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Volles Haus: So sah es bei der Mitgliederversammlung der Limburger Christdemokraten in der vergangenen Woche aus. An einen Parteitag ist angesichts der derzeitigen Corona-Zahlen eher nicht zu denken.

Keine großen Überraschungen auf den Kandidatenlisten im Kreis Limburg Weilburg

Corona stellt Form der Parteitage infrage

  • Joachim Heidersdorf
    vonJoachim Heidersdorf
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Drei Urgesteine hören auf

Limburg-Weilburg -Die CDU hat ihren mit 1000 Delegierten geplanten Bundesparteitag abgesagt, aber auch auf Kreisebene stellen die Corona-Auflagen die großen Parteien vor erhebliche Probleme. Sie stehen unter Zugzwang, weil die Kandidatenlisten für die Kommunal- und Kreistagswahl am 14. März bis zum 4. Januar abgegeben werden müssen. Die CDU wird am nächsten Mittwoch in der Limburger Stadthalle möglicherweise die Zahl der Teilnehmer reduzieren, die SPD hat für die Versammlung am 21. November im Löhnberger Bürgerhaus einen Plan B: Eine Open-air-Veranstaltung auf dem Parkplatz.

"Dass die Wahl uns vor große Herausforderungen stellen würde, war seit Langem klar - inhaltlich und personell", sagt SPD-Chef Tobias Eckert. "Doch damit konnte keiner rechnen." Sein CDU-Pendant Andreas Hofmeister sieht es genauso. "In einer Woche kann noch viel passieren. Wir fahren auf Sicht und stehen täglich im Kontakt mit dem Gesundheitsamt", erläutert er.

Christ- und Sozialdemokraten in Limburg-Weilburg haben auf ihren Parteitagen laut Satzung jeweils 180 Delegierte, normalerweise kommen noch mindestens 20 Funktionäre und Gäste hinzu. Aufgrund der aktuellen Vorschriften dürften es maximal 100 Besucher sein; laut hessischem Innenministerium könnten für die Parteien aufgrund der Fristen besondere Rechte gelten, am Ende muss der Landkreis entscheiden. "Kurios", sagt Hofmeister. "Sonst legen wir Wert darauf, dass alle erscheinen. Diesmal sind wir froh über jeden, der nicht kann".

Eckert betont, dass für die Verabschiedung der Kandidatenliste eine Präsenzveranstaltung zwingend vorgeschrieben ist. "Wir würden sonst gerne verschieben", so der Vorsitzende des Unterbezirks (UB). Nach seinen Angaben werden die Genossen in Löhnberg notfalls auf dem BGH-Parkplatz auf aufgesprühten Punkten platziert. So oder so müssten die Plätze an die angemeldeten Delegierten fest vergeben werden, um Kontakte zu vermeiden.

Diese Sorgen haben die anderen Parteien nicht. Bei Grünen, Freien Wählern, FDP, AfD und Linken kommen zu diesen Treffen erfahrungsgemäß nur 20 bis 40 Mitglieder. Die Liberalen machen am Samstag in Ahlbach den Anfang, die Grünen tagen am 28. November im Bad Camberger Kurhaus, die Linke am gleichen Tag an einem noch nicht festgelegten Ort. Die Alternativen kommen Ende November zusammen; wo, ist noch offen. Die Freien Wähler denken darüber nach, ihre für den 13. November angesetzte Versammlung von Allendorf in einen größeren Raum nach Weilburg zu verlegen.

Die Vorschlagslisten enthalten - Stand heute - keine Überraschungen. Dass drei Urgesteine der Kreispolitik aufhören werden, war zu erwarten. Berthold Weikert (Niederhadamar, SPD), Heinz Valentin (Hadamar, CDU) und Paul Arens (Frickhofen, CDU) treten nicht mehr an. Das langjährige CDU-Zugpferd Helmut Peuser (Erbach) lässt sich diesmal ganz hinten einspannen, auf dem vorletzten Listenplatz 70. Wenn die Gesundheit mitspielt, würde er gerne noch etwas im Kreisausschuss (KA) mit- und die 50 in diesem Gremium vollmachen. Der 80-Jährige gehört seit 1972 der Kreisregierung an, davor war er vier Jahre Kreistagsabgeordneter. Der gleichaltrige Heinz Valentin ist schon seit 1968 im KA - ebenso wie Berthold Weikert (85), der vorher acht Jahre im Kreistag war und damit seit sechs Jahrzehnten (!) mitwirkt. Paul Arens (84) ist seit 44 Jahren im Kreistag und Vorsitzender verschiedener Gremien und Ausschüsse.

Fast alle Parteien haben ihre Listen fertig, das letzte Wort über die Reihenfolge haben freilich die Delegierten beziehungsweise Mitglieder.

Die CDU, seit ewigen Zeiten die stärkste Kraft im Landkreis und bei der Wahl 2016 mit 38,6 Prozent klar vor der SPD (27,9), will mit Landrat Michael Köberle wieder einen symbolischen Spitzenkandidaten nominieren. Dahinter folgen der Kreistagsvorsitzende Joachim Veyhelmann, der Fraktionsvorsitzende Christian Wendel, der Kreisverbandsvorsitzende Andreas Hofmeister, der Weilburger Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch und mit Elke Fehr die erste Frau auf Platz sechs. Die "Altgedienten" Thomas Werner und Dr. Norbert Zabel stehen auf 11 und 12, Junge-Union-Vorsitzender Frederik Angermaier auf 16.

Die SPD will das Tableau am 9. November im erweiterten UB-Vorstand festlegen. Dass mit der Hünfeldener Bürgermeisterin Silvia Scheu-Menzer eine Parteilose auf der SPD-Liste weit vorne antreten soll, hat Eckert bereits angekündigt. Fraktionschef Dr. Frank Schmidt macht weiter und dürfte erneut Spitzenkandidat werden.

Bei der AfD, 2016 mit 9,4 Prozent drittstärkste Kraft, wird der Kreisvorsitzende Egon Maurer die nach Fulda abgewanderte Spitzenkandidatin Christine Anderson ersetzen. Grüne und FDP setzen wohl wieder auf ihre Fraktionsvorsitzenden Sabine Häuser-Eltgen und Dr. Klaus Valeske. FDP-Chefin Marion Schardt-Sauer will an zweiter Stelle ins Rennen gehen. Die Freien Wähler vertrauen auf ihre bekannten "Altvorderen" und auf die Unterstützung von Personen verschiedener Bürgerlisten. Bei den Linken will Bernd Steioff, 2016 Spitzenkandidat und seitdem Fraktionssprecher, seine Tätigkeit fortsetzen. Joachim heidersdorf

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