnen und Schüler am Freitag am ersten Test beteiligt. Das sind zumindest derjenigen, die nicht gerade wie die Jahrgangsstufen sieben bis neun reines Homeschooling machen.

Große Bereitschaft unter den Schülern: Corona-Schnelltest läuft unkompliziert ab

Lehnert erzählt, in einigen fünften und sechsten Klassen hätten sogar 100 Prozent der Schüler mitgemacht. Nur bei den jüngsten Grundschülern seien einige, die etwas Angst vor dem Test gehabt hätten. In manchen Fällen seien es auch die Eltern, die bei jüngeren Kindern Bedenken hätten.

Der Test läuft aber unkompliziert ab. Die Schüler müssen nur ein Wattestäbchen in die Nase stecken, es ein paar Mal im Nasenloch drehen und dann 15 Minuten warten, bis die Testflüssigkeit der Probe positiv oder negativ anzeigt. "Wir hatten bisher noch keinen positiven Test", freut sich Lehnert.

Und was wäre, wenn sich das ändern sollte? Dann wird laut der Schulleiterin der betreffende Schüler aus der Klasse genommen und zu einem Partnerarzt gefahren, um dort durch einen genaueren PCR-Test zu checken, ob der Schüler wirklich mit Covid-19 infiziert ist und erst einmal in Quarantäne muss.

Corona-Fälle an Schulen: freiwillige Schnelltests sollen im Kreis Limburg-Weilburg helfen

"Wir hatten schon einige Corona-Fälle an der Schule, aber es ist bislang noch nie passiert, dass sich durch eine Person eine ganze Gruppe angesteckt hat", so Lehnert. Durch die nun wöchentlich stattfindenden freiwilligen Tests würden positive Schüler ja künftig auch schneller erkannt.

Wie finden die Schüler die Testmöglichkeit ? Seline Brunner aus der 10 RB meint: "Ich finde es gut, wenn man direkt weiß, ob man positiv oder negativ ist. Der Test war nicht schlimm, hat mir nicht wehgetan." Seline würde einen Test ihren Mitschülern nach ihrem ersten Mal auf alle Fälle empfehlen. Ihre Mitschülerin Finja Heublein gibt zu, dass sie Angst hatte, dass es wehtun könnte, sich das Wattestäbchen tief in die Nase zu stecken. Nachher sagt Finja aber: "Es hat ein bisschen gekitzelt, aber es war nicht schlimm."

Corona-Schnelltest an Schulen: Im Kreis-Limburg-Weilburg überwinden Kinder ihre Ängste

Haakon Knapp hat sich vor dem Test Sorgen gemacht, dass er eventuell positiv sein könne. Denn er wollte auf keinen Fall von der Schule in Quarantäne geschickt werden, weil der Schüler der Abschlussklasse im Präsenzunterricht besser lernen könne, als daheim mit Videounterricht.

"Das ist aber von Schüler zu Schüler sehr unterschiedlich", sagt Schulleiterin Lehnert. Ben-Luca Oppitz hatte sich vorher auch Gedanken gemacht, wie es sich anfühlt, sich das Stäbchen in die Nase zu stecken. Das Gefühl sei dann so gewesen wie kurz vor dem Niesen. Spannend sei es dann, so Ben-Luca, zu beobachten, wie sich die Testflüssigkeit verfärbe. Da sehne man schon die Antwort auf die Frage herbei, ob man auch wirklich negativ sei. Lehrerin Verena Hahn berichtet, dass gerade unter den jüngeren Schülern einige Angst gehabt hätten. Aber es sei auch schön, zu sehen, wie die Kinder dann auch ihre Ängste überwunden hätten. Zweitklässler Max bleibt cool: "Es ist schon unangenehm, aber das ist mir egal." (Robin Klöppel und Tobias Ketter)

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