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In anderen Landkreisen gibt es den Gartenschläfer alias "Eliomys quercinus" noch oft, hier in der Gegend allerdings nicht.

Fast fünf Monate hingen Spurentunnel an den Bäumen auf einer Streuobstwiese in der Gemarkung Mensfelden

Der putzige Bursche macht sich rar

  • Sabine Rauch
    vonSabine Rauch
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Die gewünschten Gartenschläfer-Spuren haben sie bislang nicht zum Vorschein gebracht

Vielleicht war der Gartenschläfer, dessen Kadaver im Frühjahr im Kirberger Wald gefunden wurde, der letzte seiner Art in ganz Hünfelden, vielleicht lebt der kleine Bilch mit den großen dunklen Augen aber auch hier noch irgendwo, vielleicht eben nur nicht auf der Streuobstwiese unterhalb des Mensfeldener Kopfes. Man weiß es nicht. Wie man eigentlich überhaupt noch nicht viel weiß über den kleinen Nager. "Der Gartenschläfer ist eine Art, die noch relativ wenig erforscht ist", sagt Susanne Steib, beim BUND zuständige Naturschutzreferentin für die "Spurensuche Gartenschläfer in Hessen". Und weil man so wenig über den Gartenschläfer und seine Bedürfnisse wisse, sei es auch so schwierig, ihm zu helfen. Aber das müsse man.

In anderen Kreisen

ist er lästig

Denn eines steht fest: In einigen Regionen ist er bereits ausgestorben, in anderen vom Aussterben bedroht. Aber es gibt auch noch Gegenden, in denen der kleine Nager den Menschen sogar lästig wird - im Raum Wiesbaden und im Main-Taunus-Kreis zum Beispiel. Der Landkreis Limburg-Weilburg gehört nicht dazu. Hier wird nur ab und zu mal ein Exemplar gesichtet, manchmal lebendig, manchmal tot.

Im Frühjahr hatte eine Spaziergängerin einen toten Gartenschläfer im Kirberger Wald gefunden und diesen Fund dem BUND gemeldet. Susanne Steib war guter Hoffnung, zumindest ein paar Exemplare in der Umgebung zu finden und bat den BUND-Kreisverband um Unterstützung bei einem ganz speziellen Projekt. Die Justus-Liebig-Universität Gießen, die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der BUND erforschen seit 2019 gemeinsam, warum die kleine Schlafmaus in vielen Gegenden innerhalb der vergangenen Jahre verschwunden ist. Genauer: Die Wissenschaftler forschen und die Bürger beobachten und melden. "Die Gartenschläfer-Aktion ist ein typisches Beispiel für ein Citizen-Science-Projekt", sagt Susanne Steib. "Bürger sammeln Daten für die Wissenschaft. Sonst könnten wir uns das nicht leisten."

Und es macht offenbar auch noch Spaß. "Es war ein tolles, interessantes Projekt", sagt Marlis Zimmermann, Sprecherin des BUND-Kreisverbandes. Und es sei immer wieder spannend gewesen, in die Tunnel zu schauen, immer voller Hoffnung, diesmal auch die charakteristischen Spuren des Gartenschläfers zu finden und nicht nur die von Mäusen, Vögeln, Spinnen oder Ohrwürmern.

Spätestens alle acht bis zehn Tage haben sie und sechs andere Mitglieder des BUND-Kreisverbandes die Spurtunnel kontrolliert, die Blätter ausgetauscht und archiviert und eine neue Mischung aus Aktivkohle und Speiselöl an den Rand des Tunnels geschmiert, damit die Tiere, die hindurch laufen, auch gut sichtbare Spuren hinterlassen.

Streuobstwiese

in Mensfelden

Das passende Areal für diese Gartenschläfer-Spurensuche war schnell gefunden: eine Streuobstwiese in Mensfelden, groß genug, um dort 25 Spurtunnel aufzuhängen. Jetzt war es Zeit, die Tunnel wieder abzuhängen - der Gartenschläfer geht jetzt in den Winterschlaf, vorbei ist die Zeit, in der der nachtaktive Nager umherstreift und überall seine Spuren hinterlässt - offenbar nur nicht in den Tunneln, in denen die Naturschützer sie so gerne gefunden hätten. Auf den ersten Blick seien jedenfalls keine Gartenschläfer-Spuren dabei, sagt Susanne Steib. Dafür aber jede Menge andere, und manchmal so viele, dass auf den ersten Blick gar nichts mehr zu erkennen ist.

Einen besonderen Fund haben die Naturschützer aber auf jeden Fall gemacht: Mitte September hat eine Haselmaus den Tunnel benutzt, nicht nur einmal, sondern immer wieder. Die Haselmaus gehört auch zur Familie der Bilche und: "Sie ist auch ist auch eine seltene Art" und besonders streng geschützt.

Vielleicht können die Experten auf den hunderten von Blättern, die sie jetzt nach Spuren eines Gartenschläfers aus dem Raum Hünfelden absuchen müssen, ja doch noch den erhofften Abdruck finden - auch wenn nicht: Die Aktion habe den Tieren auf jeden Fall geholfen, sagt Susanne Steib. Denn dann wisse man wenigstens, dass sie hier nicht mehr vorkommen. Und am Ende werde der Gartenschläfer vielleicht auch auf der Liste der streng geschützten Tiere landen. Denn das ist das Ziel: den Bestand des Gartenschläfers zu schützen.

Deshalb sei es wichtig, wirklich jeden Gartenschläfer zu melden, am besten bei der extra eingerichteten Gartenschläfer-Meldestelle (www.gartenschlaefer.de). Auch Totfunde seien interessant, sagt Susanne Steib. Die Kadaver werden an den Uni Gießen untersucht. Die Forscher wollen eine Bilch-Gendatenbank aufbauen, und sie wollen wissen, warum der Gartenschläfer so schnell so selten geworden ist. Ob vielleicht ein Virus dafür verantwortlich ist - oder doch vor allem die Veränderung der Lebensbedingungen der Schlafmäuse. Oder vielleicht beides.

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