1978 war der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zu Gast in Limburg. Josef Kohlmaier erläuterte ihm auf der Plötze die Sanierung der Limburger Altstadt
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1978 war der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt zu Gast in Limburg. Josef Kohlmaier erläuterte ihm auf der Plötze die Sanierung der Limburger Altstadt

21 Jahre Bürgermeister

Das beschauliche Limburg aus dem Schlaf gerüttelt

Am n Samstag, 3. Juli, wäre Ehrenbürger Josef Kohlmaier 100 Jahre alt geworden

Limburg -Er stellte 21 Jahre lang die Weichen in der Kreisstadt und trat 1985 als dienstältester Bürgermeister Hessens in den Ruhestand. Josef Kohlmaier hat als Baumeister Limburgs Geschichte geschrieben. In seiner Amtszeit hat die Stadt eine rasante Aufwärtsentwicklung genommen. Am Samstag, 3. Juli, wäre der Altbürgermeister und Ehrenbürger 100 Jahre alt geworden.

Als parteiloser Kandidat hatte ihn die Stadtverordnetenversammlung 1965 mit den 13 Stimmen von SPD und FDP gegen zwölf Stimmen der CDU (die an den Hannoveraner Regierungsrat Dr. Elmar Vogels gingen) gewählt. Den Christdemokraten aber trat er später als Mitglied bei. Bei seiner letzten Wiederwahl 1980 hatte Kohlmaier alle Stadtverordneten auf seiner Seite, weil es für ihn, den zielstrebigen und willensstarken Spitzenmann, über Parteigrenzen hinweg keine echte Alternative gab.

Die Altstadt

erfolgreich saniert

Mit vorausschauenden Argumenten setzte Kohlmaier notfalls gegen Vorbehalte in der eigenen Fraktion Projekte durch, von denen die Stadt und ihre Bürger noch heute profitieren und auf die sie stolz sein können. Unter seiner Führung wurden potente Industrie- und Gewerbebetriebe wie Mundipharma, Tetra Pak, Karstadt und Harmonic Drive angesiedelt. Ihm gelang die Einleitung der Altstadtsanierung mit bundesweit wie international beachteten Erfolgen, weil er Betroffene zu Beteiligten machte. Dies war so erfolgreich, dass Limburg 1979 eine Goldmedaille im Bundeswettbewerb "Stadtgestalt und Denkmalschutz" erhielt.

Dank seiner beispielhafter Energie und persönlichem Einsatz gelang unter Kohlmaiers ausgeprägter kommunalpolitischer Begabung die Neuordnung der Innenstadt mit dem Schiedeprojekt (Tunnel und auch Lichfield-Brücke) und der Fußgängerzone in der Werner-Senger-Straße sowie die Einführung des Stadtlinienverkehrs: Alles zukunftsweisende Projekte, die für den Aufbruch des beschaulichen Lahnstädtchens sorgten. Auch der Schulbau, die 1996 nach ihm benannte Stadthalle, das Haus der städtischen Kunstsammlungen und vieles andere wäre zu nennen, so auch der Anfang der 1970er Jahre reibungslos verlaufene Zusammenschluss mit sieben selbstständigen Gemeinden bei der Gebietsreform waren Früchte seiner Amtszeit.

Zahlreiche

Auszeichnungen

Kohlmaier initiierte kulturelle Veranstaltungen wie den Limburger Sommertreff und zählt zu den Vätern der Städtepartnerschaft mit Sainte-Foy-lès-Lyon, die er 1967 mit dem ersten Besuch einer Limburger Abordnung in Frankreich einleitete. Es war nur folgerichtig, dass die Stadtverordneten Josef Kohlmaier 1985 mit der Ehrenbürgerschaft dankten. Der Bundespräsident zeichnete ihn bereits vier Jahre vor Ende seiner Amtszeit mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus. Daneben hat er zahlreiche weitere Ehrungen erfahren, so war er auch Offizier des belgischen Kronenordens. Diese Auszeichnung hatte er erhalten für die Hilfeleistung der städtischen Dienststellen nach dem verheerenden Busunglück 1966 auf der A 3 zwischen Werschau und Niederbrechen, bei dem 34 Menschen ums Leben gekommen waren.

Der Ehrenbürger war verheiratet mit Ehefrau Erni Kohlmaier, die ihm im Tod vorausging, und ist der Vater seiner Tochter Margit Breitfelder. Der Ruhestand war ihm nur zehn Jahre vergönnt. Josef Kohlmaier starb am 3. August 1995. Die Eheleute sind auf dem Limburger Hauptfriedhof beigesetzt.

Beispielhafte Karriere

im Staatsdienst

Die Wiege Kohlmaiers stand am 3. Juli 1921 in der kleinen Pfalzgemeinde Ginsweiler. Als eines von vier Kindern - der Vater war Maurerpolier - wuchs Josef in ärmlichen ländlichen Verhältnissen auf. Seine Eltern ermöglichten ihrem Spross den Besuch der Lateinschule in Meisenheim und den Besuch des Gymnasiums in Bad Kreuznach, das er vor seinem Eintritt 1938 in den Wehrdienst mit der Sekundareife verließ. Als der Krieg ausbrach, war er noch Soldat und blieb es nun bis zum Ende 1945, zuletzt als Oberfeldwebel. Mit einer Anstellung nach der Gefangenschaft 1945 bei der Militärregierung in Hessen im Sachgebiet "Kunst- und Gebäudeschutz" begann für den ehrgeizigen Pfälzer eine beispielhafte Karriere im Staatsdienst. Seinen Ausbildungslehrgang beim Verwaltungsseminar in Wiesbaden schloss er 29-jährig mit Zwei plus und besonderer Auszeichnung für hervorragende Leistungen ab. 1953 wurde er Regierungsinspektor und brachte es bei der Schulabteilung des Regierungspräsidenten in Wiesbaden zum Amtmann. Als Kohlmaier Limburgs Bürgermeister wurde, war er 44 Jahre alt.

Dieter Fluck

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