Die Kinder der Familie Heckelmann aus Mensfelden Lene (von links), Max, die Cousinen Ida und Lara sowie Ole haben ihre Osternester schon vorbereitet.
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Die Kinder der Familie Heckelmann aus Mensfelden Lene (von links), Max, die Cousinen Ida und Lara sowie Ole haben ihre Osternester schon vorbereitet.

Eingeschränktes Fest

Das etwas andere Ostern im Lockdown

  • vonRobin Klöppel
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Was die Menschen im Kreis Limburg-Weilburg für die Feiertage planen.

Limburg -Die meisten Ostergottesdienste im Bistum Limburg sollen nun doch als Präsenzgottesdienste in den Kirchen stattfinden. Trotzdem können alle Menschen im Landkreis Limburg-Weilburg durch die Pandemiebeschränkungen nur eingeschränkt das Osterfest begehen. Wir haben Bürger aus Limburg und Umgebung gefragt, wie sie diesmal Ostern verbringen werden.

Für den Elzer Pfarrer Steffen Henrich ist es wichtig, dass er mit seiner Gemeinde als Gemeinschaft in der Elzer Kirche Ostern feiern kann. Das gemeinsame Beten verstärke die Wirkung eines Gebetes, sagt er. Schadet man denn nicht eher den Schwächeren, wenn man sich an Ostern trotz Corona-Gefahr in großer Runde trifft? Steffen Henrich: "Nein, wir haben in den Kirchen gute Hygienekonzepte. Nirgends ist es hier vorgekommen, dass sich bei einem Gottesdienst größere Gruppen von Menschen infiziert haben." Der 36-Jährige ist überzeugt, dass sehr viele Menschen sich alleine nicht ernsthaft mit dem Sinn des Osterfests auseinandersetzen würden.

Privat hat seine Mutter aus Frankfurt Steffen Henrich eingeladen. Und zeitlich würde es der Geistliche auch schaffen, Teile des Festes im Familienkreis zu verbringen. Doch Henrich verrät, dass er sich innerlich am besten auf das Fest einstimmen könne, wenn er alleine für sich in Ruhe sei. Trotz der Gottesdienste am Wochenende habe er ruhige Stunden, weil eben außer diesen für den Pfarrer alle sonstigen Verpflichtungen am Wochenende wegfielen.

Landwirt Steffen Heckelmann aus Mensfelden und seine Frau Annika sind froh, mit ihren Kindern Felix, Max, Ole und Lene über das Osterwochenende mal ein paar ruhige Stunden zu haben, denn bald gehen wieder stressigere Zeiten - Stecken der Kürbisse und Spargelernte - los. Um das vorzubereiten, wird Steffen Heckelmann an Karfreitag wohl noch auf dem Feld anzutreffen sein. Aber am Osterwochenende soll die Familie doch ein bisschen was von ihm haben, was im Alltag bei der täglichen Hofarbeit und dem Hausaufgabenaufwand in Zeiten von Homeschooling oft doch etwas zu kurz kommt. Die Eltern wollen mit den Kindern Gesellschaftsspiele machen und wahrscheinlich spontan auch mal zu einer Radtour aufbrechen. Das Fleisch für die Rouladen als Festessen wurde bereits vorbestellt. "Vielleicht kommt noch mein Opa zum Essen zu Besuch", sagt Steffen Heckelmann. Ansonsten wird es wegen Corona diesmal kein großes Familientreffen geben.

Gottesdienste haben

sehr gefehlt

Der Niederbrecher Marc Schütz ist Pfarrgemeinderatsmitglied und allgemein ein sehr christlicher Mensch. Der Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamtes sagt: "Wenn es die Möglichkeit gibt, die Auferstehung gemeinschaftlich in der Kirche zu feiern, dann nehme ich das wahr." 2020 habe ihm das sehr gefehlt, als alle Gottesdienste ausgefallen seien. Das Team der Gemeinde und auch die regelmäßigen Gottesdienstbesucher seien, was die Umsetzung der Hygieneregeln angehe, mittlerweile derart eingespielt, dass er für niemanden eine Gefährdung sehe. Mit seinem Mann wird Schütz in Niederbrechen heute Abend, an Karfreitag und in der Osternacht in der Kirche dabei sein und auch mal in der besonderen Atmosphäre der Berger Kirche vorbeischauen. Ansonsten will er dieses Wochenende viel Spazierengehen und Freunden, die er diesmal nicht treffen kann, selbst zusammengestellte Geschenktüten vorbeibringen.

Die älteste Limburger Stadtverordnete, Sigrid Schmüser (80), wird man am Wochenende in keiner Kirche finden, obwohl sie Mitglied in der evangelischen Gemeinde ist. Schmüser sagt: "Nein ich bete nicht, aber ich habe letztes Jahr 1600 Euro Kirchensteuer bezahlt, viel an die Obdachlosenhilfe und das Frauenhaus gespendet." Ihr Sohn aus Augsburg kommt mit seinen beiden Kindern übers Wochenende zu Besuch. Jeder der Vier macht vor der Zusammenkunft einen Corona-Schnelltest. Die 80-Jährige will mit ihren Angehörigen im Diezer Hain Minigolf spielen gehen, zum "schönsten Spielplatz Limburgs" im Tal Josaphat und Eis essen. Als Festtagsessen gibt es Rinderschmorbraten.

Fahrradtouren

im Westerwald

Die Limburger Hockeylegende Paul Lissek verbringt das Wochenende überwiegend in seiner Heimatstadt. Der Goldcoach der Olympischen Spiele von 1992 fährt ansonsten gerne Fahrradtouren im Westerwald. Zudem wird Lissek seine Schwester treffen und einen Gottesdienst in Idstein besuchen, da dort ein befreundeter Pfarrer wirkt, dessen Predigten "Pauli" sehr mag.

Der Steedener Ortsvorsteher Hans-Karl Trog als Aktiver der Evangelisch-Lutherischen Zionsgemeinde freut sich schon auf den Freiluftgottesdienst am Sonntag auf der Wiese des Grundstücks seiner Gemeinde. Ansonsten macht das Ehepaar Trog am Osterwochenende fast nichts. "Wir sind praktisch in Quarantäne, die meiste Zeit alleine zu Hause", sagt Trog. Ein Eis holen und mal kurz bei den Kindern und Enkeln vorbeizuschauen, "aber das natürlich mit Abstand". plant er dennoch.

Torsten Kraemer aus Runkel ist, wie er erzählt, kein religiöser Mensch, den man an Ostern in der Kirche findet. Karfreitag hat der Apotheker sogar Notdienst. Dafür fährt der 57-Jährige Samstag für den Rest des langen Wochenendes zu seiner Freundin nach Idar-Oberstein. Dort halten sich die beiden von anderen Menschen fern, gehen viel mit den Hunden spazieren und wollen zusammen gemütlich grillen.

Kein schönes Osterwochenende hat hingegen der Runkeler Antiquitätenhändler Wolfgang Quaschinski, der nach dem Tod seiner Frau ganz alleine daheim sitzen wird. "Was soll ich in meinem Alter noch groß machen", sagt der 83-Jährige nachdenklich: "Mit meinen Kindern telefoniere ich regelmäßig, aber die wohnen für einen kurzen Besuch einfach viel zu weit weg."

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