Die Geschäftsführer der Blechwarenfabrik und Geschwister Annika und Hugo Sebastian Trappmann (Zweiter von links) freuen sich mit ihrer Belegschaft, darunter auch den Mitarbeitern Michael Badura und Christoph Weber (rechts), über den Deutschen Umweltpreis.
+
Die Geschäftsführer der Blechwarenfabrik Limburg und Geschwister Annika und Hugo Sebastian Trappmann (Zweiter von links) freuen sich mit ihrer Belegschaft, darunter auch den Mitarbeitern Michael Badura und Christoph Weber (rechts), über den Deutschen Umweltpreis.

Innovative Ideen

Wie sich die Blechwarenfabrik Limburg den Deutschen Umweltpreis holt – und 250.000 Euro

  • Stefan Dickmann
    vonStefan Dickmann
    schließen

Die Blechwarenfabrik Limburg ist mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden und wird mit 250.000 Euro Preisgeld belohnt. Die Stiftung lobte die selbst entwickelten Lösungen.

Limburg – Wer im Baumarkt Lacke oder Farben kauft oder in der Autoindustrie auf solche Produkte zurückgreift, hält mit großer Wahrscheinlichkeit ein von der Blechwarenfabrik Limburg hergestellte Weißblechdose in der Hand, denn diese werden von dem seit 2018 an der B49 in Offheim ansässigen Firma produziert.

Das bereits 1872 in Limburg gegründete Familienunternehmen mit weiteren Standorten in Dänemark, Polen und Russland ist mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet worden. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt würdigte damit am Mittwoch (02.09.2020) die "Energie- und Ressourceneffizienz im Klimaschutz durch High-Tech-Digitalisierung".

Limburg: Familienunternehmen erhält hohe Auszeichnung - Preisgeld in Höhe von 250 000 Euro

Über das Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro freuen sich die beiden Geschäftsführer - die Geschwister Annika (28) und Hugo Sebastian Trappmann (37). "Wir werden das Preisgeld in unser Unternehmen investieren", kündigt Hugo Sebastian Trappmann an.

Als "richtungsweisend für viele andere produzierende Branchen", lobt der Generalsekretär der Stiftung, Alexander Bonde, die Produktionsmethoden der Limburger Blechwarenfabrik. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Auszeichnung am 25. Oktober in Hannover überreichen. Mit dem Klima-Ökonomen Professor Dr. Ottmar Edenhofer (59), dem Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, gibt es einen weiteren Preisträger, der sich ebenfalls über ein Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro freuen kann.

Deutscher Umweltpreis für Limburger Firma: Weniger CO2, weniger Weißblechabfall

Die Umweltstiftung würdigt das innovative Gesamtkonzept der Blechwarenfabrik Limburg. Das Familienunternehmen stoße dadurch im Jahr etwa 2600 Tonnen CO2 weniger aus, spare durch innovative Produktionstechnik rund 100 Tonnen Weißblech ein und nutze die auf dem Dach der Fabrik erzeugte Solarenergie, um rund ein Drittel des in der Fertigung genutzten Strombedarfs abzudecken.

"Für uns als Firma ist die Auszeichnung eine tolle Sache", sagt Hugo Sebastian Trappmann. Im Kern sei es die Summe sehr vieler Einzelmaßnahmen, die dazu beigetragen hätten, den Umweltpreis gewinnen zu können. Die den Preis vergebende Stiftung weist in ihrer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung auf das in der Blechwarenfabrik Limburg verwendete "Business Intelligence System" hin: Darin würden alle Daten gesammelt und so ausgewertet, dass die Effizienz weiter gesteigert werden könne.

Auch die an sonnigen Sonntagen produzierte Solarenergie wird genutzt, obwohl die Produktion dann ruht; von montags bis samstags wird im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet. Mit der sonntäglichen Sonnenenergie wird der Roboter im Hochregallager in Gang gesetzt. "Er kann dann zum Beispiel Paletten, die am Montag mit dem Lkw abgeholt werden, schon so nah am Ausgang positionieren, dass die Abwicklung schneller geht", sagt Annika Trappmann.

Hohe Auszeichnung für Blechwarenfabrik Limburg – Stolze Geschäftsführer

Die Umweltstiftung lobt zudem, dass "in allen Gebäuden die Abwärme aus den industriellen Prozessen sowohl zum Heizen als auch zum Kühlen genutzt wird". Die Heizung im Herbst und Winter und die Klimaanlage in den Sommermonaten würden so komplett betrieben, sagt Hugo Sebastian Trappmann.

Besonders stolz sind die beiden geschäftsführenden Geschwister darauf, dass viele der innovativen Lösungen von den Ingenieuren im eigenen Unternehmen gefunden werden. "Wir arbeiten in einer Nischenbranche", sagt Annika Trappmann. "Wir müssen deshalb immer neue Maschinen entwickeln, um innovativ zu bleiben." Das zeigt sich zum Beispiel auch an einer von der Blechwarenfabrik neu entwickelten Technologie zum Beschichten der Oberflächen von Weißblech. Auch davon profitiert die Umwelt, weil dadurch auf einen der beiden traditionellen Gasöfen mit hohem Energieverbrauch verzichtet werden konnte.

