Die Demonstranten auf dem Weg durch die Fußgängerzone.
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Die Demonstranten auf dem Weg durch die Fußgängerzone.

Viel los in der Limburger Innenstadt

100 Demonstranten gegen Rechts

Zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus auch die AfD im Visier

Kaum ist das Versammlungsverbot aufgehoben, wird in Limburg wieder kräftig demonstriert. So wie Samstagmorgen auf Einladung des Bündnisses Courage Diez/Limburg zum 75. Jahrestag der Befreiung Deutschlands vom Naziregime. Aufgrund der Corona-Vorschriften freilich (überwiegend) mit dem nötigen Sicherheitsabstand und "vermummt": Viele der rund 100 Teilnehmer trugen Schutzmasken.

Dies war aber nur eine Empfehlung der Stadt und keine Pflicht. "Wir haben auch keine zahlenmäßige Begrenzung der Personen vorgegeben bekommen", sagte Versammlungsleiter Thomas Rösel. Vor einer Woche hatten die Organisatoren die Kundgebung mit geschätzten 50 Teilnehmern angemeldet und problemlos von der Stadt genehmigt bekommen.

Nach kurzen Reden ging es vom Bahnhofsvorplatz aus durch die am späten Vormittag belebte Fußgängerzone in die Diezer Straße und zur Schiede. Dort nutzten die lautstarken und gewaltfreien Demonstranten die volle Straßenbreite und ernteten gleichermaßen Zustimmung, aber auch Ablehnung von wartenden Autofahrern und anderen Passanten. Auf den Transparenten stand unter anderem "Meine Oma war 33-45 dabei - war scheiße", "Menschenrechte statt rechte Menschen" oder "Nie wieder Krieg, nie wieder Faschismus".

Obwohl mehrere heimische AfD-Aktive die Demo aus einigen Metern Entfernung sicherlich nicht rein zufällig beobachteten, blieb bis zur Rückkehr an den Limburger Bahnhof alles friedlich. Rösel bat die AfD-Leute, sich nicht der Demo anzuschließen. Aus vielen Kehlen hallten dann "Ganz Limburg hasst die AfD"-Sprechchöre. Mitglieder der Linken, Grünen, SPD und Gewerkschaften waren hingegen willkommene Gäste.

Soldaten-Denkmal

soll endlich weg

Ein weiteres Ärgernis neben der AfD war für viele das Denkmal als Erinnerung an die deutschen Soldaten auf dem Gelände der WERKStadt. Damit würden Täter und nicht Opfer gewürdigt. Rösel forderte den WERKStadt-Besitzer Marcel Kremer auf, dieses Denkmal endlich entfernen zu lassen. Die früheren Deportationszüge auf dem ehemaligen Bahngelände seien wirklich kein Grund zum Feiern.

Der Versammlungsleiter sagte, Deutschland habe sich vor 75 Jahren vom nationalsozialistischen Regime nicht selbst befreit, sondern sei von der Sowjetunion, England, den USA, Frankreich und einigen anderen befreit worden. Dafür sei diesen Ländern zu danken. Nach seinen Angaben sei es bis heute in Deutschland nicht gelungen, den Faschismus aus allen Köpfen zu vertreiben. Von daher gelte es aufzupassen - in einer Zeit, in der das rechte Spektrum wieder breiter als nur ein rechter Rand geworden sei.

Harff Salm vom Bündnis schilderte, was "rechte deutsche Täter" damals Millionen Opfern in ganz Europa antaten. Den geplanten Auftritt von Leonarda Kuprewitsch in Limburg verhinderte die Corona-Lage. Salm berichtete, sie sei mit acht Jahren 1943 aus Weißrussland nach Limburg verschleppt worden. Ihre Eltern hätten in Deutschland wie Millionen andere Zwangsarbeit verrichten müssen, nur wenige Hundert Meter vom Bahnhof entfernt in der Limburger Maschinenfabrik Hüfner & Söhne. Salm meinte, die Menschheit habe nicht viel aus der Katastrophe gelernt. Auch heute würden wir täglich im Fernsehen im Krieg zerstörte Städte und Dörfer, Mordopfer, Gefolterte und Gefallene, Verhungerte und Flüchtlinge sehen. Er fordert die Bundesregierung auf: "Macht den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag, zum Tag der Befreiung von Faschismus und Krieg". Laut Rösel besteht das Bündnis Courage aktuell aus einem harten Kern von 15 Aktiven. Allerdings seien im Verteiler 150 Sympathisanten. Ihnen gehe es darum, sich gegen Faschismus und rechte Tendenzen in unserer Gesellschaft zu positionieren. Die Anhänger der NPD seien mit ihrer Einstellung sicherlich zu extrem und damit verloren. Aber um die AfD-Sympathisanten werde gekämpft. So veranstalte das Bündnis jeden Monat in Limburg in der Fußgängerzone einen Infostand und beobachte auch die Aktivitäten der heimischen AfD. rok

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