Überraschungssieger: Dr. Sebastian Schaub auf der Landesmitgliederversammlung der Grünen in der Jahrhunderthalle in Frankfurt.
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Überraschungssieger: Dr. Sebastian Schaub auf der Landesmitgliederversammlung der Grünen in der Jahrhunderthalle in Frankfurt.

Ein Limburger setzte sich auf der Landesmitgliederversammlung der Grünen durch

Der Überraschungssieger aus der Domstadt

  • Stefan Dickmann
    VonStefan Dickmann
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Dr. Sebastian Schaub steht seit Samstag an der Spitze seiner Partei in Hessen

Limburg -Nach seiner überraschenden Wahl war er "ganz schön sprachlos", vor seiner Wahl war er es zum Glück für ihn nicht: Seine fünf Minuten Redezeit nutzte der Fraktionssprecher der Grünen in Limburg, Dr. Sebastian Schaub, am frühen Samstagnachmittag in der Jahrhunderthalle in Frankfurt so überzeugend, dass ihn die Mitglieder nach einem Wahlkrimi mit insgesamt fünf Kandidaten zum neuen Landesvorsitzenden wählten. Schaub führt damit zusammen mit der wiedergewählten Sigrid Erfurth die Grünen in den Landtagswahlkampf; gewählt wird im Herbst 2023.

Der 51-jährige Unternehmensberater aus Limburg löste den 29-jährigen Amtsinhaber Philip Krämer ab. Der hätte als neu gewählter Bundestagsabgeordneter sein Parteiamt gerne fortgesetzt, stieß aber in dieser Doppelfunktion an der Basis auf viel Skepsis. Schaub griff diese Stimmung geschickt auf und nutzte seine Chance. Die Grünen sind eben sehr ambivalent: Sie wollen zwar Macht, aber sie misstrauen ihr auch.

Der zweifache Familienvater - seine Tochter ist 16, sein Sohn 19, seine Frau ist Chefärztin am Limburger Krankenhaus - klopft schon seit vier Jahren beharrlich an der Tür zur Landespolitik. Diese Tür ging für Schaub allerdings bislang immer nur einen spaltbreit auf: Zwei Mal versuchte er vergeblich, Beisitzer im Landesvorstand zu werden, und scheiterte nur knapp. Vor drei Jahren scheiterte er bei der Landtagswahl knapp am Einzug ins Parlament; derzeit steht er auf Platz 2 der Nachrückerliste.

Ob er sich auch für den neuen Landtag bewerben will, wollte er nach der Wahl gegenüber dieser Zeitung noch nicht sagen. Es wäre allerdings schon erstaunlich nach diesem Sieg, wenn er es nicht täte. Die Tür, an die er so lange klopfte, steht für ihn nun sperrangelweit offen.

Der eine oder andere Parteifreund aus Limburg dürfte trotzdem überrascht sein, dass Schaub nun Landesvorsitzender ist. Man kann nicht behaupten, dass er seine Absichten zumindest in Limburg an die große Glocke gehängt hat - weder im Ortsverband noch in der Fraktion. Dem einen erzählte er zwar schon vor Wochen persönlich zumindest von der Absicht antreten zu wollen, ohne später zu sagen, dass er es auch macht. Und den anderen in der Fraktion teilte er diese Absicht so beiläufig mit, dass einige sie kaum wahrnahmen.

Nach seiner Wahl informierte der Stadtverordnete Andreas Pötz die Grünen-Fraktionsmitglieder per Mail über den Wahlerfolg. "Sebastian ist damit ein besonderer Coup gelungen", schreibt Pötz, als Vorsitzender des Ausschusses für Familie, Jugend, Integration und Kultur die Nummer 2 in der Fraktion. "Wir gratulieren Sebastian recht herzlich und wünschen ihm viel Glück und auch die nötige Kraft, bei seiner neuen und durchaus anspruchsvollen Aufgabe. Wir hoffen, dass er auch weiterhin ein Ansprechpartner für uns und den ländlichen Raum bleibt."

Die interne Kommunikation auf Landesebene ist nun die allererste Aufgabe, die Schaub angehen will. "Ich möchte mit allen in der Partei sprechen, in die Partei tief hinein hören, um zu erkennen, wo wir ansetzen können", sagte er nach seiner Wahl dieser Zeitung. Nun gelte es, die Stärken und Schwächen der Grünen auf Kreisebene zu analysieren, die Schwächen abzustellen, junge Menschen für die Mitarbeit bei den Grünen zu begeistern und die Landtagswahl erfolgreich zu gestalten - so erfolgreich, dass die Grünen mindestens in der Regierung - ohne dritten Koalitionspartner - bleiben.

Die selbst gesetzten Hürden sind damit hoch: Schaub will als Landesvorsitzender nicht nur das historisch beste Ergebnis seiner Partei mit knapp 20 Prozent bei der Wahl 2018 halten, sondern im Idealfall sogar ausbauen. Und das bei einer sehr wahrscheinlichen Regierungsbeteiligung seiner Partei auf Bundesebene. Wer die Deutschen kennt, weiß: Sind die so richtig sauer auf die Regierungsparteien in Berlin, strafen sie diese gern auf Landesebene ab.

Nach drei Wahlgängen mit insgesamt fünf Kandidaten hatte Schaub am Ende 226 Stimmen auf seiner Seite, der Amtsinhaber nur 200 Stimmen. Während sich der Limburger von 141 Stimmen auf 176 Stimmen im zweiten Wahlgang steigern konnte, weil erst die beiden Kandidaten mit den wenigsten Stimmen ausgeschieden waren und nach dem zweiten Wahlgang der Drittplatzierte, verharrte der Amtsinhaber im ersten und zweiten Wahlgang bei lediglich 196 Stimmen. Stefan Dickmann

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