Eine kleine Belohnung für die Belegschaft gab es auch schon: Die Mitarbeiter der Früh- und Tagschicht wurden vergangene Woche mit Eis von der in Niederbrechen ansässigen Eismanufaktur versorgt, die Nachtschicht durfte sich über Kuchen freuen.

Beinahe hätte die Blechwarenfabrik Limburg verlassen

Dass die Blechwarenfabrik noch immer ein Limburger Unternehmen ist, ist nicht so selbstverständlich, wie es vielleicht angenommen wird. Bevor die Stadt Limburg dem Traditionsunternehmen eine Gewerbefläche im neuen Gewerbegebiet "Nördlich der Kapellenstraße" in Offheim anbot, sah es eine Zeitlang so aus, dass die Blechwarenfabrik Limburg verlassen und sich in an ihrem weiteren Firmenstandort in Neustadt (Wied) in Rheinland-Pfalz ansiedeln könnte. Nun soll der Standort in Neustadt nach Limburg verlagert werden. Auch der Neubau des Firmensitzes direkt an der B49 verlief nicht reibungslos. Das Hochregallager sollte zunächst in West-Ost-Richtung gebaut werden. Dagegen protestierten vor allem die Grünen, weil die bis dahin unbebaute Fläche eine wichtige Funktion als Kaltluftschneise hat. Das Hochregallager wurde deshalb in Nord-Süd-Richtung gebaut.

Gegründet wurde das Unternehmen im Juli 1872 in Limburg von Joseph Heppel. 1898 erfolgte der Bau der Fabrikhalle an der Stiftstraße/Eck Schaumburger Straße. 1904 verkaufte der Firmengründer das Unternehmen, das seitdem Blechwarenfabrik heißt. In den folgenden Jahrzehnten gab es immer wieder Erweiterungen, bis der Standort zu klein wurde. Um endlich mehr Platz zu haben, folgte innerhalb Limburgs der Standortwechsel von der Innenstadt nach Offheim mit dem Spatenstich im Juni 2016. Seit November 2018 läuft der Betrieb am neuen Standort.

Auszeichnung für Limburger Unternehmen: Das sagen Kreis, Stadt und IHK zur Verleihung

"Ich freue mich sehr darüber, dass mit der Blechwarenfabrik ein seit fast 150 Jahren bestehendes, heimisches Traditionsunternehmen verdientermaßen den Deutschen Umweltpreis bekommt", sagt Landrat Michael Köberle (CDU). "Ich selbst habe eine besondere Beziehung zu diesem Unternehmen, da ich dort bei meiner Ausbildung zum Energieanlagenelektroniker meine erste berufliche Station hatte. Neben der Geschäftsführung mit Annika und Hugo Sebastian Trappmann gratuliert der Landrat der ganzen Belegschaft "zu diesem wirklich großartigen Erfolg".

Auch der Limburger Bürgermeister Dr. Marius Hahn (SPD) würdigt die Verleihung. "Ich freue mich und bin stolz, dass ein heimisches Unternehmen den Deutschen Umweltpreis erhalten hat und damit für sein herausragendes Engagement für den Klimaschutz ausgezeichnet wurde", sagt Hahn. "Der Preis zeichnet nicht nur das Unternehmen aus, sondern auch den Standort Limburg. Die Stadt Limburg bestärkt es, den richtigen Weg bei der Vergabe der Gewerbegebiete eingeschlagen zu haben, bei der unter anderem auf die Spezialisierung von Unternehmen geachtet wird, aber auch heimischen Unternehmen die Möglichkeit zur Expansion gegeben wird." Die Blechwarenfabrik sei ein traditionsreiches Limburger Unternehmen, das mit dem Firmenneubau neue Maßstäbe im Bereich Energie- und Ressourceneffizienz haben setzen wollen. "Der Umweltpreis ist eine Auszeichnung dafür, dass dies gelungen ist."

"Wir freuen uns und sind stolz, dass mit der Blechwarenfabrik ein heimisches Unternehmen den Deutschen Umweltpreis gewonnen hat", sagt Ulrich Heep, Präsident der Industrie- und Handelskammer Limburg. "Die Auszeichnung des Neubau-Projekts der Blechwarenfabrik zeigt, dass Wirtschaft und Umweltschutz keine Gegensätze sind, ganz im Gegenteil." Unternehmen wie die Blechwarenfabrik seien mit ihrer Innovationskraft und Leistungsfähigkeit ein wichtiger Partner bei gesellschaftlichen Themen wie Klimaschutz oder Energiewende "und sie sind sich ihrer Verantwortung bewusst". Energie- und Ressourceneffizienz, Erneuerbare Energien oder Klimaschutz und Nachhaltigkeit gehörten "schon lange zum festen Bestandteil ihrer betrieblichen DNA, noch bevor es entsprechende politische Aktivitäten gab", lobt Heep. Für Limburg und die Region sei die Blechwarenfabrik ein wichtiges Unternehmen. "Mit ihren fast 150 Jahren verbindet sie Tradition und Innovation und ist durch ihren Umzug nach Offheim dem Standort treu geblieben. Dabei ist die Blechwarenfabrik nicht nur ein bedeutender Arbeitgeber, sondern gehört seit vielen Jahren auch zu den herausragenden Ausbildungsunternehmen der Region." Immer wieder bringe sie Ausbildungsbeste hervor und habe deshalb auch 2018 zu den Trägern des "Bildungspreises" der IHK Limburg gehört. (Von Stefan Dickmann)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare